Demokratie 4
Informationen aus der Tiefe des umstrittenen Raums

Oliver Ressler / What Is Democracy?
Hinrich Schultze & Uta Roßberg / Oaxaca ohne Regierung
Videolecture und Diashow mit anschließender Diskussion

Dienstag 4. September 2007, 20 Uhr
im Veranstaltungsraum der NGBK 1. OG
Oranienstr 25 10999 Berlin

Der in Wien lebende Künstler Oliver Ressler wird drei seiner Projekte unter Fokussierung auf direkte oder partizipative Demokratieformen anhand von Videoausschnitten vorstellen.

Das Projekt /Alternative Economics, Alternative Societie/, das Oliver Ressler von 2003 bis 2007 als expandierende Archivinstallation in 21 internationalen Ausstellungen realisiert hat, zeigt anhand von 16 Videointerviews unterschiedliche Konzepte und Modelle für alternative Ökonomien und Gesellschaften auf. Gesellschaftsmodelle wie /Inclusive Democracy/ von Takis Fotopoulos (GB/GR), /Libertärer Kommunalismus/ von Chaia Heller (USA) oder /bolo’bolo/ des Schweizer Autors p.m. werden vorgestellt. Konkret praktiziert wird das direktdemokratische Selbstverwaltungsnetzwerk der mexikanischen Zapatisten, die Junta der guten Regierung.

Ein neueres Projekt, das in Deutschland zurzeit im Kunstverein Wolfsburg zu sehen ist, ist die Installation /Fly Democracy/ (2007). Für /Fly Democracy/ wird die Geste des Abwurfs von Flugblattbotschaften von US-amerikanischen Kampfjets auf irakisches oder afghanisches Territorium wiederholt, der Zielort des Abwurfs allerdings symbolisch auf das Territorium der USA verlegt wird. Die zehn für /Fly Democracy/ hergestellten Flugblätter fokussieren auf aktuelle theoretische Diskurse über direkte oder partizipative Demokratieformen und stehen damit in einem inhaltlichen Widerspruch zu dem von der US-Regierung forcierten Modell der formalen Demokratie, die in einen neoliberalen kapitalistischen Staat eingebettet ist.

Außerdem wird Ressler in der Veranstaltung in der NGBK erstmals Ausschnitte aus seinem in Arbeit befindlichen Film /What Is Democracy?/ (2007 – 2008) zeigen, in dem InterviewpartnerInnen aus Europa, den USA, Russland und Australien aus unterschiedlichen Blickwinkeln eine Kritik am Konzept der repräsentativen Demokratie formulieren und der Frage nachzugehen versuchen, auf welche andere Weise denn Gesellschaft demokratisch organisiert werden könnte.
www.ressler.at

Vom Widerstand und der regierungsfreien Phase in Oaxaca berichten die Historikerin Uta Roßberg (Hamburg) und der Dokumentarfotograf Hinrich Schultze (Hamburg) anhand seiner Fotoserie /Oaxaca im Ausnahmezustand./

Zwischen Mai und November 2006 errichtet eine Allianz aus Lehrergewerkschaft und sozialen Bewegungen Protestcamps im Touristenzentrum Oaxaca-Stadt. Breite Teile der Bevölkerung schließen sich dem Bündnis an. Die Bewegung wird zur Rebellion und der Bundesstaat befindet sich über ein halbes Jahr in der Hand der Aufständischen. Sämtliche Regierungsgebäude Polizeistationen und Gefängnisse sind leer, der Gouverneur ist geflohen.

Die Regierung antwortet mit paramilitärischen Aktionen, illegalen Verhaftungen und brutalen Polizeieinsätzen. Doch die überwiegend friedliche Protestbewegung gibt nicht auf: Sie bildet die /Versammlung der Völker Oaxaca /(APPO), in der alle Bereiche der Gesellschaft vertreten sein sollen. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, eine neue Verfassung zu erarbeiten.
http://www.dokumentarfoto.de/oaxaca/

Der Fokus der mittlerweile ins vierte Jahr gehenden Veranstaltungsreihe liegt in diesem Jahr auf Kunst und Demokratie in Hinblick auf ihre Bedingungen, Umsetzungen, Alternativen und Umbauten. Ende des Jahres erscheint die Publikation *Demokratie ... Informationen aus der Tiefe des umstrittenen Raums *mit Beiträgen der Vortragenden, Auszügen aus den sich anschließenden Diskussionen und zusätzlichen Text- und Bildbeiträgen.
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