http://www.eu-koordination.de/umweltnews/news/wasser-meere/1384

DNR EU-Koordination - 22.03.2012

Zu viel Beifang in Fischernetzen

Die für die Fischereipolitik zuständigen EU-Minister wollen erreichen, dass 
künftig weniger Tiere versehentlich in den Netzen der europäischen Fischer 
landen. Wie dieser sogenannte Beifang verringert werden soll, ist aber noch 
unklar.

Zwischen 20 und 98 Prozent Meerestiere werden unbeabsichtigt mitgefangen und 
zurück ins Meer gekippt. Die EU-Kommission will dies verbieten und der 
EU-Ministerrat beschloss am 20. März den Kommissionsvorschlag zu unterstützen. 
Laut Kommission soll der Beifang künftig auf die Fangquoten der Fischer 
angerechnet werden. Verarbeitet werden dürfte er aber nicht. Dadurch sollten 
die Fischer motiviert werden, weniger versehentlich zu fangen. [mbu]

Schlussfolgerungen des Agrar- und Fischereirats
http://www.consilium.europa.eu//uedocs/cms_data/docs/pressdata/en/agricult/129052.pdf
 


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http://www.fair-fish.ch/blog/archive/2012/03/23/eu-fischereiform-bleibt-zimperlich.html

fair-fish - 23.03.2012

EU-Fischereiform bleibt zimperlich

Billo Heinzpeter Studer

Die Fischereiminister der EU-Mitgliedstaaten sind sich im Grundsatz einig: Der 
Rückwurf von «unnützen» Fischen soll künftig verboten werden. Noch strittig ist 
freilich die «Ausgestaltung» dieses Verbots. Damit ist weiterhin völlig offen, 
ob die hängige Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) der EU mehr bringt 
als die bis heute skandalöse Plünderung europäischer und fremder Meere.

Bisher spült die europäische Fangindustrie etwa die Hälfte der gefangenen 
Fische gleich wieder ins Meer zurück. Schuld daran sind eine rücksichtslose 
Technik, die Jagd nach besonders hochpreisigem Fisch und die EU selbst.

Die bis heute geltende EU-Regelung verbietet das Anlanden von Fischarten, deren 
Fangquote für das laufende Jahr bereits erschöpft ist. Gleiches gilt für 
Jungfische, die sich noch nicht fortpflanzen konnten. Also über Bord damit. 
Industrielles Fanggerät wie z. B. grosse Schleppnetze oder kilometerlange 
Langleinen sammelt alles Mögliche ein, auch Fische, die sich nicht vermarkten 
lassen - weg damit. Aus der Masse der industrielle gefangenen Fische werden oft 
nur die besonders begehrten Exemplare aussortieren, die jenen hohen Preis lösen 
- der Rest ist Abfall, weg damit.

Künftig alle Fänge anlanden, aber.

Die EU-Kommission will das Problem aus der Welt schaffen, indem künftig der 
ganze Fang angelandet werden soll. Dabei würden alle angelandeten Fische auf 
die Fangquote der betreffenden Art angerechnet. Was bis anhin ins Meer 
zurückgeworfen worden wäre, soll nicht verwertet werden dürfen. Denn die 
EU-Kommission zählt auf einen marktwirtschaftlichen Anreiz: wer nicht selektiv 
fischt, soll durch höhere Produktionskosten bestraft werden.

Genau hier sind sich die Fischereiminister nicht einig. Spanien und Frankreich 
fordern unter dem Druck ihrer mächtigen Fischereilobbies grosszügige Ausnahmen. 
Verlangt wird, dass nicht vermarktbare Fische zu Fischmehl verarbeitet werden 
dürfen, unter Bezahlung des Rohmaterials. Verwerten statt Entsorgen wäre 
natürlich vorzuziehen, wenn der Fisch schon mal an Land ist. Das Problem ist 
freilich, dass er überhaupt dem Meer entrissen wurde - dies ist es, was 
verhindert werden muss.

Gefordert wird auch, dass Rückwürfe erlaubt bleiben, wenn die betreffende 
Fischart dabei überlebt. Einmal abgesehen davon, dass es völlig rücksichtslos 
ist, Fische zu fangen, nur um festzustellen, dass sie doch nicht ganz den 
erwünschten Preis lösen werden: unerwünschte Fische wieder ins Meer 
zurücksetzen, damit sie weiterleben können, klingt ja scheinbar recht 
vernünftig. Die Frage ist freilich, in welchem Zeitabstand vom Fangzeitpunkt 
das Überleben gemessen wird. Einige Stunden nach dem Fang mag die 
Überlebensrate ja noch annehmbar aussehen. Die Verletzungen durch den Fang sind 
aber derart, dass die allermeisten Fische über kurz oder lang daran sterben.

Für marktwirtschaftliche Anreize ist es zu spät

Marktwirtschaftliche Anreize können das jahrzehntealte Problem der 
EU-Fischereipolitik nicht mehr lösen, dafür ist es zu spät. Zu lange haben die 
EU und ihre Mitgliedsstaaten Anreize finanziert, welche vernünftige 
Marktmechanismen komplett ausgehebelt haben. Gewonnen haben nicht jene, die 
viele Arbeitsplätze schaffen, sondern die grossen Industriefischer. Belohnt 
wurden nicht die schonendsten Bewirtschafter der Fischbestände, sondern jene, 
die den grössten Raubbau betrieben.

Mittlerweile stehen die europäischen Fischbestände vor der Erschöpfung. Was 
getan werden muss, liegt auf der Hand, und es wird weh tun. Die 
EU-Fischereipolitik tut schon sehr lange sehr weh: den Fischen. Jetzt darf sie 
auch einmal jenen weh tun, die bisher EU-Gelder dafür kassiert haben, dass sie 
die Meere plünderten.

Was zu tun bleibt, aber bald

Eine hilfreiche Reform der EU-Fischereipolitik sieht so aus:

* Reduktion der Fangmengen auf weniger als die Hälfte, für jeden Fischbestand 
so lange, bis er sich erholt hat. Verbot von nicht nachhaltigen Fangmethoden.

* Zinslose Darlehen an Fischer zum Ausgleich der Einkommensverluste, 
rückzahlbar aus den Mehrerträgen, welche die Fangbeschränkung gebracht hat. 
Ausstieghilfen für Fischer, welche die neue Politik nicht mittragen wollen. 
Beihilfen für Besitzer von Fischereischiffen, die nachweislich verschrottet 
wurden.

* Schluss mit Subventionen von EU und Mitgliedstaaten für die Fischerei. Bei 
gesunden Fischbeständen kann sich eine vernünftige Fischerei selber finanzieren.

* Schluss mit Subventionen für eine Aquakultur, die auf Meerfisch für die 
Fütterung beruht.

* Schluss mit Propaganda aus öffentlichen Mitteln für den Fischkonsum. Meine 
Gesundheit ist nicht abhängig davon, ob ich zweimal die Woche Fisch oder 
täglich Fischölkapseln zu mir nehme - erst recht nicht, wenn nicht mehr Fisch 
zur Verfügung steht als 1x pro Monat für jeden Menschen.

Billo Heinzpeter Studer ist Initiant des Vereins fair-fish und leitet dessen 
Fachstelle

Quellen: 
Beschluss EU-Fischereiminister
http://www.taz.de/!90020/ 
Spaniens Haltung zu Rückwürfen
http://www.fair-fish.ch/blog/archive/2012/01/06/ 
fair-fish zur EU-Fischereireform
http://www.fair-fish.ch/wissen/politik/europa.html
Fischkonsum und verfügbare Menge
http://www.fair-fish.ch/files/pdf/feedback/facts-5.pdf

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