sicherlich hat die postfordistische produktion folgen auch und
gerade im bereich der kunstproduktion gezeitig - jedoch würde ich
hier eher argumentieren, dass die künstler als vorreiter einer
subjektivierung dienten, die dem arbeiter vorgaukelt er sei nicht
länger von den produktivkräften getrennt. also der künstler ist
nicht nun letztendlich auch noch teil der postfordistischen
abeitsorganisierung geworden, sondern seine moderne romantisierung
ist genau dasjenige ideologische modell an dem sich nun abhängig
beschäftigte orientieren sollen.
daraus entstehen gesellschaftlich absurde härten: künstler sollen
ihren gesellschaftlichen mehrwert nachweisen und angestellte ihre
freiheit vom beschäftigungsverhältnis.
die politisierung des modernen künstlersubjektes durch die avant-
garden, sprach ( wo sie sich mit der eigenen rolle innerhalb der
industriellen massenproduktion auseinandersetzen) dem künstler eine
macht zu die ihn systematisch vom arbeiter oder allgemeiner von
produzenten auf anderen gebieten, unterschied: im gegensatz zu den
anderen produzenten war der künstler nicht getrennt von den
produktionsmitteln. der künstler selbst ist ein berufsbild
innerhalb der arbeitsteilung aber seine tätigkeit begleitet das
produzierte objekte von planung bis realisierung.
genau diese freiheit von der mehrwertproduktion (im feld der kunst
ideologie ebenso wie chance) wurde im laufe der postfordistischen
produktion zum stereotyp der allgemeine produktion ausgeweitet (und
hier gewalt): das klassische modell der fordistischen fabrik, des
sozialzusammenhangs arbeitsplatz wurde ersetzt durch scheinbar
selbständige beschäftigungen - eigentlich bloss eine
multiplizierung und verfielfachung der abhängigkeitsverhältnisse.
einschub:
marx beschreibt im kapital band I die "ursprüngliche akkumulation"
also sozusagen die urbarmachung der welt für die kapitalistische
massenproduktion. der zentrale punkt dieser urbarmachung besteht
darin die produzenten von den produktivkräften zu trennen und sie
so zu nötigen a) ihre arbeitskraft auf dem freien markt anzubieten
und b) ihre eigene arbeit als entfremdet wahrzunehmen, ihr also
keine sinn mehr beimessen zu können, da das produkt der
arbeitsteilung vom standpunkt des spezialisierten handgriffes des
einzelnen produzenten nicht wiederzuerkennen ist.
wie im warenfetischkapitel dargestellt, treten in der
kapitalistischen arbeitsteilung dem arbeiter die produkte der
eigenen arbeit als quasi natürliche gegenstände, als waren, gegenüber.
einschub ende
der postfordismus legt, wie im herumgesandten abschnitt ja
festgestellt, die verantwortung der produktion - nicht aber ihre
mittel - in den schoss der produzenten. durch die prekarisierung
der arbeit, die vielbeschäftigung, das deskilling und die
erzwungene chaotisierung der lebenswege wird aus den "abhängig
beschäftigten" des fordismus, scheinbar frei umherschweifende
produzenten des postfordismus - deren abhängigkeit sich jedoch nur
noch verstärkt hat. zum einen weil die trennung vom modell der
firma die solidarität unter den arbeitenden in fetzen reisst, zum
anderen weil diese individualisierung des arbeitskampfes seine quer
über die erwerbsmöglichkeiten verteilten lohnarbeiten als in die
position bringt ihre unterschiedlichen tätigkeiten als immateriell
wahrzunehmen, als unverbunden, völlig vom material unabhängig und
sinnlos...
ich glaube daher nicht, dass der übergang von der vereinzelung der
produzenten in die 'prostitution' führt: seinen körper als
arbeitskraftbehälter verkaufen menschen seit beginn des
kapitalismus, sondern dass die individulaisierung der
arbeitsverhältnisse wie auch der künstlerbiografien das körperliche
aus der produktion verschwinden lässt. es taucht auf - aber als
brand, als marke als oberflächenstruktur. die postfordistische
vereinzelung führt zu einem verschwinden der realen produktion
unter den oberflächen: auf die sich ebenso die ideologischen
anfeuerungen von staatsseiten richten wie auch häufig die
'kritischen' gegenmodelle. der kampf um die oberflächen bleibt
ohnmächtig.
wo das firmenmodell - wie bei den arbeitskämpfen der 1970er gerade
in Italien, aber auch noch in deutschland - noch die möglichkeit
der aneignung, der übernahme in aussicht stellte wird auch das
konzept der aneignung in der prekären beschäftigung
individualisiert, zerteilt. es werden fragmente angeingent,
bruchstücke - und eben diese politik der bruchstücke lässt das
system kapitalistische produktion unangetastet. es bleibt an der
oberfläche, bleibt reformistisch.
Am 25.03.2006 um 20:47 schrieb bessere zeiten:
KunstsystemAlsPostfordistischesUnternehmen
wie lingner aufzeigte, bestehen für den künstler seit seiner
entlassung in die vermeintliche freiheit vor allem ökonomische
zwänge, die ihn unfrei machen. der künstler, so denn er sich von
seinen produkten ernähren will, begibt sich in das betriebssystem
kunst, welches sich in den letzten jahrzehnten zunehmend als
postfordistisches unternehmen darstellt, in der jeder künstler
sich als ich-ag, als scheinselbstständiger einbringen muss. so
zwingt das system kunstmarkt dem künstler seine bedingungen auf,
verlagert, ganz im sinne der postfordistischen fabrik, die fabrik
in das innere des subjekt. das unternehmen kunstmarkt definiert
das subjekt "künstler". dem vermeintlichen künstler bleibt, um in
dieses unternehmen zu gelangen, nichts anderes, als das grobe
raster an subjektivierung mit einem "persönlichen"
alleinstellungsmerkmal zu versehen. dies kann aber nur der körper/
lifestyle des künstlers sein, was in letztlich in ein verhältniss
der prostitution zwingt: er muss seinen körper anbieten um waren
produzieren zu dürfen.
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