Hallo! Ich habe soeben mit Scribus (ver 0.9.6) mein erstes "groesseres" Projekt fertiggestellt - ein recht aufwendig gestaltetes, 4/4-farb Infoblatt in A4 mit Fotos, verschiedenen Textebenen, verzerrten Linien und schraegen Texten. Ich denke, ich habe Scribus damit so ziemlich an den Rande der Leistungsfaehigkeit gebracht. Vielleicht interessiert ja jemanden, welche Erfahrungen ich gemacht habe. Ich schreibe in Deutsch und hoffe das ist OK so, weil mein Schulenglisch mehr als eingerostet ist.
Dieser Beitrag richtet sich in erster Linie an die Leute, die wie ich vor einem Monat vor der Entscheidung stehen, ob sie wirklich einmal die Zeit investieren sollen, um einem alternativen DTP-Programm eine Chance zu geben. Erwartet bitte keine allzu grossen technischen Kommentare, denn dazu bin ich insgesamt mit Linux noch nicht sicher genug. 1) Ein dickes Kompliment an Franz Schmid fuer das beste GNU-DTP-Programm, das es derzeit gibt. Wenn ich mich da an so manche fruehe lieblos auf Windows portierte QuarkXPress-Version erinnere, sehe ich bei Scribus bereits zahlreiche Ansaetze, die sehr, sehr viel versprechen. Ein dickes Lob und ein ehrlicher Dank fuer die bislang vollbrachte tolle Leistung! 2) Die Probleme bei der Bildschirmdarstellung sind auf dieser ML ja schon erlaeutert worden. Selbst mir als Linux-Neuling ist mittlerweile klar woran es liegt, dass man eigentlich nur bei der 100%-Darstellung ungefaehr erahnen kann, was man da auf dem Bildschirm verzapft hat. Ich druecke dem Programmierer beide Daumen, dass er das Problem irgendwie in den Griff bekommt, denn so lange das nicht geschehen ist, wird Scribus leider zu keiner echten Konkurrenz fuer bestehende DTP-Loesungen werden. Und das ist umso tragischer, als dass Scribus bereits jetzt in manchen Punkten den kommerziellen DTPlern ueberlegen ist. 3) 0.9.6 ist ja schon recht stabil - dachte ich. Aber je aufwendiger mein Werk wurde, desto haeufiger schmierte die Version ab. Zum Schluss im Minutentakt. Mein Fehler, ich haette ja auch die Stable-Version waehlen koennen... 4) Was bei Scribus absolut fehlt ist eine Ablageflaeche rund um das zu bearbeitende Dokument, wie beispielsweise bei Pagemaker, InDesign, etc. Am Anfang einer Arbeit kann man ja noch die freie Seitenflaeche als Ablage benutzen. Spaeter ist das nicht mehr drin. Schade auch, dass man komplette Text- und Grafikbloecke von einer Seite auf die andere ziehen kann. 5) Ebenfalls ganz nach oben auf die Liste der Weiterentwicklung sollte die Moeglichkeit des Text-markierens mit Shift-Cursorpfeil kommen. 6) Ein kleinerer Bug, der mich am Ende doch ziemlich nervte: Wenn man ein eingefuegtes Bild spiegelt, dann muss man sich hueten, es noch einmal irgendwie zu bewegen, weil es sich dann sofort wieder entspiegelt. OK, das koennte man umgehen, in dem man einfach das Bild als Urprungsdatei im Bildbearbeitungsprogramm spiegelt... 7) Nicht schlimm aber unschoen: Der Cursorpfeil haelt sich in seinem Erscheinungsbild nicht daran, was er eigentlich sein sollte. Beispielsweise zeigt er eine Lupe, wenn er eigentlich ein Verschiebe-Werkzeug ist. Ausserdem greift er leider oft daneben, was insbesondere dann aergerlich wird, wenn man viele kleine Text- und Grafikkaesten nebeneinander aufgezogen hat. 8) Der ansonsten astreine PDF-Export produzierte bei mir in ver0.9.6 auch wenn ich nur 72dpi als Gesamtraster (Bildschirmoptimiert) fuer Text und Bild ansetzte immer noch 1,4 MB grosse PDFs (Druckoptimiert waren es 4,4 MB). Das kam mir dann doch spanisch vor und ich druckte ein mit Scribus erzeugtes PDF in ein PS und liess danach noch mal den Acrobat Distiller 5 mit Screen-Joboptions drueberlaufen. Siehe da: Nun hatte das PDF bei gleicher Qualitaet nur noch 120 KB. Irgendwo steckt da also noch der Wurm drin. Das war es dann aber auch schon, was ich zu kritisieren habe. Ansonsten hinterliess Scribus bei mir einen rundum gelungenen Eindruck. Und deshalb lasse ich mich jetzt auch zu folgendem Experiment hinreissen: Morgen werde ich mein Werk als PDF (mit Scribus erzeugt) einer Offset-Druckerei zukommen lassen und in 1000er-Auflage in Auftrag geben. Ich hoffe dabei, dass - der PDF-Export so sauber ist, dass er mir wirklich eine Datei erzeugt, die den Joboptions der Druckerei entspricht (ich glaube, es war ein 307dpi-Raster). - Scribus mich in Bezug auf CMYK nicht anluegt und am Ende doch das druckuntaugliche RGB verwendet. - wirklich alle verwendeten Schriften durch den PDF-Export eingebettet wurden. - und dass die Druckerei mir nicht sagt, ich solle ihr am besten die offene Satzdatei zukommen lassen, denn mit .scd werden die wohl kaum etwas anfangen koennen. ;-) Was die letzten Punkte angeht, waere ich dankbar, wenn mir jemand vielleicht seine Erfahrungen mitteilen koennte. Und dann haette ich noch einen Vorschlag fuer ein Projekt: Wie waere es denn eigentlich mit einer Scribus-Artwork-Galerie? Jeder, der etwas mit Scribus produziert hat, koennte sein Werk auf einer Page als PDF ausstellen und somit anderen zeigen, was in dieser kleinen, feinen Software wirklich drin steckt. Ich waere sofort dabei. Schoenen Abend noch Matthias
