NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 51/17 | 4. MAI 2017
________________________________________________________________
Umwelt/Vögel/Agrar
NABU: Alarmierender Rückgang bei Vögeln in Deutschland und Europa 
Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag bestätigt Beobachtungen zum
Rückgang der Feldvögel - Verlust von Nahrung und Lebensraum 
________________________________________________________________
 
Berlin – Die Vögel der Agrarlandschaft sind in Deutschland und Europa
besonders bedroht. Die Bestände typischer Vögel der offenen Felder und
Wiesen haben in den letzten Jahrzehnten immer schneller abgenommen.
Zwischen 1990 und 2013 verschwanden in Deutschland 35 Prozent aller
Feldlerchen, 80 Prozent aller Kiebitze und 84 Prozent aller Rebhühner.
Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage
der Grünen im Bundestag hervor (Drucksache 18/11877), die heute
veröffentlicht wurde.
 
Der NABU begrüßt die kritische Nachfrage durch die Grünen und die
fachlich fundierte Antwort der Bundesregierung. Die Zahlen und Fakten
des Dokumentes lassen klar erkennen, wo derzeit das größte Problem für
die Erhaltung der heimischen Vogelwelt und der damit zusammenhängenden
Artenvielfalt liegt. „Die immer intensivere Landwirtschaft lässt selbst
den früher fast überall anzutreffenden Vogelarten der Agrarlandschaft
keinen Raum mehr zum Überleben. In vielen Regionen Deutschlands kann man
inzwischen den fröhlichen Frühlingsgesang der Feldlerche beim
Spaziergang über die Felder kaum mehr hören“, sagte NABU-Vizepräsident
Thomas Tennhardt.  
 
Die alarmierenden Zahlen zum Verlust von Vögeln, die vor allem in der
Agrarlandschaft leben, wurden bereits in einer im August 2016
veröffentlichten Studie „Tracking Progress Towards EU Biodiversity
Strategy Targets: EU Policy Effects in Preserving its Common Farmland
Birds“ bekannt, die gemeinsam von Forschungseinrichtungen und Verbänden
erstellt wurde. Sie zeigt, dass die EU mit ihrer Vogelschutzrichtlinie
und ihren Agrarumweltprogrammen zwar einen wichtigen Beitrag zum Erhalt
vieler Vogelarten auf Feldern und Wiesen leistet, den dramatischen
Artenschwund aber nicht umkehren kann. Hauptursache dafür ist eine durch
die EU-Agrarförderung immer intensiver werdende Landwirtschaft.
 
Nutzungsintensivierung, der Einsatz von Pestiziden, Überdüngung und
verarmte Fruchtfolgen haben in den letzten Jahrzehnten zu einem massiven
Verlust von Artenvielfalt und Lebensräumen in der Agrarlandschaft
geführt sowie zu einer enormen Belastung von Wasser, Böden und Klima.
Verantwortlich dafür ist vor allem die gemeinsame Agrarpolitik in der EU
(GAP), bei der die Förderung größtenteils nach dem Gießkannenprinzip
mittels pauschaler Flächenprämien ohne konkrete Natur- und
Umweltleistungen für die Gesellschaft erfolgt. „Damit muss endlich
Schluss sein. Der NABU fordert eine grundlegende Reform der gemeinsamen
Agrarpolitik nach 2020. Öffentliche Gelder dürfen nur noch für
öffentliche Leistungen vergeben werden.  Dafür muss sich die
Bundesregierung in Brüssel einsetzen. Ohne Druck aus Deutschland wird es
keine ökologische Agrarreform geben“, so Tennhardt.
 
Am 2. Mai endete eine Bürgerbefragung der EU-Kommission zur künftigen
Agrarpolitik. Mehr als 320.000 Menschen haben daran teilgenommen, über
258.000 davon haben der NABU, sein Dachverband BirdLife Europe und
andere Umweltverbände mobilisiert. Das Votum ist eindeutig: Die
Teilnehmer verlangen einen grundsätzlichen Wandel der EU-Agrarpolitik
hin zu einer verantwortungsbewussten, fairen, nachhaltigen und gesunden
Landwirtschaft für Mensch und Natur. Agrarsubventionen müssen in Zukunft
naturverträglich verteilt werden. Nur so kann laut NABU auch die
Vogelwelt gerettet werden. Die gleiche Botschaft unterstützen europaweit
bereits auch über 600 Unternehmen und Organisationen im Bündnis
„LivingLand“.
 
Am 11. Mai werden das Ergebnis der Bürgerbefragung sowie die Logos der
Unternehmen und Verbände im Rahmen einer Konferenz an EU-Agrarkommissar
Phil Hogan übergeben. Die hohe Beteiligung und die lauten Stimmen für
eine grundlegende Reform sowie nachhaltige Investition von Steuergeldern
kann die EU-Kommission kaum ignorieren. 
 
Mehr Informationen:


„LivingLand“-Kampagne des NABU für eine naturverträgliche
Landwirtschaft: www.livingland.de 
 
Studie „Tracking Progress Towards EU Biodiversity Strategy Targets: EU
Policy Effects in Preserving its Common Farmland Birds“ erschien Ende
vergangener Woche in der Fachzeitschrift „Conservation Letters“ (in
Englisch): 
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/conl.12292/abstract?campaign=wolacceptedarticle

 
 
Für Rückfragen:
Lars Lachmann, NABU-Vogelschutzexperte, Tel. +49 (0)30.284984-1620,  
E-Mail: [email protected]
 
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------
NABU-Pressestelle
Kathrin Klinkusch | Iris Barthel | Britta Hennigs | Nicole Flöper 
Tel. +49 (0)30.28 49 84-1510 | -1952 | -1722 | -1958 
Fax: +49 (0)30.28 49 84-2000 | E-Mail: [email protected]
_______________________________________________
Pressemeldungen mailing list
[email protected]
https://lists.wikimedia.org/mailman/listinfo/pressemeldungen

Antwort per Email an