Culture of Control?
Überwachung, Kontrolle und Subjektivierung
Konzept und Organisation: Ulrike Mayer und Odin Kroeger

Wenn heute Überwachung und Kontrolle thematisiert werden, so meist durch
moralisierende Diskurse über die Art und Weise, in der staatliche und
nicht-staatliche Organisationen Daten über uns sammeln. Wer das jedoch
einfach nur skandalisiert und meint, dadurch schon wirksam in die
politische Diskussion eingegriffen zu haben, verkennt, wie weit diese
Kontrolltechniken bereits gesellschaftlich akzeptiert und gewünscht
werden. Woher rührt nun aber diese breite Akzeptanz und welche Interessen
und Bedürfnisse bedient sie? Die Vorträge dieses Semesters werden die
gesellschaftliche Einbettung sowie den Wandel von Überwachungsmechanismen
vor dem Hintergrund postfordistischer Transformationsprozesse nachzeichnen
und diskutieren, wie sich dies auf Staatlichkeit, das Verhältnis
öffentlich / privat und die Formierung vergeschlechtlichter
Subjektivitäten auswirkt.


Montag, 8. November, 19.00 Uhr, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien:
Andrea Kretschmann (Bielefeld / Wien):
Kontrollkulturen: Felder, Formen und AkteurInnen der Überwachung
Im Übergang vom Fordismus zum Postfordismus erfahren Formen sozialer
Kontrolle einen erheblichen Wandel. Soziale Beziehungen werden in immer
mehr Bereichen durch das Primat der Sicherheit strukturiert. Die
Versicherheitlichung des Sozialen kommt dabei gesellschaftlichen
Bedürfnissen durchaus entgegen: denn neben staatlichen und privaten
KontrollakteurInnen sind die Individuen selbst zu
SicherheitsproduzentInnen geworden. Gerade dies erschwert eine
wirkungsvolle Kritik der neuen Formen der Überwachung.

Andrea Kretschmann, Mag.a, MA, ist Promovendin an der Universität
Bielefeld und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Rechts- und
Kriminalsoziologie, Wien. Arbeitsschwerpunkte: Rechtssoziologie und
Soziologie abweichenden Verhaltens und sozialer Kontrolle, Critical
Security Studies, Migrationsforschung.


Montag, 13. Dezember, 19.00 Uhr, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien:
Aldo Legnaro (Köln):
Überwachung und Selbst-Überwachung − Aspekte einer Ökonomie der Transparenz
Überwachung hat viele Spielarten: panoptisch (wenige beobachten viele),
synoptisch (viele beobachten einige), polyoptisch (viele beobachten
viele), post-optisch im Internet. Diese Formen justieren auf je eigene
Weise das Verhältnis zwischen den Dimensionen Privatheit und
Öffentlichkeit und suchen eine Form der Selbstregierung zu etablieren, bei
der die Herstellung sozialer Ordnung autonom und aus eigenen Interessen
heraus erfolgt. Dazu zählt nicht zuletzt, im Rahmen einer Ökonomie der
Aufmerksamkeit Transparenz her- und darzustellen.

Aldo Legnaro, Dr. rer. pol., arbeitet als freier Sozialwissenschaftler;
momentaner Arbeitsschwerpunkt: Theorie der Kontrollgesellschaften


Montag, 24. Jänner, 19.00 Uhr, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien:
Gundula Ludwig (Marburg):
Geschlecht und Heteronormativität überwachen
Die rigide Überwachung „richtigen“ geschlechtsspezifischen Verhaltens von
Frauen* und Männern* sowie der Grenze zwischen „normaler“ und „perverser“
Sexualität scheint in Mitteleuropa vorbei zu sein: Frauen in
Führungspositionen, Väterkarenz, Uni-Sex-Modestile, eingetragene
gleichgeschlechtliche PartnerInnenschaften – Wurden Geschlecht und
Heteronormativität für gesellschaftliche Ordnung irrelevant? Oder ist
durch die neoliberale Flexibilisierung auch von Normen die Herstellung
geschlechtlicher und sexueller „Normalität“ bloß subtiler geworden?
Gegenstand des Vortrags ist eine Auseinandersetzung mit jenen subtilen
Formen des Überwachens, Kontrollierens und Regierens von Geschlecht und
Heteronormativität als zentraler Elemente neoliberaler Subjektivierung.

Gundula Ludwig, Dr.in phil., ist wissenschaftliche Geschäftsführerin am
Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung der
Universität Marburg. Arbeitsschwerpunkte: Feministische Staatstheorie,
Politische Theorie, Sozialwissenschaftliche Gender Studies und Queer
Theory.


KoordinatorInnen:

Odin Kroeger: Studium der Philosophie in Wien, Berlin und Canberra. In
Kürze erscheint: O. Kroeger, G. Friesinger, P. Lohberger, E. Ortland
(Hg.): Geistiges Eigentum und Originalität. Zur Politik der Wissens- und
Kulturproduktion. Wien / Berlin: Turia+Kant.

Ulrike Mayer ist Produktionsassistentin beim donaufestival und
Politikwissenschafterin; in Kürze erscheint: „Standing in the Way of
Control“. Eine gouvernementale Analyse kontrollgesellschaftlicher Formen
von Musikzensur am Beispiel der Zäsur 9/11. Wien: Peter Lang.

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