VAART-bericht van: "Moselschiff" <[email protected]>

Hallo Franziskus,

ich habe mit Interesse Deine Ausführungen gelesen. Es würde mich interwssieren, 
aus welchen Quellen Du die Mengen von 2009 im Vergleich zu 2006 hast.
Wir haben bei der Beurteilung der Mengen schon ein Problem. Rechnen wir in 
transportierten Tonnen, rechnen wir in Tonnenkilometer.
Bereinigen wir diese Zahlen um Ladungsausfälle wegen Kleinwasser.
Du weißt es, es ist sehr kompliziert.
Trotzdem denke ich, dass wirin Tonnenkilometer rechen sollen und dabei
spüre ich schon einen gewaltigen Rückgang.
Wenn wir für 2006 die Indexzahl 100 annehmen rechen ich für 2007 103 und für 
2008 105. Für des vergangene Jahr komme ich auf ca 85.
Dieses bei einer gestiegenen Kapazität in reinen Tonnen von sicher 8% von 2006 
bis heute, in dynamischer Kapazität gesehen sicher ein Zuwachs von über 10%.
Wenn wir wenigstens eine Abwrackaktion für diejenigen bekommen würden, die 
altersbedingt aus dem Gewerbe aussteigen werden.
Diese Schiffe werden teilweise für einen Preis vonb 50 Euro je Ladetonne 
verkauft, selbst ein Tonnenpreis von 100 Euro ist tödlich, weil die 
Einstiegsschwelle dramatisch niedrig ist.
Das Geld das man nicht der Bank zurück zahlen muß, opfert man auf dem Tisch der 
Verlader. Jeder Kosteneinsparung landet auf dem Tisch der Verlader, das ist so 
seit es Partikuliere gibt.
Die Tatsache, dass sich eine Hand voll anderes verhält, ändert nichts an der 
Richtigkeit meines Aussage.
Aber diejenigen, die sich anders verhalten, werden davon nicht satt.
Franziskus, ich könnte noch viel schreiben.
Lieber überstelle ich Dir einen Brief den ich an den Staatssekretär Ferlemann 
gesendet habe.
Mit den besten Grüßen

Hans-Peter Duhr





Hans-Peter Duhr
Binnenschiffer/Schiffseigner
Rosenstrasse 1
D 66706 Perl
* 06867 93355 oder 93357  Fax 93356
Mobilfunk 0163 5680800
E-mail-Adresse  [email protected]




MdB Herr Enak Ferlemann 24. Januar 2010
Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium
Platz der Republik 1
11011 Berlin






Binnenschifffahrt





Sehr geehrter Herr Ferlemann,

in der Zeitschrift  Binnenschifffahrt habe ich gelesen, daß Sie
sich für mein Sanierungs-konzept für die
(europäische/deutsche) Binnenschifffahrt interessiert hätten.
Daher dürfte es für Sie schon von großem Interesse sein,
von der Basis einen Bericht über die desolate Ertragslage in der
Binnenschifffahrt zu erhalten.
Die Informationen die der Politik üblicherweise zugehen, sind in
der Regel interessen-gesteuert. Die Bestandsaufnahme die ich Ihnen
zugänglich mache, ist natürlich auch interessengesteuert.
Aufgabe der Politik kann es nach der reinen Lehre nur sein, die
Rangigkeit der Interessen sorgfältig abzuwägen und versuchen
umzusetzen.
Ich maße mir an, den Wirtschaftszweig Binnenschifffahrt beurteilen
zu können, weil ich in einem Binnenschifffahrtsbetrieb aufgewachsen
bin und nach 47 Berufsjahren mir einen entsprechenden Überblick
verschafft habe.
Wir erleben zur Zeit die größte Krise in der Binnenschifffahrt
seit den Nachkriegsjahren. Diese Krise hat multiple Ursachen.
Wir haben einen Mengenrückgang von teilweise 30%. Einen kleinen
Teil schulden wir der allgemeinen Konjukturkrise, dem Rückgang der
Stahlindustrie und dem etwas schwächelnden Baugewerbe, das bedeutet
verminderte Mengen von Erzen und Baustoffen.
Einen weit größeren Teil schulden wir strukturellen
Veränderungen. So sind die Kohlen-mengen dramatisch eingebrochen.
Ein Jahr mehr Laufzeit bei den Kernkraftwerken reduziert den Bedarf an
(importierter) Kraftwerkskohle dramatisch.
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Seite 2 Schreiben Hans-Peter Duhr vom 24.01.2010 an MdB Herr Enak
Ferlemann
Während die Wirtschaft allgemein unter einer Konjunkturkrise
leidet, auch die Seeschiffahrt leidet unter zurückgehenden Mengen,
kämpfen wir mit einer Strukturkrise die durch die Konjunkturkrise
verschärft wird.
Die Europäische Binnenschifffahrt hat voll auf die
Ankündigungen der Deutschen Politik vertraut, den schnellen Wechsel
von der Kernkraft zu den Kohlekraftwerken zu vollziehen. Es waren 54
neue Kohlekraftwerke in der Planung, nach den neuesten Entwicklungen
werden es nicht mal 10 Kohlekraftwerke sein, die in einem
überschaubaren Zeitrahmen ans Netz gehen.
Diese Tage ging durch die Presse, daß die AKW's  BiblisI und
Neckarwestheim vorerst am Netz bleiben. Die Transportbranche hat auf
einer Schließung und Verlagerung der Stromerzeugung zu
Kohlekraftwerden vertraut.
Jedes der neuen Kohlekraftwerke hätte Beschäftigung für
10 der neuen Gütermotorschiffe gegeben. Durch Ausfall an diesen
strukturell bedingten Mengen drängen ca. 500 der neuen Schiffe in
die anderen Märkte, die wegen der Konjunkturkrise ebenfalls
rückläufig sind.
Diesen Umstand sollte man aber auch als Chance sehen.
Die zweitausend zuletzt in den Markt gebrachten Gütermotorschiffe
sind in jeder Hinsicht dem alten Schiffsraum überlegen.
o       Sie sind wirtschaftlicher zu betreiben.
o       Der spezifische Verbrauch an Dieseltreibstoff ist bei den großen
Gütermotorschiffen geringer als bei den älteren und kleineren
Einheiten.
o       Die Co2 Belastung durch die Binnenschifffahrt wird signifikant
vermindert.
o       Die Lärmbelastung durch die Gütermotorschiffe, besonders an
ufernaher Urbanisierung nimmt ab.
o       Durch größere Schiffseinheiten nimmt die Kapazität der
Schleusenbauwerke zu, wodurch Ersatz- und Neubaumaßnahmen zu einem
späteren Zeitpunkt durchgeführt werden können.
o       Die bereits durchgeführten Fahrwasservertiefungen am Rhein und
den Nebenflüssen werden mit den neuen Schiffen wesentlich mehr
genutzt, als bei älteren Fahrzeugen, die auf Grund der Bauhöhe
diesen Kapazitätszuwachs nicht nutzen können.
o       Die neuen Gütermotorschiffe haben einen wesentlich höheren
Sicherheitsstandard und erhöhen damit die Verkehrssicherheit. Diese
Neubauten der letzten 10 bis 20 Jahre sind durchweg
Zweihüllenschiffe, ein Sicherheitsstandard, der erst jetzt bei den
Tankschiffen eingeführt wird.
o       Zudem haben die meisten der neuen Großmotorgüterschiffe zwei
voneinander unabhängig wirkenden Antriebsanlagen, was die
Sicherheit ebenfalls erhöht.
Um diesen Innovationsvorsprung nicht leichtfertig zu opfern, sollte die
Politik das Gewerbe langfristig zu sanieren.

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Seite 3 Schreiben Hans-Peter Duhr vom 24.01.2010 an MdB Herr Enak
Ferlemann
Das kann am wirkungsvollsten mit einer Strukturbereinigung erreicht
werden, bei der der technisch und ökonomisch weniger anspruchsvolle
Schiffsraum verschrottet wird.
Mit einer groß angelegten europäischen Abwrackaktion.
Natürlich muß das Instrument der Alt für Neu Regelung
wieder Anwendung finden. Zur Zeit ruht diese Regelung bei den
EU-Behörden
Diese Regelung lief bei der letzten Strukturbereinigung (Nummer,
Zeitraum und sonstige Details dazu) parallel zu der Abwrackaktion und
noch einen Zeitraum danach. Nach dieser Regelung war die
Indienststellung neuen Schiffsraumes nur zulässig, wenn die gleiche
Tonnage an altem Schiffsraum aus dem Markt genommen war ohne weitere
Vergütung oder Prämie. Alternativ gab es dazu die Zahlung
einer Pönale. Diese Zahlung floß in den Abwracktopf zur
Tilgung der seiner Zeit gewährten Darlehen für die
Strukturbereinigung.
Eben diese Alt für Neu Regelung sollte auf unbestimmte Zeit wieder
Anwendung finden, zumal sie die öffentliche Hand kein Geld kostet.
Diese Strukturkrise betrifft aber nicht allein die Binnenschifffahrt,
die durch ihre Monostruktur nur von den Frachterträgen lebt. In
weit größerem Maße werden die europäischen Bahnen in
Mitleidenschaft gezogen.
Durch ihre Preisführerschaft der Binnenschifffahrt auf den
wichtigen europäischen Verkehrsmagistralen verfallen zusehens auch
die Erträge der Bahnen in deren Massengutverkehren. Leider immer
noch mit negativen Folgen für die öffentliche Hand, weil
für die dort erlittenen Verluste im operativen Geschäft die
Deckungsbeiträge anderer Betriebssparten herangezogen werden
müssen bis zu einer Unterdeckung im gesamten Bereich.
Besonders die Bahn AG ist in hohem Maße von der Strukturkrise der
Binnenschifffahrt betroffen.
Im weiteren Verlauf wird noch dargelegt, weshalb diese Anstöße
nicht so sehr aus dem Gewerbe selbst kommen können.
Eine weitere strukturelle Veränderung ist in der Zersplitterung der
Partiegrößen zu sehen. Wenn bislang vor allen Dingen
Kunstdüngermengen ist Schiffspartiegrößen von 500 bis
2500 Tonnen transportiert wurde, ist hier ein Zersplitterung der
Partiegröße zu beobachten, um die Kapitalbindung zu reduzieren
und um den Zahlungsfluß zeitnaher zu gestalten. Zum Beispiel wird
ein 1000 Tonnenpartie nun als 500 Tonnenpartie mit dem LKW gefahren und
nach Zahlungseingang wird die zweite Partie versendet, auch wieder auf
dem LKW. So jedenfalls meine Erkenntnisse bei einem Umschlagbetrieb, der
nun nur noch verminderte Mengen händelt.
Mittelfristig werden wir auch eine weitere Reduzierung bei den
Transporten aus der Stahlindustrie erleben, weil Acelor Mittal mit
Sicherheit weitere Kapazitäten in Europa abbauen wird.
Dieser von mir aufgezeigte Trend läßt sich in vielen
statistischen Veröffentlichungen nachlesen. Wir haben also aus
verschiedenen Gründen eine enormeÜberkapazität in der
Binnenschifffahrt schon aus der vorhanden gewesenen Flotte..

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Seite 4 Schreiben Hans-Peter Duhr vom 24.01.2010 an MdB Herr Enak
Ferlemann
Das zweite Problem ist eine gigantische Zunahme der Ladekapazität
des verfügbaren Schiffsraumes. Eine ganz spezielle Zunahme ist
allerding in der dynamischen Kapazität zu sehen.
Der Kapitalbedarf bei den in den letzten Jahren in Dienst gestellten
Güterschiffe ist derart hoch, daß diese Schiffe oftmals im
rundum Einsatz sind, also ohne Unterbrechung vom Ladehafen Rotterdam
oder Amsterdam zu den Stahlwerken an Saar und Mosel fahren.
Die Besatzungsordnung trägt zu diesem Trend auch entsprechen bei.
So darf ein mir 3000 Tonnen beladenes 135-Schiff mit der Besatzung
Schiffsführer, Steuermann und Matrose 14 Stunden fahren in einem 24
stündigen Zeitraum. Das bedeutet vereinfacht, je Besatzungsmitglied
4,66 Stunden.
Mit einem weiteren Schiffsführer dagegen darf das Schiff legal
24/24 fahren. Der 2 Schiffsführer bringt also eine zusätzliche
Fahrzeit von 10 Stunden.
Diesen Besonderheiten folgend sind die neuen und leistungsfähigen
Schiffe in einem Totaleinsatz und haben eine geschätzte
Kapazität von einem Faktor 1,4 im Vergleich zu den
herkömmlichen Motorschiffen.
Zumal bei einem mit 3000 Tonnen  beladenen Schiff im Continueeinsatz je
Besatzungsmitglied 750 Tonnen gefahren werden, in einem 1500
Tonnenschiff nur 375 Tonnen je Crewmitglied im gleichen Einsatz.
Zunehmend werden die Wasserstraßen in ganz Europa für den
24stündigen Einsatz vorgesehen. Die internationale
Wasserstraße Mosel ruht nur noch an 2 mal 24 Stunden an Hl. Abend
und Sylvester, ansonsten geht es rundum. Der Rhein kennt keine
Unterbrechung der Schifffahrt außer bei einigen Tagen durch
Hochwasser.
Die aus diesen Gründen weggebrochenen Mengen oder entstandene
=Überkapazität an sich wäre noch beherrschbar, wenn nicht
eine Besonderheit des Gewerbes hinzukäme.
Die Unfähigkeit mitÜberkapazität umzugehen.
Ein Binnenschiffer, ein Partikulier, führt seinen Beruf mit Herz
und Seele aus, der Beruf macht im Regelfall derart viel Freude, daß
ein Binnenschiffer selten Interessen außerhalb seines Berufes
entwickelt. Er will also fahren,E2=80=9Ean de Reis=E2=80=9C wie die
Niederländer sagen. Zum andern liegt man selten an einem Platz wo
es lohnt zu liegen, wenn man denn keine ordentliche auskömmliche
Reise angeboten bekommt. Also fährt man um jeden Preis.
Es gibt noch viele weitere Gründe, die hier auf zu zählen
Seiten füllen würden.
Kommen wir doch wieder zu den Fakten.
Ich habe aus einem Marktbeobachtungsprogramm willkürlich eine
Frachtmeldung aus Mitte 2008 aufgenommen.




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Seite 5 Schreiben Hans-Peter Duhr vom 24.01.2010 an MdB Herr Enak
Ferlemann
Frachtmeldung Mitte 2008
lading................: erts                     Erz
| hoeveel ton / teu.....: 2465 /                 Lademenge in Tonnen
| tonnenmaat schip / teu: 3240 /                 Schiffsgröße
| laden in..............: rotterdam emo          Ladehafen Rotterdam
| lossen in.............: richemond  Löschstelle Richmond ist
Thionville Mosel
| vracht per ton........: 9.25                   Frachtrate in Euro



Hier nun eine Frachtmeldung von November 2009

| lading................: erts
| hoeveel ton / teu.....: 2250 /
| tonnenmaat schip / teu: 2523 / 117
| laden in..............: rotterdam20
| lossen in.............: dillingen/Saar  vergleichbar mit Thionville
Mosel
| vracht per ton........: 4,30

Hierbei gilt festzuhalten, daß die variablen Kosten gleich oder
eher noch gestiegen sind, der Rückgang findet daher
ausschließlich beimÜberschuß an. Dieses Beispiel ist
exemplarisch für den Rückgang der Frachtraten zu dem
Mengenrückgang.
Diese Dramatik des Frachtpreisverfalles wird üblicherweise nicht
publiziert, wer sollte daran Interesse haben. Die Verladerschaft mit
Sicherheit nicht, sonst würden deren Kunden wenn man den Regeln des
Marktes folgt, eine Rückgabe der Einsparung verlangen.
Das Schiffahrtsgewerbe, wer ist denn das Schiffahrtsgewerbe?  Welcher
Politiker hat den schon mal den Zugang zu der Basis des Gewerbes?
Wer in den entsprechenden Ministerien kennt denn diese Zahlen, von
Seiten der Verlader-schaft und auch von Seiten der Befrachter wird das
Problem doch verharmlost. Unter Einbruch kann man
Umsatzrückgänge von 30% vermuten oder eine Reduzierung des
=Überschusses von 150.000 Euro auf einen Verlust von 50.000 Euro.
Wer kann denn schon auf Dauer von Verlusten leben?
Zugegeben, in den Jahren 2006 bis 2008 wurde gutes Geld verdient, es
wurden auch Steuern fällig und gezahlt. In der Branche tröstet
man sich, daß man nach Bilanzierung von 2009 per
Verlustrücktrag die für  2008 gezahlten Steuern zurück
bekommt.
Insofern schlägt die Krise direkt zu den Steuereinnahmen des Bundes
durch.
Lösung des Problems.
In jedem Fall muß eine Angleichung der dynamischen Kapazität
an die Transportmengen stattfinden.
Dazu gäbe es natürlich die Möglichkeit, den Modalsplit zu
Gunsten der Binnenschifffahrt zu verändern. Mit gesetzlichen
Regelungen, die dem Liberalisierungsgedanken der EU widersprechen, ist
da sicher wenig zu machen.

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Seite 6 Schreiben Hans-Peter Duhr vom 24.01.2010 an MdB Herr Enak
Ferlemann
Zum andern ist die Einhaltung solcher Regelungen offensichtlich sehr
schwierig zu kontrollieren.
Beispiel;       Bei jedem Schwerguttransport, der über die Straße
geht, muß eine sogenannte Negativbescheinigung eingeholt werden.
Diese Bescheinigung, die von den WSD=C2=B4n, also den Wasser- und
Schifffahrtsdirektionen erteilt wird, sollte demnach bei jedem
Schwerguttransport über die Straße zu den
mitführungspflichtigen Begleitpapieren dazu gehören. Ich
vermute, daß dieser Umstand vor Ort nicht bekannt ist.
Aus dem Verkehrsbericht 2008 der WSD Südwest zeige ich folgenden
Auszug.




'Negativbescheinigungen' (Großraum-und
Schwerverkehr)
2008 lagen der WSD Südwest 12 Anträge, im
Vorjahr gab es einen Antrag, auf Erteilung einer
=E2=80=9ENegativbescheinigung=E2=80=9C vor. Dieses ist eine
Bescheinigung darüber, ob und ggf. innerhalb
welcher Fristen und unter welchen Gesamtkosten
die Beförderung auf dem Wasser bzw. die
gebrochene Beförderung Wasser/Straße möglich
ist. Im Ergebnis wurden 12E2=80=9ENegativbescheinigungen=E2=80=9C
erteilt.
Aufgrund der schwachen Formulierung in der
Verwaltungsvorschrift zuC2=A7 29 Abs. 3 StVO, wonach
die Vorlage einer Negativbescheinigung
nach Prüfung durch die untere Straßenverkehrsbehörde
dann nicht erforderlich ist,
=E2=80=9Ewenn ein Transport auf dem Wasserweg offensichtlich
nicht in Betracht kommt=E2=80=9C, findet eine
Beteiligung der WSD Südwest am Verfahren nur
selten statt. Eine Ausnahme bildet hier seit
Jahren das Saarland. Die seit 1971 gestellten
100 Anträge führten zu folgenden Entscheidungen:
77 Negativbescheinigungen,
18 Positivbescheinigungen,
fünf Abgaben wegen Nichtzuständigkeit
Leider führte auch die Erteilung der 18 Positivbescheinigungen
seit 1971, insbesondere aus
Kostengründen, bisher zu keiner Transportverlagerung
auf die Wasserstraße.
(Im Saarland seit 1971 einhundert  Anträge!!!!      In der gleichen
Zeit sind etliche Tausend
Schwerguttransporte über die Straße gegangen, die seit 1987
über das Wasser hätte geleitet werden können.)
=E2=80=9Einsbesondere aus Kostengründen, bisher zu keiner
Transportverlagerung auf die Wasserstraße.

Nun, leider hat der einzelne Partikulier selten Zugang zu solchen
Projektladungen. Sein Preis, für den er den Transport machen
würde, wird in der Kette nie genannt.
Es ist immer der Preis, den vorab eine Reederei oder ein großes
Befrachtungsunternehmen aufgegeben hat. Solche Preise machen
natürlich oftmals eine Verlagerung auf das Wasser unattraktiv.
Auf freiwilliger Basis sind die Verschiebungen zu Gunsten der
Binnenschifffahrt
Seite 7
Seite 7 Schreiben Hans-Peter Duhr vom 24.01.2010 an MdB Herr Enak
Ferlemann
offensichtlich weitgehend ausgeschöpft, in der Regel suchen sich
die Verkehrsströme selbst den besten und billigsten Weg.
Offensichtlich kommt aber der Preisverfall in der Binnenschifffahrt
nicht bei den Neu-Kunden für den Wassertransport an. Sonst
würde man die Entwicklung neuer Relationen beobachten können.
Dies ist aber eher nicht der Fall.
Die Zielsetzung kann also nur eine Marktsanierung für die
Binnenschifffahrt sein, um das UnwortE2=80=9EAbwrackung=E2=80=9C zu
umgehen. Dabei sollte natürlich darauf geachtet werden, daß
die nationalen Anteile an der Binnenschifffahrt nicht durch eine
flankierende andere Auslegung der Bedingungen in den anderen
EU-Ländern verschoben werden.
Jedes der betroffenen Länder hat gleichermaßen
=E2=80=9Eabwrackwürdigen=E2=80=9C Schiffsraum. Selbst wenn die
Donauländer mehr als abwracken würden als es ihrem Anteil am
Gesamtmarkt entspricht, wäre das für die Sanierung des
Gesamtmarktes noch kein negativer Trend, weil die dortigen
Binnenschiffer dann am Markt die eben nicht abgewrackten Schiffe aus
unseren westlichen Ländern aufkaufen würden und damit unseren
Markt weiter entlasten würden und mit verbessertem Schiffsraum neue
Verkehre auf der Donau aufbauen könnten.
Wenn ein großer Bottich überzulaufen droht, ist es gleich, an
welcher Stelle man Wasser ablaufen läßt, um eine
=Überschwemmung zu vermeiden. Hauptsache, man läßt Wasser
ab.
Natürlich ist durch den ungebremsten Zugang an neuer
Schiffsraumkapazität dieÜberkapazität explosionsartig
sichtbar geworden.
Diese Schiffe sind aber nicht das Hauptproblem, weil sie den Wettbewerb
zu den anderen Verkehrsträgern sicherstellen. Das Problem ist der
Altraum und damit kann durchaus Motorgüterschiffe aus den 60ziger
und 70ziger Jahren rechnen. Diese Schiffe, die in den nächsten
Jahren besonderen Finanzbedarf für Instandhaltungsinvestitionen
haben für neue Schiffsböden und Antriebsanlagen, sollten aus
dem Markt genommen werden. Wenn Sie sich die Altersstruktur der
Binnenschiffsflotte ansehen, besonders der deutschen, werden Sie
erstaunt sein, wieviel Schiffe noch aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg
und sogar noch vor dem ersten Weltkrieg in Fahrt sind.
Wie Ihnen sicher bekannt ist, hat das Gewerbe die letzten
Strukturbereinigungen selbst bezahlt, es wurden lediglich die Gelder von
der EU bereit gestellt, die Aktion wurde organisiert und das Gewerbe hat
diese Gelder durch einen langjährigen
=E2=80=9EAbwrackbeitrag=E2=80=9C zurück gezahlt. Um eine solche
Aktion nochmal ins Leben zu rufen nach gleichem Muster, dazu hat das
Gewerbe nicht mehr genug Substanz.
Hier muß von der EU ein Sanierungskonzept mit der mindestens
teilweise Finanzierung durch die EU eingerichtet werden. Um den Markt
für die neuen Schiffe (ab Baujahr 1980) wieder ins Lot zu bringen,
müßten mindestens 1500 bis 2000 Schiffe aus den Jahren zuvor
aus dem Markt genommen werden.
Die Kosten für eine solche Aktion sind sicher niedriger als im
Gewerbe kolportiert wird. Die Abwrackentschädigung die ein
betroffener Binnenschiffer für sein Schiff will, ist sicher weniger
als zu Beginn der Diskussionen über dieses Thema, weil sich der zu
entschädigende Wert auch nach der Ertragslage für ein Schiff
richtet.
Während das bei der letzten Aktion angewendete Tenderverfahren eine
Spreizung von 70% bis 120% der Basisprämie vorsah, wäre bei
der jetzigen Marktsituation durchaus eine

Seite 8
Seite 8 Schreiben Hans-Peter Duhr vom 24.01.2010 an MdB Herr Enak
Ferlemann
Spreizung von 50% bis 150% denkbar.
Mit entsprechend weniger Geld würde man die
=E2=80=9Eungünstigen=E2=80=9C Schiffe vom Markt bekommen, die in
entsprechenden Verkehren doch noch eine hohe Transportleistung
durchführen können, die danach den kapitalbedürftigeren
Schiffen zur Verfügung stehen würde.
Das größte Hemmnis allerdings scheint bislang die
mehrheitliche Ablehnung des Gewerbes selbst gegen eine Abwrackaktion zu
sein.
Sicher bedeutet das abwracken seines Schiffes für den 50
jährigen Partikulier oftmals auch ein Ausscheiden aus dem Markt mit
ungesicherter Versorgung bis ins Rentenalter.
Nicht jeder will und kann bei den ehemaligen Kollegen als Aushilfe an
Bord arbeiten gehen, obwohl auch diese Lösung einen gewissen Charme
hätte.
In der Branche wird für solche Aushilfstätigkeiten heute so um
die brutto 250 Euro täglich gezahlt und wenn diese Aushilfsschiffer
einen Teil des sprachunkundigen osteuropäischen Matrosen ersetzen
würden, wäre in Richtung Sicherheit ab Bord der Binnenschiffe
auch noch etwas getan.
Ohne eine entsprechende Aktion, ohne einen Markteingriff wird  bis zum
Renteneintritt die verbleibende Substanz sicher auch aufgezehrt.
Hier müßten flankierende Maßnahmen eingerichtet werden,
um diese Lücke zu schließen bis hin zu einem steuerfreien
Behalt der Abwrackentschädigung, wenn diese in einen Rentenfond
eingelegt wird zur Aufzehrung nach dem Beginn der Altersrente.
Herr Enak Ferleman, Sie sehen daß Handlungsbedarf besteht und
daß einer die Vorreiterrolle übernehmen muß. Wäre es
in diesem Fall Deutschland würde man ein weiteres Mal unsere kluge
Voraussicht loben können.
Eine Frage will ich noch zum Schluß beantworten. Warum kommen diese
Anstöße nicht aus den Reihen der beiden orginären
Verbände, nicht aus den Reihen des BdB und nicht aus den Reihen des
BDS.
Im BdB steht die Verladerschaft dahinter, eben weil der Preisverfall
oftmals noch nicht beim Endkunden der Binnenschiffahrt angekommen ist
und wohl auch nie ankommen wird, beschert die heutige
=Überkapazität der Verladerschaft auf mehr als eine Generation
billigen Schiffsraum. Aus deren Sicht wäre es töricht,
für eine Verringerung der angebotenen Kapazität an Schiffsraum
zu plädieren.
Der BDS, eher dem Partikulier zugewandt, kolportiert über den
Partikulier das Gedankengut der Verladerschaft weiter, im nächsten
Jahr wird jedes Schiff wieder gebraucht. Nur keiner sagt, in welchem
Jahr.
Wir Binnenschiffer sind ehrfürchtige, gutgläubige und oftmals
auch religiöse Menschen und bei uns stirbt die Hoffnung zuletzt.
Gerne erfahre ich aus Ihrem Haus, ob meine Ausführungen Ihr
Interesse finden

Seite 9
Seite 9 Schreiben Hans-Peter Duhr vom 24.01.2010 an MdB Herr Enak
Ferlemann

konnten. Bedenken Sie bitte, auch ich bin ein betroffener Binnenschiffer
und kann Ihnen meine Ausführungen nicht in einer
Hochglanzbroschüre überreichen.
Für Ihre Aufmerksamkeit bedanke ich mich und wünsche Ihnen
viel Erfolg bei Ihrer Tätigkeit.
Mit den besten Grüßen


Hans-Peter Duhr


> VAART-bericht van: Franziskus Schramm <[email protected]>
>
> Sehr geehrte Partikuliere,
>
> mit Wohlwollen entnehme ich den Kommentaren zu den Frachtpreismeldungen,
>
> dass offensichtlich ganz langsam ein Umdenken stattfindent. Weg von den
> Niedrigstfrachtpreisen hin zu
> auskömmlichen Frachtpreisen.
>
> Im wesentlichen benötigen wir keine neue Gründungen von
> Verbänden, Foren
> etc., die Marktbeobachtung könnt Ihr selbst durch die tägliche
> Teilnahme
> durchführen.
>
> Wenn hier die Befrachter von Krise reden, so ist zu hinterfragen,
> weshalb im Geschäftsjahr 2009 annähernd soviel transportiert
> worden ist,
> wie 2006. Und 2006 war kein
> schlechtes Jahr. Ein Frachtpreisabschlag von mehr als 50 %, wie wir es
> seit vergangenes Jahr erleben, ist also nicht akzeptabel und ist meiner
> Meinung nach sittenwidrig.
>
> Ebenso sittenwidrig ist das "Schnellball- und Vertriebssystem" mit den
> Neubauten gewesen, die in sehr häufigen Fällen, nur mit auf
> dem Papier,
> dargestelltem Eigenkapital auf den
> Markt geworden worden sind. Zu teuer, im Aussehen super, in der
> Qualität
> nicht unbedingt premium.
>
> Grundsätzlich ist in diesem Gewerbe, um überhaupt bei hohem
> Kapitaleinsatz noch etwas Geld verdienen zu können, ein
> Verschuldungsgrad von max. dem 1,5 fachen des Jahresumsatzes
> eines Schiffes verkraftbar gewesen. Und heute ...., 5- 6 Millionen
> =E2=82=AC bei
> einem Umsatz von 1 MillionE2=82=AC vielleicht!?
>
> Meiner Meinung nach sind die 2 Tilgungs-und Zinsfreie Zeit von den
> NL-Banken nur zurÜberbrückung eingeräumt worden, damit
> die
> Hypothekennehmer nicht gleich wieder von den Schiffen abhauen, und in
> Hinterzimmer
> wird mit eben jenen Chines verhandelt, die Darlehen, die nicht bedient
> werden können, zu übernehmen, mit der Konsequenz, dass die
> Hypothekenmillionäre auf ihren Schulden sitzen bleiben und als
> Setzschiffer ein Leben lang weiterarbeiten, ohnen jemals Eigentum
> erwerben zu können.
>
> Ein Traum wird  so zum Albtraum und zur Seifenblase.
>
> Dieses Gewerbe hat Zukunft, aber nur, wenn wir alle das eingesetzte
> Kapital zurückverdienen können und nicht wie seit Monaten, nur
> noch auf
> Verschleiß, auf "ereignisorientierter Wartung" fahren.
> Das heißt, solange fahren bis nichts mehr geht.
>
> Bei einem eingesetzen Kapital von 5 - 6 MillionenE2=82=AC braucht man
> normalerweise nicht mehr selbst zu fahren, aber wir verhalten uns in
> diesem Zusammenhang wie unternehmerische Neantertaler
> und nicht wie Menschen, vor denen man (Befrachter und Banken) Respekt
> haben sollte, bei der Verantwortung, die wir tragen.
>
> Um alle Aspkete zu beleuchten ist der Platz zu eng, deshalb kann ich nur
>
> noch empfehlen, setzt Euch in Eurer Kämmerlein und überlegt,
> wie wir
> schnellstens wieder zu auskömmlichen
> Frachtpreisen kommen können,  um nach Abzug aller Kosten noch einen
>
> adäquaten Gewinn zu erwirtschaften, um am Ende des beruflichen
> Lebens
> nicht auf Hartz IV zu enden.
>
> MfG
>
> f. schram
>



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