_______/ PRESSEMITTEILUNG

_______/ Kulturrat Österreich


__/ Der leere Stuhl ist heiß: viel zu tun im Kulturressort


______/ http://kulturrat.at


Mit ihrem Rücktritt als Kulturministerin hat Claudia Schmied am Morgen 
nach dem Wahltag überraschend schnell den Weg für eine neue Ministerin, 
einen neuen Minister freigemacht.

Für die Kultur-, Kunst- und Medienschaffenden des Landes spielt es keine 
große Rolle, wer dieses Ministerium übernehmen wird, entscheidend ist, 
wie sie/er auf den Reformstau der letzten Jahre reagieren wird: mit 
weitgehendem Stillstand wie bisher oder mit starkem Reformwillen, wie 
ihn die KünstlerInnen dringend brauchen. Ein eigenes Ressort ist dafür 
unerlässlich – Kunst-, Kultur- und Medienpolitik ist zu wichtig, um als 
Anhängsel eines anderen Bereichs behandelt zu werden.

Es steht viel auf der Agenda:


______/ Baustelle soziale Lage

Die 2008 vom bm:ukk präsentierte Studie zur sozialen Lage der 
KünstlerInnen offenbarte, dass 37 % der KünstlerInnen von einem 
Jahresgesamteinkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze leben müssen. 
Daran hat sich bis heute kaum etwas geändert, obwohl in Reaktion auf 
diese Studie mehr als 70 Sitzungen im Rahmen der sehr bald ins Leben 
gerufenen interministeriellen Arbeitsgruppen stattfanden. Einige wenige 
Maßnahmen haben kleinteilige Verbesserungen gebracht – der große Wurf 
waren sie alle nicht.

Nach wie vor dringend notwendig ist eine umfassende Reform des 
KünstlerInnen-Sozialversicherungsfondsgesetzes, insbesondere:

__/ Ausweitung der grundsätzlich Bezugsberechtigten auf Kunst-, Kultur- 
und Medienschaffende
__/ Neufassung des KünstlerInnenbegriffs unter Einbeziehung von 
künstlerischer Lehre und Vermittlung
__/ Streichung der Mindesteinkommensgrenze als Anspruchsvoraussetzung

Unbedingt erforderlich ist auch die Wiederaufnahme der Gespräche und 
Verhandlungen mit dem Sozialministerium, um die Probleme in der 
Sozialversicherung und Arbeitsmarktpolitik raschest einer Lösung zuzuführen.

______/ Baustelle Kunstförderung

Seit 2009 stagnieren die Kulturbudgets – daher muss es zum einen zu 
einer deutlichen Steigerung des Gesamtbudgets kommen, zum anderen zu 
einer ambitionierten Hinwendung zur zeitgenössischen Kunstproduktion. 
Die neue Ministerin, der neue Minister ist aufgefordert, folgende 
Maßnahmen schnellstmöglich umzusetzen:

__/ Deutliche Erhöhung des Fördervolumens
__/ Verringerung anstatt Vergrößerung der Schere zwischen kulturellen 
Großinstitutionen und allen anderen
__/ Förderungen im freien Bereich müssen ausreichend dotiert sein, um 
die Einhaltung rechtskonformer und fair bezahlter 
Beschäftigungsverhältnisse zu gewährleisten
__/ Mehr Transparenz und Zuverlässigkeit in der Kunst-/Kulturförderung 
und -verwaltung


Ferner hat die Ministerin, der Minister sich mit allen Kräften dafür 
einzusetzen, dass endlich ein zeitgemäßes und faires UrheberInnenrecht 
umgesetzt wird, und insbesondere ein UrheberInnenvertragsrecht, das 
KünstlerInnen einen gerechten Anteil an ihrer Arbeit sichert. Eine 
weitere unumgängliche Aufgabe wird sein, dafür zu sorgen, dass die 
bereits vor mehr als eineinhalb Jahren als EU-richtlinienwidrig erkannte 
cessio legis endlich aus dem FilmurheberInnenrecht verschwindet.

Abzubauen sind auch die immer größer werdenden – insbesondere 
fremdenrechtlichen – Mobilitätsbarrieren, mit denen KünstlerInnen aus 
aller Welt konfrontiert sind. Die Ministerin, der Minister ist dringend 
aufgefordert, die vielfach benannten Mobilitätsbarrieren endlich zu 
beseitigen und dafür zu sorgen, dass Österreich seinen Verpflichtungen 
aus dem UNESCO-Abkommen für kulturelle Vielfalt nachkommt.


_______/ Zum Weiterlesen:

__/ Das Sommer-Einmaleins für KulturpolitikerInnen. Eine Textserie des 
Kulturrat Österreich zur Wahl 2013
http://kulturrat.at/agenda/brennpunkte/kultur2013


_______/ Rückfragen:

Kulturrat Österreich
Gumpendorfer Str. 63b
A-1060 Wien

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