Am 20.07.2011 09:24, schrieb michael:
David Paenson schrieb:
Vor ca. 22 Jahren gab es in der Zeitschrift "Chip" einen Wettbewerb zwischen
WordPerfect und Microsoft Word.

Er lief folgendermaßen ab: Beide Firmen schickten ihren besten Spezialisten,
sie saßen an einem großen Tisch und mussten beide ein komplexes Dokument
formatieren. Der Spezialist von WordPerfect schaffte die Aufgabe in der
Hälfte der Zeit.

Seitdem habe ich nie einen solchen objektiven Wettbewerb gesehen. In
Zeitschriften wird Software bestenfalls von gestressten Journalisten
anprobiert. Die eigentlichen Spezialisten bzw. Anwender kommen gar nicht zu
Wort.

Ganz anders sieht es aus bei Hardware-Tests. Hier werden Grafikkarten oder
Prozessoren ppp. anhand mehr oder minder objektiver Kriterien miteinander
verglichen.

Das ist leicht zu erklären. Denn wenn eine Grafikkarte schlecht abschneidet,
dann:

a) kriegt es nur ein kleines Publikum mit

b) die Firma schiebt wenige Monate später ein Nachfolgemodell nach und alles
ist wieder gut

c) die Zeitschrift verliert keine mächtigen Werbekunden

d) ein schlechter Bericht wird bei der Herstellerfirma einen Schaden
anrichten, der sich schlimmstenfalls im 100tausender-Bereich bewegt

Ganz anders sieht es aus im Softwarebereich, vor allem im Bereich der
Bürosoftware. Hier geht es nicht um 100t, sondern um Milliarden.

Warum ganz speziell Bürosoftware und nicht genauso beispielsweise
Datenbanksoftware oder Netzwerksoftware?

Auch das ist leicht zu erklären.

Datenbanksoftware, um bei dem Beispiel zu bleiben, wird von Spezialisten
verwendet, die in der Lage sind zu protestieren, wenn was nicht
funktioniert. Sie sind eher miteinander vernetzt und können ihre Ablehnung
oder Kritik mit fundierten Argumenten vertreten.

Bürosoftware wird weitgehend von Sekretärinnen benutzt, die in der
Arbeitshierarchie ganz weit unten stehen und allein daher, aber auch weil es
in der Regel Frauen sind,

a) nicht ernst genommen werden

b) nicht die technische Schulung besitzen, um eine Kritik zu begründen

Die DV-Abteilungen von öffentlichen Einrichtungen, Verwaltungen,
Großbetrieben und Banken wiederum haben das technische Knowhow auf ganz
anderen Gebieten: Netzwerkinfrastruktur, Großdatenbanken,
Sicherheitstechnik, Protokolle und Gott weiß nicht was sonst. Sie sind es
aber nicht, die von 8 Uhr morgens bis 17 Uhr Texte verfassen müssen. Diese
Spezialisten werden daher mit den Problemen von Sekretärinnen oder auch von
Studierenden, die mühsam ihre Arbeiten formatieren, gar nicht erst
konfrontiert.

Die Büroabteilungsleiter besitzen auch nicht das notwendige Fachwissen,
Hauptsache "ihre" Sekretärin liefert den Bericht pünktlich ab. Ob mit
ergonomischer Software oder nicht, ist ja egal.

Nun, auf dieser Mailing-Liste hat der eine oder andere aus Frust vor der
Situation, in der OpenOffice derzeit steht, geäußert, "dann gehe ich halt
zurück zu MS-Office".

Diese Haltung kann ich nicht richtig nachvollziehen.

Denn auch wenn OOo eine Weile bei der Version 3.3 (auf vielen
Linux-Distributionen wie Easy Peasy 1.6 sogar noch die 3.2) verharrt, ist es
dennoch allen MS-Office-Versionen, ob 2003, 2007 oder 2010 objektiv haushoch
überlegen.

Was wir brauchen wäre ein solcher objektiver Wettbewerb - eine 80-seitige
Diplomarbeit mit Grafiken, Tabellen, Verzeichnissen usw. oder ein
300-seitiges Buch mit dazu noch Stichwortverzeichnis und Querverweisen zu
formatieren und schauen, wer diese Aufgabe am schnellsten erledigt, der
OOo-Spezialist oder der MS-Word-Spezialist?

Ich lege meine Hand ins Feuer, dass ersterer in weniger als der Hälfte der
Zeit ein einheitliches und schön formatiertes Endergebnis erzielt.

Ich habe große Zweifel, ob Microsoft bereit wäre, das Risiko einzugehen,
sich einem solchen Wettbewerb nach 22 Jahren wieder zu unterziehen.

Best
Dave


Das Problem an dem Bericht ist nicht, dass er irgendwie Microsoft
hochjubelt. Das Problem ist eine verzerrte, tendenziöse Darstellung der
Fakten.

Dass in XML-Dokumente (wie auch Dokumente anderen Formats) recht einfach
Code eingebettet werden kann, der Schaden anrichten kann, trifft
OpenOffice.org und Microsoft gleichermaßen. Das kommt aber erst im
Update ansatzweise und nur ansatzweise zum Ausdruck.

Auch die übrigen Aussagen sind grundsätzlich richtig. Nur: Microsoft
z.B. legt bei "seinen" Dateiformaten nicht viel Wert darauf, dass sie
auch mit anderen Programmen anderer Hersteller gleich gut aussehen.
Insoweit nimmt man bei ODF die Idee eines Standards ernst und das
Plugfest dient -gerade dazu - wie bereits geschrieben - die Unterschiede
  in der DarstelLung zu eliminieren. Auch dies wird nicht erwähnt.

Wo die Ursachen dafür zu suchen sind, dass trotz aller
Lippenbekenntnisse unserer und anderer Politiker etc., für
Interoperabilität und offene Standards zu sein, ODF im Alltag der
meisten Behörden und Ämter eher keine Rolle spielt und bestenfalls
unwillkommen ist, hätte ein kritischer Journalist sicherlich auch
untersuchen können.

So aber ist es ein tendenziöses Sammelsurium von Fakten, die allenfalls
die halbe Wahrheit beschreiben. Nicht direkt falsch, aber in relevanter
Weise unvollständig und damit leider nicht "die ganze Wahrheit".

Dass das von Heise ist, enttäuscht dann etwas.

Gruß
Michael


Entscheidend sind zugunsten openoffice folgende Fakten:
- Sibentrennung funktioniert in Kalkulationsblättern.
- es gibt bei calc die Funktion "formel", damit kann ganz einfach dokumentiert werden, was in einer anderen Zelle gerechnet worden ist. Excel kennt das nicht.
und und und ....
als ich im Jahr 2000 zum ersten Mal mit staroffice arbeitete, konnte man mit dragon dictate nach staroffice diktieren, word ignorierte damals die Eingaben. es wäre schön, wenn bei der hoffentlich weiteren Entwicklung die praktische Verwendung umfangreicher berücksichtigt werden könnte. z.B. bei der Übertragung von (zuvor verketteten) Kalkulationsblättern in Texte oder beim Formatieren.
mfg E.
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