Mal vorne Weg: Mit wem wir reden, entscheiden noch immer wir. "Die sind keine verbotene Partei" ist dafür einfach kein valides Argument, denn nur weil jemand da ist, muss ich noch nicht mit ihm reden. Meinungsfreiheit bedeutet reden zu dürfen, aber nicht reden zu müssen.

Ansonsten sehe ich das wie Michéle: Die NPD hat es verdammt gut drauf, den Wolf im Schafspelz zu geben. Das Problem wird vor allem sein, dass sie ein hervorragendes Weltbild anbieten, mit wundervollen Schwarz-Weiß-Bildern und eingängigen Slogans und Lösungsvorschlägen - und die werden sich auf den ersten Blick auch alle nicht nach Nazi anhören. Wir haben sowas nicht, weil es einfache Lösungen mit einfachen Slogans auf unsere Probleme nunmal nicht gibt. Aber genau das wird in dieser Diskussion unser Problem sein: Um die platten Sprüche der NPD zu wiederlegen und dabei gut auszusehen, muss unsere Sicht verdammt gut und verdammt fundiert sein. Ansonsten wirken die Piraten amateurhaft und unorganisiert, während es bei der NPD ein poliertes Bild und eine hervorragende PR-Veranstaltung gibt.

Wenn die JuPis/Piraten nicht mit ihnen reden, dann können sie sich natürlich in die "Alle anderen sind böse"-Ecke stellen, und es wirft kein gutes Licht auf uns. Aber wenn die Piraten an so einer Diskussion teilnehmen, dann bieten wir einen Vergleichspunkt, gegen den sie ihre Performance spiegeln können - und dann sind wir ganz schnell beim "besser als". Und wenn ein Schüler mit der Meinung "die NPD war besser als die Piraten" aus dieser Diskussion rausgeh, halte ich das für noch viel verheerender als ein "die Piraten wollten sich nicht auf eine Diskussion mit der NPD einlassen". Denn: Man muss die Nazis reden lassen, egal wie man das findet - aber man redet nicht mit Nazis. Das ist eigentlich in meinen Augen ein gesellschaftlicher Grundkonsens. Daran sollten wir festhalten, denn das hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Da geht es um Werte, Geschichte und Positionen.

Greetings,
Chris


Am 13.02.2012 23:47, schrieb Michéle:
prauscher<[email protected]>  schrieb:

Stephan Urbach schrieb:
Ich wiederhole die Frage: Seit wann reden wir mit Nazis?
Warum sollten wir es nicht tun? Besser die NPD ist in einer
Diskussionsrunde dabei, als dass sie ihre Argumente ungefiltert auf die
Schüler jagen kann.

Das Problem ist, genau das wird sie nicht tun. Sie wird sich harmlos-bürgerlich 
geben, wie in den Wahl-o-maten oder gar hier:

http://www.npd.de/html/2205/artikel/detail/2733/ (Acta ad Acta legen)

Aber deswegen auf eine Diskussion verzichten wäre der falsche Weg. Wenn die 
Diskussion deshalb abgesagt wird, holen sich die Kids ihre Infos selbst und 
geraten erst recht an die Falschen. Allein schon die Tatsache, dass hier quasi 
'zensiert' wird sorgt doch schon für Nachfragen und Neugier. Wir können nicht 
so tun als gäbe es so etwas in Deutschland nicht.

Der einzig sinnvolle Weg wird sein, wunde Punkte anzusprechen und auch die 
jeweiligen Gegenargumente(Foren dafür gibt es zuhauf, und ich werd hier jetzt 
nicht die Freiheit verlinken) zu kennen.
Braucht's aber verdammt gute Leute. Schwierige Entscheidung:-/





Schützen kannst du die Schüler eh nicht.

prauscher
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