Herzliche Einladung zu

 
 


 born in the dolomites
 Gino Alberti, Hubert Kostner, Sissa Micheli, Walter Moroder, Gabriela 
Oberkofler, Robert Pan, Martin Pohl, Carlo Speranza


Eröffnung: 26. Mai 2011, 19 Uhr
27. Mai - 26. Juni 2011 
Künstlerhaus k/haus Galerie
  


Begrüßung: 
Peter Bogner, Direktor des Künstlerhauses
Helga von Aufschnaiter, Präsidentin des Südtiroler Künstlerbundes

Einführung:
Lisa Trockner, Geschäftsführerin des Südtiroler Künstlerbundes
 
Kurator: Martin Pohl
 

 Born in the Dolomites! Mit diesem Satz beantwortet Gilbert Prousch, Teil 
des international bekannten Künstlerpaares Gilbert & George, die Frage 
nach seiner Herkunft. Tatsächlich stammt Gilbert aus dem norditalienischen 
Gadertal, im Herzen des bleichen Bergmassivs der Südalpen.  
Wie Gilbert, sprechen heute noch an die 40.000 Menschen in den Dolomiten 
die Minderheitensprache Ladinisch – eine der ältesten Sprachen 
Europas. Ladinisch ist neben dem Deutschen und dem Italienischen anerkannte 
Landessprache in Südtirol. Das Zusammenleben deutsch, italienisch und 
ladinisch sprechender Menschen sorgt einerseits für kulturellen Reichtum 
in den Tälern des versteinerten Korallenriffs, birgt andererseits für die 
autochthonen AlpenbewohnerInnen mitunter auch immer wieder – durch 
historisch bedingte nationale Grenzverschiebungen – 
Identitätsschwierigkeiten.  
Um dem festgefahrenen Diskurs der Zugehörigkeit auszuweichen und sich 
schon allein durch die Wahl der Bezeichnung als Südtiroler, Sudtirolese, 
Norditaliener oder Altoatesiner zu einem kategorisierenden Denkmodell zu 
bekennen, bevorzugen einige BewohnerInnen die Umschreibung durch die 
geografische Lokalisierung der Heimat. Diese territoriale Reduzierung der 
Provenienz auf geomorphe Landschaftsformungen und die Negierung eines 
politischen Zugeständnisses sind besonders für KünstlerInnen bewusste 
Entscheidungen, um sich nicht in eine Schublade stecken zu lassen, sondern 
trotzdem zu dem Gebiet zu stehen, in dem sie geboren, aufgewachsen und ihre 
Kindheit verbracht haben.  
In der permanenten Auseinandersetzung zwischen von außen aufoktruierter 
Identität, klischeehafter Identifizierung und persönlicher Findung bietet 
der Alpenraum reichlich gesellschaftlichen, historischen, kulturellen sowie 
sozialen Stoff für KünstlerInnen und lässt sie in ihren visualisierten 
Denkprozessen in ständiger Wechselwirkung zwischen Fragen und Antworten 
laufend Zweifel, Jubel, Verachtung, Neugierde und Schönheit erfahren.  
Die acht KünstlerInnen, die in dieser Ausstellung vertreten sind, 
verbindet die Tatsache, dass sie in dem sagenumwobenen Gebiet der Dolomiten 
bzw. in dessen Umfeld geboren und aufgewachsen sind, wobei diese Tatsache 
Fixtext ihrer Curricula ist. Direkt oder indirekt haben alle ausgestellten 
Arbeiten der KünstlerInnen einen Bezug zu hochalpinen Gipfeln und tiefen 
Tälern. Die Mischung aus schroffen Bergspitzen, sanften Almen, vom Transit 
geplagten Tälern und idealisierten Tourismusorten sind in den Köpfen, 
Denkschemata und Charakteren der KünstlerInnen eingeschrieben. Auch wenn 
der formale Zugang und die künstlerische Umsetzung ihrer Interventionen 
völlig unterschiedlich sind und oberflächlich betrachtet kaum 
Verbindungen aufweisen, sind bei allen acht KünstlerInnen Rückschlüsse 
auf die eigene Herkunft lesbar:  
Bei Gabriela Oberkofler und Carlo Speranza sind es offensichtliche 
Assoziationen zu kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen des 
Dolomitenareals. In dem aus dem Dialekt entlehnten Vokabular wie 
„Buggelkraxe“ und „Holzpyjama“ sowie in der Wahl 
der Materialien – recycelte Obstkisten – knüpfen beide enge 
regionale Bezüge, um auf eigentümliche Lebensgewohnheiten und 
Gesellschaftsformen des Alpengebiets aufmerksam zu machen.  
Hubert Kostner folgt einem ähnlichen Denkprozess. Er fokussiert allerdings 
nicht ausschließlich auf den Alpenraum, sondern bindet mit dem Objekt 
„Kochmaschine“ den gesamten deutschsprachigen Raum mit ein. 
Nach dem Motto „Solange die Maschinerie Familie um den Herd 
reibungslos läuft, lösen sich alle sozialen Probleme von selbst“ 
spielt Kostner auf die tradierte bäuerliche Rollenaufteilungen im sozialen 
Apparat Familie an.  
Um das Rollenbild der Frau geht es auch in den Arbeiten von Sissa Micheli, 
in denen sie femininen Objekten – bevorzugt Kleidern - eine neue 
Aufgabe zuspricht, die dem Verlangen nach Veränderung nachgeben und den 
Ausbruch aus der Regelmäßigkeit anstreben.  
Gino Alberti und Martin Pohl thematisieren die Landschaft und ihre 
Ästhetik und revolutionieren in eigenständiger Manier den traditionellen 
Darstellungsmodus des Alpenraums, der durch Attribute wie Faszination, 
Ehrfurcht, wilde Romantik, schauernde Tragödien und Dramatik über 
Jahrhunderte eine der Hauptkulissen der Landschaftsmalerei bot. Während 
Pohl durch einen gestischen Pinselstrich abstrahiert, gelingt es Alberti 
durch in die Landschaftszeichnung eingefügte Sprachbänder, das 
idealisierte Bild der Bergwelt linguistisch zu entkräften.  
Walter Moroder bedient sich einer traditionsreichen Handwerksarbeit, der 
Bildhauerei aus den Dolomitentälern, um durch die Bearbeitung von Holz 
moderne Figuren – bevorzugt Frauen – zu schaffen und ihnen 
Leben einzuhauchen.  
Robert Pan lässt sich in seiner Bildsprache formal und inhaltlich am 
wenigsten anmerken, dass er ein Kind der Alpen ist, doch ist dem Spiel aus 
schillernden Farben und Mustern eine auf den Bildträger übertragene 
Beeinflussung aus seinem persönlichen Lebensraum und Assoziationen zu 
Erinnerungen keineswegs abzusprechen.  
 _______
 Die Foto- und Videokünstlerin Sissa Micheli beteiligt sich an der 
Ausstellung mit einer Serie von Videoarbeiten. I want to be … four 
Pieces of Clothing for four Objects erzählt vier Geschichten, jene eines 
Hutes, eines Rocks, einer Strumpfhose und eines Damenschuhs. Alle vier 
Kleidungsstücke geben sich als etwas aus, das sie nicht sind. Der Hut wird 
zum rauchenden Vulkan, die Strümpfe flattern als Vogel durch die Lüfte, 
der Rock mutiert zum Baumstumpf im Wald und der Schuh gondelt durch die 
Kanäle Venedigs. Die Tatsache, dass alle Objekte schwarz sind, lässt sie 
zu anonymen vermenschlichten Stereotypen werden, die den allgemeinen 
Sehnsuchtsgedanken „Etwas sein zu wollen, das man nicht ist“ ad 
absurdum verbildlicht. 
Ein aus Apfelkistenholz nachgebildetes typisches Südtiroler Dorf, 
bestehend aus Kirche, Schulhaus, Gemeinde und Gasthaus, eben alle 
charakteristischen Gebäude, lassen sich ineinander verschachtelt und am 
Rücken befestigt in die Welt hinaustragen. Die stilisierte Architektur 
wird zu einem Rucksack, den die Künstlerin Gabriela Oberkofler – 
dokumentiert anhand von Fotos – durch urbane und ländliche Gebiete 
trägt. Immer wieder hält sie auf ihrer Reise an und positioniert das 
Ensemble ihres Gepäcks auf heimatfremdem Boden. Der Ballast der eigenen 
Herkunft lastet auf den Schultern der Künstlerin, egal wo in der Welt sie 
sich zu bewegen scheint; ihre Wurzeln sind nicht zu übersehen, auch wenn 
die Globalisierung die ganze Welt zum Dorf werden lässt. 
Carlo Speranza präsentiert sich in der Ausstellung mit einem 
ungewöhnlichen Kleidungsstück, einem Pyjama. Die tragbare Konstruktion 
besteht aus 2.500 handbearbeiteten Obstkistenholzlatten. Der Begriff 
Holzpyjama wird umgangssprachlich im Tiroler Raum als Umschreibung für 
einen Bestattungssarg verwendet. Der verbildlichte Begriff des Pyjamas aus 
Holz, diese Hülle, die man sich überzieht, um sich für die Ewigkeit 
schlafen zu legen, steht einerseits als Synonym für die Gelassenheit und 
Gemütlichkeit der Bergbevölkerung und andererseits für die 
makaber-humoristische Verharmlosung des endzeitlichen Daseins. Die Tragik 
des Todes wird durch den Faktor der Bequemlichkeit in der Bewegungsfreiheit 
durch einen Schlafanzugs relativiert.  
Martin Pohl ist bekannt für seine großzügig geschwungenen Farbspuren, 
die er mit einer Rezeptur aus Wachs, gemischt mit reinem Pigment, auf dem 
Bildträger hinterlässt. Die abstrakten Oberflächenformationen erzeugen 
durch variierende Materialdichte, Konsistenz und voneinander abweichende 
Leuchtkraft der Farbpartikel unterschiedliche Tiefenwirkungen. Seine 
jüngeren Werke deuten Interieurs von bekannten Museen - die Pohl in seinem 
Schaffen bespielt - an. In seinen neuen Arbeiten bricht er aus dem 
geschlossen Raum aus und wird - ohne seinen Stil untreu zu werden - zum 
Landschaftsmaler, indem er von der vorwiegend senkrecht kurvigen 
Linienführung in eine horizontale gerade Schichtung wechselt, sodass durch 
wenige sicher platzierte Spachtelzüge Panoramaansichten von hochalpinen 
Gebirgszügen entstehen. 
Gino Alberti widmet sich der Zeichnung auf großformatigen Papierbögen. 
Die Landschaft im Stil der traditionellen Manier des 19. Jahrhunderts ist 
sein bevorzugtes Thema. Klischees wie klare Bergseen von hohen Nadelbäumen 
umstellt, strahlende schneebedeckte Gipfel oder die weite des Ozeans lassen 
an idealisierte Landschaftsdarstellungen denken. Der romantische einsame 
Blick auf die menschenleeren Naturräume wird bei genauerer Betrachtung 
gebrochen: Immer wieder durchkreuzen plakative Schriftzüge wie 
Ortsangaben, poetische Zitate oder ernüchternde Statements wie 
„Morgen ist alles anders“ oder „Manchmal hab ich 
Glück“ die idyllischen Ausblicke und holen die Rezipientin bzw. den 
Rezipienten in die Gegenwart zurück.  
Schillernde und tanzende Farbtupfer, die glänzende monochrome Oberflächen 
überziehen, charakterisieren die Bildtafeln von Robert Pan. Völlig 
abstrahiert und keinen Regeln folgend schweben die Farbkreise – wie 
in einem psychedelischen Traum – im gehärteten Harz. Immer wieder 
bündeln die geometrischen Formen die Punkte zu Quadraten, die im 
Hintergrund die unkontrollierte Summe an Punkten dezent neu formieren. 
Durch einen aufwändigen und beinahe alchimistischen Prozess, der viele 
Jahre Erfahrung und Experimentierfreude erfordert, steht das technisch 
komplizierte Produktionsverfahren im Widerspruch zum spielerischen 
Erscheinungsbild der Objekte.  
Mit seinen jüngeren Arbeiten entfernt sich Hubert Kostner von der 
erzählerischen Darstellung von Miniaturwelten des Alpenraums. Er gibt 
Objekten und Gegenständen, die meistens aus dem Gebrauch seines Umfeldes 
kommen, eine andere Wertigkeit, indem er sie transformiert und neu 
kontextualisiert. Die Arbeit „Kochmaschine“ zeigt eine 
Metallplatte eines alten Reifenherds, der mit einer Kette an der Wand 
befestigt ist. Durch den 90º Knick in der Platte, verformen sich die 
kreisrunden Metalleinlagen zu Herzformen. Der Herd in seiner sozialen 
Funktion als Familientreffpunkt und - dem patriarchalischen Prinzip folgend 
- als Arbeitsplatz der Frau, gilt im Zeitalter von Singlehaushalten und 
Emanzipation als Provokation.  
Anmutig bescheiden, mit schlanken Linien und aufrechter Haltung 
präsentiert sich die Figur „Scura“ des Bildhauers Walter 
Moroder. Isoliert, mit gläsernem Blick steht die lebensgroße 
Frauendarstellung aus Zirbelkiefer im Raum. Der Grödner Bildhauer fertigt 
nach der handwerklichen Überlieferung des Tales figurative Skulpturen aus 
Holz, doch distanzieren sich seine Produktionen in ihrer Erscheinung 
vollkommen vom herkömmlichen Stil. In ihrer oberflächlichen Betrachtung 
scheinen die einzelnen Objekte derselben Familie zu entstammen, erst auf 
den zweiten Blick wird ihre Individualität im mimischen Ausdruck 
erkennbar. Moroders Figuren sind vorwiegend weiblich. Der grazile Körper 
verleiht ihnen Eleganz, ihre Körpersprache ist verhalten aber nicht 
schüchtern, eher sanft und erhaben.

Eine Zusammenarbeit des Südtiroler Künstlerbundes und des Künstlerhauses
 ________________________________________________________



Künstlerhaus k/haus
Karlsplatz 5
1010 Wien
Tel. 01 / 587 96 63
Fax 01/ 587 87 36
Di-So 10-18, Do 10-21 Uhr
[email protected]
www.k-haus.at    
-- 
sissa micheli
albertgasse 4/9
1080 wien

tel: +43 (0)650 9257200
e-mail: [email protected]
web: www.sissamicheli.net


Ihr GMX Postfach immer dabei: die kostenlose GMX Mail App für Android.
Komfortabel, sicher und schnell: www.gmx.de/android
_______________________________________________

      Safari - Die Mailingliste fuer Kunst und Wien 
http://listen.esel.at/mailman/listinfo/safari

      MAILS SENDEN: mailto:[email protected]

Anmelden: mailto:[email protected]?subject=subscribe
Abmelden: mailto:[email protected]?subject=unsubscribe

Termin RECHTZEITIG für eSeL Mehl & kalender.esel.at eintragen: 
http://esel.at/fuettern

>:e) 
_______________________________________________

      Safari - Die Mailingliste fuer Kunst und Wien 
http://listen.esel.at/mailman/listinfo/safari

      MAILS SENDEN: mailto:[email protected]

Anmelden: mailto:[email protected]?subject=subscribe
Abmelden: mailto:[email protected]?subject=unsubscribe

Termin RECHTZEITIG für eSeL Mehl & kalender.esel.at eintragen: 
http://esel.at/fuettern

>:e) 

Antwort per Email an