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taz - 23.03.2012

Wachsender Widerstand gegen Fluglärm

Massenprotest am Boden

Es begann mit Unmutsbekundungen im Lokalen. Nun erregt Fluglärm bundesweit die 
Gemüter. An allen großen Flughäfen soll es gemeinsame Demos geben

Von Martin Kaul

BERLIN taz | „Ich war ein Leben lang Leistungssportler. Heute mach ich nur noch 
Abwehrkampf.“ Hartmut Binner, 73, ist ein Pensionär mit Passion: Den Lärm, den 
er vom Münchner Flughafen ertragen soll, will er nicht akzeptieren. Seit Langem 
kämpft der bekennende Katholik mit dem bayerischen Akzent nun schon gegen den 
Bau einer dritten Startbahn in München.

Am Samstagnachmittag wird er wieder Versammlungsleiter sein: am Flughafen 
München, im Terminal 2. Doch dann ist manches anders. Denn das Phänomen des 
Flughafenprotests soll an diesem Tag eine neue Dimension erreichen. In den 
Terminals von München, Frankfurt und Düsseldorf, in Köln/Bonn, Leipzig und am 
künftigen Großflughafen Berlin-Brandenburg sollen am Wochenende bis zu 30.000 
Menschen protestieren gehen: Zeitgleicher Massenprotest an allen großen 
deutschen Flughäfen – das ist neu.

Das gemeinsame Motto: Fluglärm macht krank. Schaffen es die Fluglärmgegner vom 
Vorgartenprotest – wie manche spöttisch sagen – zu einer bundesweiten Bewegung? 
Vielleicht kann Ingrid Kopp diese Frage beantworten. Seit zwölf Jahren ist die 
Frau aus Wiesbaden-Erbenheim im Protest gegen den Lärm rund um den Frankfurter 
Flughafen engagiert. „Jetzt“, sagt sie, „merken wir langsam, dass unser 
Anliegen eine bundesweite Resonanz erfährt.

Wir erleben, dass Leute nicht selbst betroffen sein müssen, um uns zu 
unterstützen.“ Was sie sagt, erinnert ein wenig an die Beobachtungen in 
Stuttgart: Nicht nur der Lärm, auch der Umgang der Politik mit den Bedürfnissen 
der Bürger treibe den Fluglärmgegnern viele neue Sympathisanten zu. Glaubt man 
Ingrid Kopp, dann „ist dies der Anfang einer bundesweiten Vernetzung aller 
Betroffenen“.

Berliner Opferzank im Vordergrund

Dabei ist das nicht selbstverständlich. In Berlin stand bis zuletzt noch der 
Opferzank im Vordergrund. Im erbitterten Streit über die künftigen Flugrouten 
kämpften viele Bürgerinitiativen dort vorrangig für ihre eigenen Interessen. 
Die Bürgerinitiative Friedrichshagen wünschte sich die Flugrouten nach Gosen – 
und umgekehrt.

Matthias Schubert aus der brandenburgischen Gemeinde Kleinmachnow kennt diese 
Konflikte nur zu gut. Der Verwaltungsjurist hat den bundesweiten Aktionstag als 
Sprecher des Aktionsbündnis Berlin-Brandenburg nun mit angestoßen. „Darauf bin 
ich stolz“, sagt er. „In Berlin klammern wir bestimmte Streitthemen inzwischen 
bewusst aus und konzentrieren uns auf unsere gemeinsamen Interessen: Das ist 
ein strenges Nachtflugverbot. Denn das würde allen gleichermaßen helfen.“

Was Schubert für Berlin beschreibt, versuchen Flughafeninitiativen nun auch 
bundesweit: Sie fordern von der Bundeskanzlerin ein generelles Nachtflugverbot 
in Deutschland und eine koordinierte Verkehrs- und Flugroutenpolitik – damit es 
überall leiser wird.

Doch Hartmut Binner, der hauptberufliche Abwehrkämpfer aus Bayern und frühere 
deutsche Meister im Faustball, sagt auch: „Es gibt noch viele Konflikte, auf 
die wir keine gemeinsamen Antworten finden. Uns Bayern sind die Heimat wichtig 
und der Klimaschutz. Mit Klimaschutz kann man bei den Frankfurtern nicht groß 
punkten.“

Schweigemarsch durch Freising

Vor zwei Wochen hatte Binner noch Aktivisten aus London bei sich zu Gast, die 
am dortigen Flughafen Heathrow den Bau einer weiteren Startbahn verhindern 
konnten. Sie führten den Schweigemarsch durch Freising an, erzählt Binner. „Da 
haben wir uns verbündet. Und das machen wir jetzt auch in Deutschland.“

Jörg Rohwedder ist Geschäftsführer der Bewegungsstiftung in Verden. Die 
Stiftung berät und unterstützt Initiativen aus sozialen Bewegungen. Vor Kurzem 
gab es bei ihm die ersten Anfragen aus München. Wie man große Bündnisse 
schmiedet und wie man zu zivilem Ungehorsam ausbildet, wollten die Aktivisten 
wissen.

Doch Rohwedder ist mit seiner Einschätzung noch zurückhaltend. „Die 
Flughafeninitiativen werden noch sehr stark als Vorgartenprotestler 
wahrgenommen. Das ändert sich allerdings gerade etwas.“ Mutiger müssten sie 
werden, mehr Gemeinsamkeiten betonen.

„Die Auseinandersetzung um Stuttgart 21“, sagt Rohwedder, „hat gezeigt, dass 
man auf allen Ebenen argumentieren muss: Dort ging es um Barrierefreiheit für 
Behinderte, um Umweltfragen und eine Kritik an der etablierten Politik.“ Am 
Samstag geht es zunächst mal um eines: „Fluglärm macht krank.“ Aber immerhin.

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Artikel zum Thema

Aktionstag: Tausende demonstrieren gegen Fluglärm 
http://www.derwesten.de/id6314329.html

Wirtschaftskraft gegen Lärmbelastung: Die Fluglärmdiskussion vor der 
bundesweiten Demo 
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/1667387/

Nachtflüge in Berlin, München und Frankfurt: Fünf Stunden Schlaf sind genug 
http://www.taz.de/!79887/

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