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FREE CULTURE is available for free under a Creative Commons license. You may redistribute, copy, or otherwise reuse/remix this book provided that you do so for non-commercial purposes and credit Professor Lessig. On Wed Mar 15, 2006 at 08:34:01AM +0100, [EMAIL PROTECTED] wrote: > > Lawrence Lessig: Freie Kultur > > > Hamburg - Internet, Tauschbörsen, Raubkopierer - das sind zentrale > Reizwörter, die der Medienindustrie seit Jahren kräftige Bauchschmerzen > bereiten. Die Musikbranche klagt über Verluste in Milliardenhöhe, und > Hollywood wacht mit Argusaugen über seine mittlerweile ebenfalls > digitalisierten Inhalte. > Doch das Internet hat auch eine bislang ungeahnte Form der Kreativität > freigesetzt. Für diese Kultur, die Hollywood und die Musikindustrie in > höchste Panik versetzt, hält der angesehene amerikanische > Rechtswissenschaftler Lawrence Lessig ein ambitioniertes Plädoyer. > > > > > In seinem jüngsten Buch "Freie Kultur - Wesen und Zukunft der Kreativität" > attackiert er sachlich fundiert die Versuche der Medienindustrie, die > entstandenen Möglichkeiten für die Kultur nur für ihre eigenen Interessen zu > opfern. > > In seiner detailreichen und dabei bemerkenswert unterhaltsamen Analyse stellt > Lessig das heute geltende Urheberrecht als kaum praxistauglich und sogar > kontraproduktiv dar. Dabei geht es ihm keineswegs darum, Raubkopien das Wort > zu reden, sondern neue Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die Urheber in einer > veränderten technischen Welt dennoch zu ihrem Recht kommen. Denn was das > derzeit geltende Recht in der alltäglichen Praxis für Blüten treiben kann, > beschreibt der Rechtsprofessor anschaulich an zum Teil sehr bizarr wirkenden > Fällen. > > So erzählt Lessig die Geschichte von dem Juristen Alex Alben und dessen > Vorliebe für neue Technologien. Alben hatte im Jahr 1993 die Idee, eine > Retrospektive über den Schauspieler Clint Eastwood erstmals auf dem damals > noch jungen Medium CD-ROM herauszubringen. Das Vorhaben gelang - doch kostete > es die Firma Starwave, für die er tätig war, ein ganzes Jahr Arbeit und die > Mithilfe zahlreicher Angestellter - allein um die dafür nötigen Rechte zu > klären, etwa alle Schauspieler aus den Ausschnitten zu identifizieren und von > ihnen jeweils die persönliche Erlaubnis für die Nutzung einzuholen. > > Ein anderes Projekt aus den 90er Jahren, in diesem Fall von dem Filmemacher > Jon Else, war dagegen weniger von Erfolg gekrönt, kann Lessig berichten: Es > scheiterte daran, dass dem Dokumentarfilmer das Geld für den Erwerb aller > Rechte schlicht fehlte. Für die geplante Dokumentation über Richard Wagners > Ring-Zyklus filmte Else in einer Szene zwei Bühnenarbeiter beim Dame-Spiel > hinter den Kulissen. In einer Ecke des Raums lief ein Fernseher. Allein für > den Ausschnitt einer Folge der "Simpsons" von Matt Groening, der dort keine > fünf Sekunden zu sehen war, sollte Else 10 000 Dollar an das Filmstudio Fox > zahlen. > > "Werft die vielen Juristen raus", fordert der Rechtsprofessor Lessig > provokant in einer seiner Überschriften. Denn viele heute vom Gesetz her > nötige Klärungen der Urheberrechte für die Nutzung etwa von Filmausschnitten > oder Musikstücken sind ohne immensen Aufwand oder starken rechtlichen > Beistand kaum noch realisierbar. Gut lebt davon allein eine stetig wachsende > Zahl von Juristen, so Lessig, der selbst an der Stanford Law School lehrt und > dort das "Center for Internet and Society" gegründet hat. > > Dabei leben wir längst in einer "Copy and Paste"-Kultur. Über das Internet > sind Musik, Bilder, Illustrationen, Literatur und Filme leicht und > unkompliziert verfügbar, und die Inhalte lassen sich in den meisten Fällen > problemlos kopieren und weiter verwenden. Doch wer Film-Schnipsel oder > Bildausschnitte aus dem Internet für seine eigene Homepage oder auch > beruflich etwa für eine Präsentation nutzt, sie vielleicht noch mit Musik > untermalt, hat sich bereits strafbar gemacht. Mit heutiger Rechtsprechung > wären viele kulturelle Höhepunkte in der Vergangenheit gar nicht erst > entstanden, meint Lessig. > > Die Medienindustrie versuche mit allen Mitteln, die durch neue Technologien > entstandenen kreativen Freiheiten zu beschränken. "Der gesunde > Menschenverstand muss revoltieren", sagt Lessig. Denn diese Freiheiten > bedeuteten keineswegs automatisch Anarchie. Eine Überregulierung schade > dagegen allen Seiten. "Ein Krieg um das Urheberrecht tobt um uns herum - und > wir alle konzentrieren uns auf das Falsche", meint Lessing. Zwar bedrohen > tendenziell neue Technologien existierende Geschäftsmodelle. Doch überall um > uns herum verändere sich derzeit grundlegend die Art und Weise, wie Kultur > überhaupt entsteht. > > Lawrence Lessig > > Freie Kultur - Wesen und Zukunft der Kreativität > > Open Source Press GmbH, München > > 304 S., Euro 24,90 > > ISBN 3-937514-15-5 > > > > © dpa - Meldung vom 14.03.2006 09:36 Uhr > > > > > -- > mailto:[EMAIL PROTECTED] > > -- > rohrpost - deutschsprachige Liste zur Kultur digitaler Medien und Netze > Archiv: http://www.nettime.org/rohrpost > http://post.openoffice.de/pipermail/rohrpost/ > Ent/Subskribieren: > http://post.openoffice.de/cgi-bin/mailman/listinfo/rohrpost/ -- rohrpost - deutschsprachige Liste zur Kultur digitaler Medien und Netze Archiv: http://www.nettime.org/rohrpost http://post.openoffice.de/pipermail/rohrpost/ Ent/Subskribieren: http://post.openoffice.de/cgi-bin/mailman/listinfo/rohrpost/
