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* 22.03.2012

Enquete zu Wachstum und Wohlstand

Problem erkannt, Lösung kommt später

Die Bundestagskommission zu Wachstum und Wohlstand dachte öffentlich über
ihre Zukunft nach. Sie einigte sich darauf, dass man neue Indikatoren
braucht, um Glück zu messen

von Heike Holdinghausen

BERLIN taz | Wie geht es weiter mit der Bundestagsenquetekommission
Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität? Nach rund anderthalb Jahren heftiger
Debatten versuchten die Bundestagsabgeordneten am Mittwoch eine Antwort in
einem Symposium. Die Enquete-Kommission habe eine Chance, Wirkungsmacht zu
entfalten, wenn sie von der bloßen Problembeschreibung wegkomme, hin zu
konkreten Lösungsvorschlägen, sagte Kommissionsmitglied Edelgard Bulmahn
(SPD).

Doch schon die gemeinsame Problembeschreibung fällt schwer. Während der
CDU-Abgeordnete Matthias Heider mahnte, man solle den in der Bundesrepublik
erreichten Wohlstand nicht leichtfertig verteufeln, beklagte der Grüne
Hermann Ott, das Wohlstandsversprechen unserer Gesellschaft werde doch gar
nicht eingelöst. Je konkreter die Fragestellung wird, desto weiter entfernen
sich die Positionen der Abgeordneten. Beispiel Rebound-Effekt: Der besagt,
dass bei steigender Effizienz nicht weniger, sondern mehr Ressourcen
verbraucht werden. Neue Fernseher zum Beispiel verbrauchen zwar relativ
weniger Strom, werden aber immer größer - und benötigen insgesamt mehr
Energie. Während für Ulla Lötzer von der Linkspartei diese Effekte "dringend
zu staatlichem Handeln zwingen", glaubt der Liberale Florian Bernschneider,
der Mensch werde schon "technische Problemlösungen finden".

Immerhin in einem Punkt waren sich die Abgeordneten einig: Das
Bruttoinlandsprodukt könne das Wohlstandsniveau der Bevölkerung nicht
beschreiben. Laut dem dazu kürzlich veröffentlichten Zwischenbericht soll
ein Indikatorenbündel entwickelt werden, das den "ökonomischen, sozialen und
ökologischen Wohlstand sowie den gesellschaftlichen Zusammenhalt und deren
Nachhaltigkeit abbildet". Damit könnte der bislang prägende Wachstumsdiskurs
eine neue Richtung nehmen.

"Die Debatte in der Enquete bleibt hinter der gesellschaftlichen Debatte
zurück", kritisierte Kerstin Andreae, bis vor kurzem Kommissionsmitglied für
die Grünen. Das Potenzial des Gremiums werde bislang nicht genutzt. Die
Fragestellung zu entschlacken und strittige Punkte gänzlich zu entfernen,
sei jedoch keine Lösung, sagt Kommissionsvorsitzende Daniela Kolbe (SPD).
Schließlich gebe es viele Weisheiten, die alle teilten, etwa, dass ein rein
qualitatives Wachstum nicht erstrebenswert sei. Die Umsetzung in konkrete
Politik hingegen sei schwierig. "Um hier Lösungen zu finden, dafür müssen
wir uns quälen", sagte Daniela Kolbe.

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