GALERIE IG BILDENDE KUNST, Gumpendorfer Straße 1012, 1060 Wien
SCREENING
AM DIENSTAG, 17.12. 2013, 19 H
MIT KURZFILMEN UND VIDEOS DER BEIDEN KÜNSTLER
EDUARD CONSTANTIN UND JOHANN LURF
IM RAHMEN DER AUSSTELLUNG OBSERVATIONS
OBSERVATIONS
EDUARD CONSTANTIN (RO) JOHANN LURF (A)
Ausstellungsdauer bis 17. Jänner 2014
KOOPERATION MIT AIR-ARTIST IN RESIDENCE NÖ
KURATIERT VON ALEXANDRA HENNIG UND DAGMAR HÖSS
Eduard Constantin Johann Lurf
Eine Frage des Standpunktes.
In der Ausstellung der beiden Künstler Eduard Constantin und Johann Lurf wird
man buchstäblich in etwas hineingezogen. Während sich der Betrachter angesichts
Constantins interaktiver Videoinstallation /Living in the West/ in
unfreiwilliger Zeugenschaft in der Rolle des aufmerksamen Beobachters einer
fremden Nachbarschaft wiederfindet, gerät der Passant, der am Schaufenster der
IG Bildenden Kunst vorbei flaniert, ungeahnt in den Sog von /A to A (Kreis Wr.
Neustadt), /einer gleichsam rasenden und röhrenden filmischen Fahrt um eine
Unzahl vermeintlich behübschter Kreisverkehre in Niederösterreich.
Bemerkenswert ist, dass es sich in beiden Arbeiten, die von ihrer Dynamik und
Stimmungslage unterschiedlicher nicht sein können, gleichsam um dokumentarische
Beobachtungen des Naheliegenden handelt, und dass vielleicht ausgerechnet in
diese dialogische Gegenüberstellung zweier Untersuchungen des Alltäglichen aus
variablen Perspektiven offenbar wird, wie schmal der Grat zwischen Idyll und
Horror im Banalen sein kann. So entlarvt Johann Lurf den bemühten Versuch dem
verkehrstechnisch motivierten Unort künstlich Bedeutung zu verleihen, im
Schwindel der Drehbewegung dieses Roadmovie der Nirgendwo hinführt, als
Groteske des Grauens. Eduard Constantin hingegen vermag, indem er
beispielsweise Jugendliche filmt die einen ungenutzten Parkplatz als Spiel- und
Fußballplatz vereinnahmen, berührend zu schildern, wie sich Menschen in
wirtschaftlich prekären Lebenslagen verlassenes städtisches Territorium zu
Eigen machen und mittels der Sinnentfremdung des Ortes im Banalen das Besondere
entdecken.
Zwei fortdauernde Fotoserien der beiden Künstler ergänzen in formaler
Entsprechung das Ausstellungsdisplay. Seit 2007 fotografiert Johann Lurf in den
sogenannten /Police Series/ Blaulichter auf Einsatzfahrzeugen der Polizei,
wobei das blitzartige Einfangen und Festhalten des flüchtigen Moments im
Vordergrund steht. Kontinuität und Langsamkeit zeichnen vergleichsweise die
dokumentarische Fotoserie aus, die Eduard Constantins Mutter als Witness of
Change seit 2008 in Fortsetzung seines einjährigen Projekts /Living in the
West/ mit einer von ihrem Sohn zur Verfügung gestellten Kamera täglich
weiterführt und damit protokolliert was sie selbst betrifft: nämlich den Umgang
mit der zwangsläufigen Situation des Alle-Zeit-der-Welt-Habens.
Sowohl Eduard Constantins als auch Johann Lurfs Arbeiten zeichnen sich durch
die präzise Beobachtung und gezielte Choreografie von Blickwinkeln aus und
vermögen so, auf ihre jeweils originäre Weise und im Ausloten der medialen
Möglichkeiten eine Verschiebung des Blickes und damit ein Aufbrechen
konventioneller Wahrnehmungsmuster zu erwirken. Der Focus der Arbeiten ist
dabei subjektiv gewählt und entspringt den jeweiligen ortsspezifischen und
gesellschaftspolitischen Lebensrealitäten; eine Frage des Standpunks also, in
mehrfacher Hinsicht!
/AlexandraHennig/
Eduard Constantin
* 1977 in Ploiesti. Er lebt und arbeitet in Bucharest, Rumänien.Zahlreiche
Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen. Von 2003 bis 2007 arbeitete er als
Mitherausgeber und Webdesigner für das elektronische Kunstmagazin e-cart
(www.e-cart.ro). Seit 2006 Gründungsmitglied der E-cart.ro Gesellschaft, einer
NGO zur Förderung zeitgenössischer Kunst in Rumänien/. /Zurzeit ist er
Gastkünstler des Atelierprogramms AIRARTIST IN RESIDENCE des Landes
Niederösterreich.
Johann Lurf
* 1982 in Wien, Studium an der Akademie der BildendenKünste Wien und Slade
School of Art London. 2009 Diplom bei Harun Farocki. Lurf ist Künstler und
Experimentalfilmer. Teilnahme an zahlreichen Ausstellungen und Filmfestivals im
In- und Ausland. Er erhielt mehrere Preise und Stipendien zuletzt den
Anerkennungspreis für Medienkunst des Landes Niederösterreich 2013.
mehr Info
http://www.igbildendekunst.at/kunst/ausstellungen-2013/air-artist-in-residence.htm
ÖFFNUNGSZEITENDi, Mi 13 bis 18 Uhr, Do, Fr 10 bis 15 Uhr
Galerie IG Bildende Kunst
Gumpendorfer Straße1012, 1060 Wien
T +43(1) 524 09 09
[email protected]
www.igbildendekunst.at
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