IPS--Inter Press Service Nachrichtenagentur
http://www.ipsnews.net/news.asp?idnews=106395

SIMBABWE

Braune Revolution

Nutztiere bremsen Wüstenbildung

Von Busani Bafana

Victoria Falls, Simbabwe, 11. Januar (IPS) – In Simbabwe bahnt sich eine
'braune Revolution' an. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass das Grasen
von Nutztieren in bestimmten Gebieten und Intervallen die Wüstenbildung
rückgängig machen kann. Auch andere Länder der Region nutzen bereits die
Erkenntnis, um gegen die Folgen des Klimawandels anzugehen.

Nahe den berühmten Victoria-Fällen, die von der UNESCO als Weltnaturerbe
geschützt werden, hat das gezielte Beweiden geschädigter Areale bereits
Fortschritte erzielt. Allan Savory [1] vom 'Savory Institute' bezeichnet die
'braune Revolution' als "Wunder", das der schwächelnden Landwirtschaft in
dem afrikanischen Staat wieder auf die Beine helfen könnte.

Das in den USA ansässige Institut und seine Partnerorganisation 'Africa
Centre for Holistic Management' [2] (ACHM) konnten in Gebieten, die sich
allmählich in Wüsten verwandelten, Böden, Wasser und Fauna regenerieren. Die
Ökosysteme hatten darunter gelitten, dass die Viehzahlen auf einer 2.900
Hektar großen Ranch in Dimbangombe um 400 Prozent gestiegen waren.

Das so genannte holistische Management [3], das auf einer ganzheitlichen
Sichtweise beruht, hat diese Tendenzen umgekehrt. Mehr als 50-jährige
Forschungen auf vier Kontinenten führten dazu, dass sich Produktivität von
Land, die Verfügbarkeit von Wasser und die Lebensbedingungen der Menschen in
den Regionen durch geplante Beweidung verbesserten.

Kampf gegen Wüstenbildung entscheidend für Klimaschutz

"Nutztiere sind die besten Mittel, mit denen man der Wüstenbildung auf
breiter Front begegnen kann", sagt Savory. "Ohne Maßnahmen gegen
Wüstenbildung kann nichts gegen den Klimawandel unternommen werden."

Mit Unterstützung der Regierung soll in Simbabwe eine neue Agrarpolitik
entworfen werden, die das Ziel hat, Millionen Menschen auf renaturiertem
Land anzusiedeln und die Landwirtschaft wiederzubeleben.

"Landwirtschaft trägt ebenso wie Kohle, Erdöl und Gas zum Klimawandel bei.
Ohne den holistischen Ansatz können wir den größten Teil des Klimaproblems
nicht lösen", warnt Savory. Früher habe er aus Umweltgründen noch dafür
plädiert, dass die Bauern ihre Viehbestände reduzieren sollten. Erst nach
Jahrzehnten habe er jedoch eingesehen, dass nur der richtige Umgang mit
Nutztieren auf globaler Ebene Wüstenbildung, Artensterben und Klimawandel
entgegenwirken könne [4].

"Indem Nutzvieh den Platz der riesigen Herden einnimmt, die einst unseren
Planeten durchstreiften, bevor der Mensch das Feuer erfand, werden die Böden
saniert. Sie können große Mengen an Wasser und Kohlenstoff speichern. Damit
werden sowohl Dürren als auch Überschwemmungen begrenzt", erklärte der
ehemalige Biologe.

Für die Wüstenbildung macht Savory im Gegensatz zu vielen Kollegen nicht per
se die Beweidung durch Rinder, Schafe und Ziegen verantwortlich. Die
richtige Planung sei entscheidend, betonte er. Die Tiere dürften nicht
länger als drei Tage an einer Stelle grasen und sollten für mindestens neun
Monate nicht wieder in dieses Gebiet geführt werden.

Mit ihren Hufen brechen die Tiere harte Böden auf und geben dem Land durch
ihren Dung Substanz. Regen kann somit besser absorbiert und Kohlenstoff
gespeichert werden. Die vorübergehende Verdichtung der Böden trägt
offensichtlich auch dazu bei, dass Pflanzen dort leichter keimen können.

Die gezielte Beweidung macht nach Ansicht von Savory auch das übliche
Abbrennen von Steppengebieten überflüssig. Das Feuer war bisher dazu
eingesetzt worden, altes Gras zu beseitigen. Die absichtlich gelegten Brände
tragen in Afrika aber mehr zum Klimawandel bei als die Verwendung fossiler
Brennstoffe in mehreren Ländern.

Grasland speichert Kohlenstoff

Laut dem Experten bietet die holistische Methode erstmals die Möglichkeit,
sowohl die Ursachen der Wüstenbildung als auch soziale, ökologische und
wirtschaftliche Probleme zu mildern. Das Pflanzen neuer Bäume gegen den
Klimawandel sei eine verbreitete Modeerscheinung, kritisierte Savory. Bäume
könnten aber keinen überschüssigen Kohlenstoff speichern, der durch die
Zerstörung der Böden, durch Brände und fossile Brennstoffe freigesetzt
werde. Die riesigen Flächen Grasland seien dazu sehr wohl in der Lage, weil
sie regelmäßig abgegrast würden. Die abgestorbenen Wurzeln der Pflanzen
wandelten sich im Erdreich in organische Stoffe um.

ACHM sieht Simbabwe als erfolgreiches Pilotprojekt seiner Aktivitäten. Dort
wachse das Gras inzwischen hüfthoch, weil mehr Tiere auf den Flächen
weideten, sagte Savory. Außerdem seien Flüsse zum Leben erweckt worden. Ihn
ihnen seien wieder Fische und Wasserlilien zu sehen. Die Wassermenge sei im
Vergleich zu früher deutlich gestiegen, berichtete der Wissenschaftler.
Dabei seien die Kosten für dieses 'Wunder' gering angesichts der Milliarden
Dollar, die ohne Erfolg für technische Neuerungen und die Verkleinerung von
Viehherden ausgegeben worden seien.

Die Arbeit des 'Savory Institute' und seines Partners ACHM ist inzwischen
auch in anderen Ländern Afrikas auf Interesse gestoßen. In Namibia, Botswana
und Kenia wird Nutzvieh ebenfalls erfolgreich gegen Wüstenbildung
eingesetzt. Vom Büro für auswärtige Katastrophenhilfe (OFDA), das der
Entwicklungsbehörde USAID angegliedert ist, haben die beiden Institutionen
4,8 Millionen US-Dollar erhalten, um weitere Programme im südlichen Afrika
durchzuführen. (Ende/IPS/ck/2012)

--------------------------------------------------------------------------

[1] http://en.wikipedia.org/wiki/Allan_Savory
[2] http://achmonline.squarespace.com/
[3] http://en.wikipedia.org/wiki/Holistic_management
[4] http://vimeo.com/8291896




° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Ende der weitergeleiteten Nachricht ° Alle Rechte bei den AutorInnen
Unverlangte und doppelte Zusendungen bitten wir zu entschuldigen
Abbestellen: mailto:[email protected]?subject=unsubscribe

° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Greenhouse Infopool Berlin
[email protected]
www.twitter.com/greenhouse_info
www.freie-radios.net
www.coforum.de


° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
"Klimaschutz muss als Bewegung von unten kommen."
http://energiewende.wordpress.com
http://klima-der-gerechtigkeit.de



_______________________________________________
Pressemeldungen mailing list
[email protected]
https://lists.wikimedia.org/mailman/listinfo/pressemeldungen

Antwort per Email an