Hallo Paul,
erstmal danke für deine Antwort, ich würde aber gerne meine Meinung
nochmal dazu erläutern:


Am 6. Juli 2012 18:39 schrieb Paul Meyer-Dunker
<[email protected]>:
>> ich widerspreche deiner Meinung total. Aus viel eigener Erfahrung kann
>> ich dir sagen, dass die meisten Jugendlichen ein Gerichtsprozess nicht
>> interessiert, da er viel zu spät kommt und die Urteile meistens (bei
>> zigfachen Straftaten) viel zu lasch ausfallen.
>
> Hier gibt es gleich mehrere Aspekte auf die Eingehen möchte. Dass Prozesse
> teilweise sehr weit weg von der eigentlichen Normüberschreitung liegen hat
> nichts mit dem Warnschussarrest zu tun.
> Auch die Aussage dass Urteile zu lasch ausfallen empfinde ich als schwer
> nachvollziehbar. Inwiefern sind sie denn zu lasch? Längere Haftstrafen und
> höhere Höchststrafen? Oder zu viele Aussetzungen zur Bewährung? Selbst wenn
> Strafen zur Bewährung ausgesetzt werden sind diese des Weiteren mit
> wichtigen, verpflichtenden Auflagen verbunden.
> Was ist für dich denn der Sinn des Jugendstrafrechts? Ist dir bewusst dass
> im Jugendstrafrecht darum geht Jugendliche in den Einzelfällen zu bessern?
> (pädagogische Maßnahmen)
> Gerade in dieser Phase halte ich es nicht förderlich für die
> Persönlichkeitsentwicklung des noch in der Entwicklung befindlichen
> Jugendlichen ihn "präventiv" als Warnschuss zu inhaftieren. Ich halte das
> für den völlig verkehrten Ansatz, häufig wird sogar Gegenteiliges erreicht.

Der Zeitaspekt war auch nur ein Punkt, der mir wichtig genug war, ihn
generell zu nennen.
Nein, zu viele Verwarnungen. Die Leute mit denen ich zu tun hatten
sind generell mit "Ich weine gleich wieder vor dem Richter, dann
passiert mir nichts" in die Verhandlung gegangen. Und zumindest waren
alle trotz zigfacher (teilweise schwerer) Gewalttaten noch fröhlich
scheiße am bauen. Es gab nur wenige Ausnahmen, die dann doch eine
Jugendstrafe bekommen haben, dann allerdings Jahre, weil es sich doch
irgendwann aufgestaut hat.
Mir ist bewusst, dass jede Haftstrafe in Deutschland eine
erzieherische und (wieder) eingliedernde Maßnahme sein soll.
Es ist mir nur berichtet worden, dass Jugendliche die in Haft waren,
das ganze nochmal aus einem ganz anderen Licht gesehen haben. Das sie
da eher nicht hinwollen.


>> Dadurch treiben sie es
>> weiter, bis es irgendwann zur (langen) Haftstrafe kommt.
>
> Sie "treiben es also immer weiter" weil man sie nicht "präventiv" in den
> Knast gesteckt hat? Srsly? Natürlich brauch es Maßregeln zur Besserungen des
> Jugendlichen Straftäters. Mir fallen da aber viel, viel bessere Maßnahmen
> ein als jemanden für bis 4 Wochen im Jugendknast zu warnen. Das verkennt
> völlig den pädagogischen Ansatz des Jugendstrafrechts (den ich für völlig
> richtig halte)

Wenn du es unbedingt so umvormulieren willst - Ja.
Sie treiben es weiter, weil sie nicht gemaßregelt werden und nicht
einschätzen können *was* sie erwartet. Für viele ist Knast cool, da
muss man nicht arbeiten, man lernt andere "coole" Leute kennen und so
einen scheiß. Ich rede von Leuten, die sich später auch gerne "Nutten
halten" und dafür Sorgen wollen, dass sie "gehorchen".


>> Die Idee finde ich daher ziemlich gut, die Ausführung aber eher naja.
>> Ich würde erstmal ein Gespräch und Führung, sowie kurzer
>> (freiwilliger) Einsperrzeit bevorzugen (Zumindest von dem was ich
>> darüber gehört habe) .
>
> Ich halte es für sinnvoll alles dafür zu tun Maßnahmen zu finden die es
> sinnvoll vermeiden dass Jugendliche jemals in Kontakt mit solchen
> Haftanstalten kommen, da dort in meinen Augen völlig neue Probleme entstehen
> können.

Ich halte es für sinnvoll Jugendliche die ihrem Lebenslauf nach im
Knast Enden vorher mal zu zeigen, dass das nicht erstrebenswert ist.
Außerdem ist 4 Wochen das _Höchstmaß_!


>> Man muss auch immer überlegen, wer davon betroffen wäre. Wenn jemand
>> immer wieder Leute schwer verletzt und im Erwachsenenstrafrecht
>> vielleicht jahrelang weggesperrt wird, dann ist ein Warnschuss sicher
>> eine Sache, die zu überlegen wäre.
>
> Betroffen sind Jugendliche, wer immer wieder Leute schwer verletzt bekommt
> eine Jugendstrafe die ihn in Haft bringen wird. Inwiefern auch bei
> notorischen Straftätern jetzt ein Warnschussarrest helfen soll ist mir
> schleierhaft.
> Dieser ganzen Idee liegt der falsche Gedanke zugrunde dass man durch die
> Verdeutlichung der Straferwartung die Leute abschrecken kann. Das spielt
> vielleicht bei Steuerhinterziehern eine Rolle, aber sicher nicht bei
> Jugendlichen Straftätern bei denen der Ursprung ihrer Delinquenz aus ihren
> sozialen Bedinungen und Umfeld heraus entstehen. Das verkennt die Probleme
> von vorne bis hinten und setzt an völlig falschen Stelle an.

Sehe ich aus o.g. Gründen anders. Auch solche Leute kann man zeigen,
dass Knast kein schönes Leben ist. Ich finde, wie gesagt, Gespräche
mit Insassen, sowie einmal kurz in die Zelle die pädagogisch
sinnvollere Idee. Außerdem ist es "nur" eine Kombination von
Dauerarrest und Jugendstrafe (auf Bewährung), oder verstehe ich das
falsch?

-duracell
-- 
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