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Redaktion: Kathrin Klinkusch, Britta Hennigs, Annika Natus
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P R E S S E D I E N S T  ---- 9. Oktober 2009
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Umwelt/Vogel des Jahres
NABU und LBV: Kormoran ist Vogel des Jahres 2010
Fischfressende Vogelart ist natürlicher Bestandteil unserer Gewässer

Berlin - Der NABU und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV)
haben den Kormoran zum „Vogel des Jahres 2010“ gewählt. Die beiden
Verbände wollen sich damit offensiv für den Schutz des Kormorans
einsetzen, der nach seiner Rückkehr an deutsche Seen, Flüsse und Küsten
wieder zu tausenden geschossen und vertrieben wird.

„Unter dem Vorwand eines  „Kormoran-Managements“ haben nahezu alle
Bundesländer spezielle Kormoran-Verordnungen erlassen, die den
bestehenden Schutz der Vögel untergraben“, erklärte NABU-Vizepräsident
Helmut Opitz. Diese Verordnungen erlauben die flächendeckende Tötung von
Kormoranen unabhängig von einem Schadensnachweis an Fischbeständen
selbst in Naturschutzgebieten, teilweise sogar ausdrücklich während der
Brutzeit. „Die Bilanz ist beschämend: Jedes Jahr werden in Deutschland
wieder rund 15.000 Kormorane getötet“, so Opitz.

Jahrzehntelang war der Kormoran (Phalacrocorax carbo) aus Deutschland
so gut wie verschwunden - das Ergebnis intensiver Verfolgung durch
Fischer und Angler. Erst nach konsequentem Schutz durch die
EG-Vogelschutzrichtlinie (1979) leben in Deutschland heute wieder rund
24.000 Brutpaare, davon mehr als die Hälfte in großen Kolonien nahe der
Küste. Ihre Zahl hat sich in den letzten Jahren stabilisiert. 

„Die Rückkehr des Kormorans ist ein Erfolg für den Vogelschutz, auf den
wir stolz sein können“, betonte der LBV-Vorsitzende Ludwig Sothmann.
Berufsfischer und Angler versuchten jedoch, die Vertreter von Politik
und Behörden von angeblich massiven wirtschaftlichen Schäden und der
Bedrohung einzelner Fischarten durch den Vogel zu überzeugen. „Doch
Kormorane vernichten keine natürlichen Fischbestände und gefährden
langfristig auch keine Fischarten. Vielmehr kommt es darauf an, sich für
die ökologische Verbesserung unserer Gewässer einzusetzen - damit alle
Fische und Wasservögel Raum zum Leben haben“, so Sothmann. Aus Sicht
von NABU und LBV sollten fischfressende Vogelarten wie der Kormoran als
natürlicher Bestandteil unserer Gewässerökosysteme akzeptiert werden.

Die 80 bis 100 Zentimeter großen und zwischen zwei bis drei Kilo
schweren Vögel fangen bevorzugt Fische, die sie ohne großen Aufwand
erbeuten können - sie sind Nahrungsopportunisten. Darum stehen vor allem
häufige und wirtschaftlich unbedeutende „Weißfische“ wie Rotaugen,
Brachsen und andere Kleinfische auf ihrem Speiseplan, die besonders in
nährstoffreichen Gewässern in großen Mengen vorkommen. „Edelfische“
wie Felchen oder Äschen machen wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge
nur geringe Anteile ihrer Nahrung aus. 

NABU und LBV lehnen eine flächendeckende Regulierung der
Kormoranbestände grundsätzlich ab. Denn es gibt Alternativen. Eine
zeitgemäße Strategie ist die Schaffung von Ruhezonen. So werden die
Wasservögel an Orte gelenkt, an denen sie sich von reichhaltigen
Fischbeständen ernähren können - dazu zählen größere Stillgewässer und
Flüsse ebenso wie die Küste. Dadurch verringert sich der Druck auf
Fischzuchtanlagen oder die Rückzugsräume seltener Fischarten. An
Fischzuchtanlagen bzw. in Zentren der Teichwirtschaft können
gebietsweise Probleme durch den Kormoran auftreten. Dort müssen
gemeinsam vor Ort Lösungen gefunden werden, wirtschaftliche Schäden
durch Kormorane zu verhindern, ohne den natürlichen Bestand der Vogelart
erneut zu gefährden. Fischteiche können z.B. durch das Überspannen mit
weitmaschigen und gut sichtbaren Drahtnetzen sowie durch optisches und
akustisches Vertreiben wirksam geschützt werden. 

„Wir möchten zeigen, was getan werden kann, um Kormoranen und Fischern
eine Zukunft an unseren Gewässern zu sichern. Der Umgang mit dem
Kormoran ist ein Prüfstein für einen umsichtigen Artenschutz in
Deutschland und Europa“, so die Verbände. 

Der Kormoran, dessen grüne Augen an Edelsteine erinnern, ist ein
Meistertaucher. Bis zu 90 Sekunden lang und 30 Meter tief kann er
tauchen. Sein mit Wasser vollgesogenes Gefieder lässt er von Wind und
Sonne trocknen - ein einzigartiges Verhalten in der Vogelwelt. Dazu
breitet er die Flügel in der charakteristischen Haltung auf einem
Ruheplatz aus. Abgesehen von Südamerika ist der Kormoran in allen
Erdteilen zu Hause. 

Für Rückfragen:
Dr. Markus Nipkow, NABU-Vogelschutzexperte, Tel. 030-284984-1620
Dr. Andreas von Lindeiner, LBV-Artenschutzreferent, Tel. 09174-4775-30

Fotos und Filmmaterial erhalten Sie unter www.NABU.de/presse und bei
Kathrin Klinkusch, Tel. 030-284984-1510

Hintergrundinformationen zu finden unter www.NABU.de und
www.vogel-des-jahres.de.Auf www.kormoranfreunde.de, der
Kampagnen-Seite zum Vogel des Jahres 2010, kann man sich als Freund des
verfolgten Vogels registrieren.

Die Farbbroschüre zum Jahresvogel 2010 (Art.-Nr. 1922) kann für 1 Euro
zzgl. Versandkosten beim NABU-Natur-Shop, Am Eisenwerk 13, 30519
Hannover (www.NABU.de/shop) bezogen werden. 



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