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Krystian Woznicki faengt erst gut an, belegt und verteilt die 
"Diskussions"-Punkte der Aversionen gegen den Vuvuzela-Noise, begreift aber das 
'Wesentliche' nicht und dreht dann gegen Ende seines Artikels wieder den 
Infofilter-Hahn auf, also die Technoloesung, die das Gerede (Ueberflutung), das 
massenhafte, steuern helfen soll. Das ist der altbekannte Schritt von der 
Oekonomie- zur Kulturtheorie der Maschine mit materialistischem Grundrauschen 
(sic!). Remember Kittler, der schon ca. 1998 professoral vor der exklusiv 
ueberteuerten Silicon Graphics sagte, dass Netze ja Scheisse seien (Eine von 
mir geliebte Anekdote). Weil da ja offenbar nur Gerede sei? Die 
Hochkulturgezuechteten brauchen den Generaldirektor Adolf Grimme-Preis fuer die 
Selbstvergewisserung eigener Kulturmacht, die nun ausgesetzt wird mit dem Krach 
der bloeden, vom Billigplastik-Horn Verfuehrten. Die importierte Trompete sei 
unauthentisch und nicht mehr echt exotisch. Musikalischen Kriterienverfechtern 
der buergerlichen westlichen Hochkunst, inklusive des dt. Expressionismus nach 
afrikanischer Kunst, ist das immer nur dasselbe, nur Laerm. Es gibt keine 
Hoehepunkte, keine Struktur mehr. Was echt und gut und schoen sei, weisz auch 
und vor allem der, der kein "Freund dieser Troete" ist. Der individuelle 
Geschmack zaehlt also wieder, weil das aesthetisch vernuenftig ist. Das kann 
man gut mit dem Grundsatz der Gruenen assoziieren, deren Vernunft auch alles 
bestens reguliert, bekanntlich bis hin zum Angriffskrieg fuer Bionade.

Diderichsens altes Diktum, wenn jedes Fussballspiel gleich klinge, handele es 
sich num relevante neue Musik, ist hier natuerlich verfehlt. Da es der Sound 
der Zehntausenden ist, des Publikums, das willfaehrig mit ihrem Fantum 
wenigstens im audiblen Spektrum definiert was im Stadion abgeht. Man darf nur 
Staedion nicht mit Spiel verwechseln, welches ja nur noch der gelieferte Sport 
zum Umsatz ist, also die Ware zum Tausch darstellt. Aber diese Definition des 
Klangraums geschieht quasi anarchisch und wurde auch anarchisch in allen 
Nationalfarben kolonialistisch angeheizt, ethnizistisch propagiert und wird nun 
obrigkeitststaatlich wieder verboten. Jede Kreissaege, das wissen die Neubauten 
in der Post-Hornbachmoderne am besten, ist im Kontext der Symbolisierung eben 
gerade nicht die Kreissaege auf der Strasse.

Aber der Reihe nach. Nimmt man z.B. die alte Widerspiegelungstheorie, dann 
waere der ungerichtete Sound aus den Vuvuzelas zunaechst einmal der einer 
ungerichteten Vielheit, die dennoch scheinbar willfaehrig das Spektakel der 
sogenannten Weltmeisterschaft beschallt und also affirmativ untermalt. 
Anarchisch wie der Markt nunmal ist, wurde aber den Leuten das Ding auch hier 
in der BRD fuer 1,30 verkauft und ist in Bayern oder auf der Fanmaile Deiner 
Wahl mittlerweile verboten. Wer dort nicht oeffentlich Fan ist, sondern 
kritisch Private Viewing macht, sich also abhebt, wird nun irgendein Skript 
anwenden sollen, das den Krach draussen haelt. Neben dem ganzen Cultur-Clash, 
ist das mindestens eine doppelte, ja dreifache Enteignung und zeigt den Irrsinn 
der Industrie ueberhaupt klar und deutlich an: Kauf den Scheiss, konsumiere ihn 
aber nicht. Oder: Eigne Dir ein Instrument/Medium an, aber setze es nicht ein. 
Weder die Libido der Grossveranstaltungsgaenger ist damit frei, noch die 
ausgenutzte ersatzreligioese Begeisterung, noch der bewusztlose Klang des 
vielleicht Gemeinsamen (Bienensummen) gehoert den Statisten der WM. Alles ist 
restringiert aber spielt Satisfaction. Das perfekte Abbild der in der 
soziologisch in sogenannter Konsumgesellschaft gefangenen Enteignung der 
Produktivitaet der Menge (Toni Negristisch) oder Masse (Marxistisch). Denn 
produziert haben die Hoerner welche, die sich das auch kaufen (3fache 
Enteignung). Wenn also jemandem der Nerv geraubt oder getoetet wird, ist das 
nicht der Diebstahl der interessant ist. Der liegt in der Wegnahme der Kette 
der Herstellung des Dings, seiner immateriellen Qualitaeten und der Arbeits- 
und "Freizeit", die dafuer verbraucht wird.

Den richtigen Filter zu liefern und zu finden ist demnach blosze 
Nationaloekonomie, beinhahe a la Jacques Attali's Buch _Noise_, der alles 
Revolutionaere (vernuenftig?) in unterschiedslos neuen Ordnungen verortet 
wissen will. Die Oekonomie der Nationen -- worin das hochgeruestete und 
verschuldete Suedafrika bekommt was es verdient. Den Krach, der die Stimme des 
Einzelnen zwar erklingen laesst, diesen aber zur abstrakten Un-Artikulation 
eines Furz draengt (nichts gegen "Noise", I'm lovin' it), der aufgeht in der 
allzu bunten Masse, die jedoch nicht ornamental genug, nicht gerade genug ist. 
Also gerade nicht faschistische und kontrollierbare Masse ist. Was die 
Kommentatoren, unsere Stimme im TV, wieder mit ihren Zuschauern hoeren wollen, 
ist der Heideggersche "Mercedes im unmittelbaren Unterschied zum Adler-Wagen". 
Unordnung war schon immer gefaehrlich. Was also verteidigt werden muss gegen 
die _Ausrichter_ und _Schalter_ (elektr. Filter sind nichts anderes) des 
un-artifiziellen Noise, ist die Unbaendigkeit, die darin -- romantisch 
ausgedrueckt -- aufklingt, ohne dem darauf projizierten Free Jazz und dem 
zigsten Geraeusch Musik-Pop zu folgen.

Matze Schmidt

nicht Tippfehlerbereinigte Vers.!
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