Hallo Jürgen, hallo Arne

Ich halte den Autoren-Verein aus verschiedenen Gründen für wichtig.
Wikipedia-Autoren können gleiche Interessen oder andere Interesen haben wie der 
Verein.

Bei gleichen Interessen kann es eine gute und fruchtbare Zusammenarbeit geben. 
Und er WM-Verein kann sich hierbei positiv auf die IG berufen.

Bei unterschiedlichen Interessen muss man unterschieden zwischen 
gegensätzlichen und andersgelagerten Interessen.

Zu den unterschiedlichen Interessen. Wikipedia hat einen unglaublichen 
Wachstumsschub hinter sich und enorm an Bedeutung gewonnen. Die Arbeit der 
Foundation und der Vereine wird zunehmend professionalisiert. Es arbeiten viele 
in der Foundation/ dem Verein mit, die keine Autoren (mehr) sind und auch 
einfach gar keine Zeit haben, stundenlang Artikelrecherche zu betreiben. 
Gleichzeitig hat der Spaßfaktor beim Arbeiten als Autor in den letzten Jahren 
nicht unbedingt zugenommen. Die Autoren-Arbeit in Wikipedia setzt ebenfalls 
eine Professionalisierung voraus - zum einen, um sich im komplexen Regelwerk 
zurechtzufinden, zum anderen aber auch eine Professionalisierung der 
Fachkenntnis und der Fähigkeit quellenbasiert zu arbeiten, und nicht zuletzt 
ein Höchstmaß an sozialer Kompetenz. Jimbos flapsige Bemerkung, 
Wikipedia-Autoren seien wie Wochenend-Fußballspieler, was sie machen, sei keine 
Arbeit, sondern ein Spaß, stimmt aus zwei Gründen schon nicht: zum
 einen macht es oftmals alles andere als Spaß, in umstrittenen Artikeln eine 
neutrale Position zu erwirken; zum anderen ist dies Arbeit, die ein Projekt 
geschaffen hat, dass einen Wert von mehreren Milliarden Euro aufweist. Wie wir 
wissen, ist die Zahl der aktiven Autoren, die den Großteil der 
Wikipedia-Inhalte geschaffen haben,  nicht so hoch. Es kommt zunehmend zu 
Interessensgegensätzen. Meiner Meinung nach zeigten sie sich in der 
Informationspolitik, in den Deals mit Bertelsmann und jetzt in der 
Neulizensierung mit dem Effekt, dass für die deutschsprachige Wikipedia gilt, 
dass nicht mehr auf die Versionsgeschichte verlinkt werden muss, sondern nur 
noch auf den jeweiligen Artikel. Man kann sich hinstellen und sagen, dass die 
Autoren gar nicht genannt werden wollen. Das ist vielleicht sogar für viele 
Autoren richtig. Aber viele Autoren sind eben auch stolz auf ihre Arbeit (!) 
und stellen diese frei zur Verfügung, wollen aber zumindest als Autoren
 genannt werden. Die CC-BY-SA 3.0 Lizenz heißt ja nicht umsonst 
"Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland". Mit der 
zunehmenden Professionalisierung werden die Interessensgegensätze zunehmen. 
Auch wenn die Opel-Leitung und die Opel-Arbeiter gleiche Interessen haben und 
sich gegen die Schließung der Opel-Werke engagieren, so bestehen doch 
Interessensunterschiede. Nicht alles was gut ist für Opel, ist auch gut für 
Opel-Arbeiter. 

Neben den Interessensgegensätzen gibt es auch Interessensunterschiede, die 
nicht konflikthaft sein müssen. Bislang waren Wikipedia-Autoren alleine, wenn 
es darum ging, dass ihre Artikel plagiiert wurden oder wenn sie aufgrund ihrer 
Artikel-Arbeit in auswärtigen Foren verunglimpft und herabgewürdigt wurden. Die 
Foundation oder der Verein sah sich hier zurecht nicht zuständig. Der Verein 
oder die Foundation hat auch nichts damit zu tun, wenn sich Wikipedia-Autoren 
als Teil einer Gemeinschaft von Internet-Autoren verstehen und hier eine 
gemeinsame Interessensvertretung anstreben.

Soviel. Danke,

Andreas Kemper
http://www.klassismus.de




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Von: Arne Klempert <[email protected]>
An: Mailingliste der deutschsprachigen Wikipedia <[email protected]>
Gesendet: Donnerstag, den 16. April 2009, 15:45:04 Uhr
Betreff: Re: [Wikide-l] IG der Wikipedia-AutorInnen

2009/4/16 Achim Raschka <[email protected]>:
> Da sind wir doch wieder an dem Punkt meiner gestern geäußerten Frage:
> Wer definiert, welche Personen "Autoren der Wikipedia" sind. Ist bsp.
> Mathias Schindler oder Arne Klempert (no offense - ich nutze euch nur
> mal aus Bekanntheitsgründen) ein Autor - die inhaltlichen Beiträge dieser
> Personen an der Textmasse der WP sind nicht gerade überragend.

Naja, 2004 konnte ich nach Edits immerhin noch in der Top100-Liste mitspielen ;)

Noch interessanter als die Definition von "Autor" finde ich die Frage,
welche Interessen denn hier konkret vertreten werden sollen. Bisher
finden sich dazu nur wachsweiche Formulierungen, bei denen eine
Zustimmung nicht schwer fällt. Wenn es konkreter wird, werden die
Probleme beginnen.

Vielleicht können die aktuell an einer IG-Gründung interessierten mal
mit einer Konsensfindung zu der Frage "rechtliche Durchsetzung der
Lizensierung" beginnen: Was ist aus Sicht "der Autoren" okay und was
nicht. Gegen welche konkreten Fälle sollte die IG vorgehen? Ich bin
gespannt auf die Diskussion - schon angesichts der aktuellen
Interessenten-Liste möchte ich an eine flotte Einigung aber nicht so
recht glauben...

Wenn sich innerhalb der Autorenschaft ein Konsens herausbilden sollte
zu einer konkreten  Unterstützung für die Autoren, dann werden sich
die einschlägigen Wikimedia-Organisationen (Foundation, DE, AT, CH
oder wer auch immer) dem wohl kaum komplett verschließen. Durch meine
persönliche Vereinsbrille betrachtet gab es eine solche Einigkeit in
der Vergangenheit aber in wichtigen Fragen einfach nicht. Und wo es
den Konsens gab, gab es auch schon konkrete Unterstützung, zum
Beispiel in Form des Literaturstipendiums.

Also fangt doch erst mal mit den konkreten Zielen an - vielleicht auch
sowas wie ein 100-Tage-Programm - und entscheidet dann, ob zu deren
Verwirklichung wirklich eine neue Organisationsstruktur benötigt wird.

Viele Grüße
Arne

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WikiDE-l mailing list
[email protected]
https://lists.wikimedia.org/mailman/listinfo/wikide-l



      
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