http://www.umweltruf.de/news/111/news3.php3?nummer=1848

Europaticker - 27.03.2012
        
Im Fokus: Ablasshandel der Umweltverbände

Geld statt Widerstand: Wie sich Umweltverbände kaufen lassen / BUND ist nicht 
käuflich! / NABU: Keine "Tauschgeschäfte" Geld gegen Klageverzicht
        
Einen Aufschrei hat ein Beitrag des ARD-Magazin "Panorama" bei den namhaften 
deutschen Umweltverbänden hervorgerufen. Umweltverbände, das seien die Anwälte 
der Natur, sie kämpfen gegen Verschmutzung und Zerstörung, treten ein für das 
Gute! Niemals würden sie gegen Geld ihren Protest zurückziehen, hieß es in der 
Anmoderation.  Doch die Realität sehe ziemlich anders aus: Immer wieder zahlen 
Firmen für geplante Großprojekte Geld in eine Umweltstiftung und die Verbände 
verzichten im Gegenzug auf eine Klage, berichteten Mareike Burgschat und Jörg 
Hilbert.

Es geht um Millionen-Beträge. Europaticker hat die 2010-er Bilanzen der fünf 
aktivsten Verbände ausgewertet:
http://www.europaticker.de/0000_bilder/bilder/120320_umweltverb_ein.jpg 

Die Naturschutzverbände argumentieren, mit den Millionen aus der Industrie 
könne man die Natur vor allem an anderer Stelle fördern – mit Hilfe der 
Stiftungen. Ob das die Naturzerstörungen tatsächlich ausgleichen kann, ist 
jedoch äußerst fraglich. 

Beitrags-Manuskript: Geld statt Widerstand – Wie sich Umweltverbände kaufen 
lassen. Der Panorama-Beitrag vom 15. März 2012 als PDF-Dokument zum Download:
http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2012/panorama3989.pdf 


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http://www.bund.net/themen_und_projekte/naturschutz/panorama/

BUND - 16.03.2012

Panorama irrt

Panorama möchte gerne einen Skandal sehen, wo keiner ist – getreu dem Motto, 
dass nur schlechte Nachrichten interessant sind. In der Sendung vom 15. März 
wurde den ZuschauerInnen suggeriert, BUND und NABU hätten sich für Geld Klagen 
gegen Maßnahmen, die die Natur schädigen, "abkaufen" lassen.

Tatsache ist: der BUND hat weder in Niedersachsen noch in Schleswig-Holstein 
Geld erhalten, weil er Klagen mit Vergleichen abgeschlossen hat. Der BUND hat 
in seinen Grundsätzen zum Umgang mit Klagen klar geregelt, dass Vergleiche 
nicht geschlossen werden können, wenn im Gegenzug Geld an den BUND fließt. 
Sollte es zu einem Vergleich kommen, werden mit dem Geld ausschließlich 
Projekte des Naturschutzes gefördert.

An zwei Beispielen zeigen wir, wie leichtfertig Panorama mit den Fakten umgeht.

1. Flughafen Lübeck-Blankensee

2005 stoppte auf Antrag von NABU und BUND ein Gericht den Ausbau, der 
ökologisch hoch sensible, EU-rechtlich geschützte Gebiete gefährdete. Nach 
Verhandlungen mit der Flughafen Lübeck GmbH und der Stadt schlossen NABU und 
BUND eine Mediationsvereinbarung zur Beilegung des Rechtsstreits. Im Ergebnis 
wurden der Planfeststellungsbeschluss aufgehoben, geschädigte Flächen 
renaturiert und die "Stiftung Grönauer Heide" zum Naturschutz in der Lübecker 
Region gegründet. Der Flughafen zahlte für bereits geschehene Eingriffe 
1.250.000 Euro in die Stiftung und bringt wie die Stadt Lübeck Flächen für 
Kompensationsmaßnahmen ein. Ausgleich und Ersatz für die Eingriffe in die Natur 
gehen dabei weit über das rechtlich Gebotene hinaus. Die geplante Verlängerung 
des "Rollweges C" in ein Schutzgebiet wurde aufgegeben, die Verlängerung von 
Start- und Landebahn von 240 Meter auf 95 Meter gekürzt, Parkflächen wurden auf 
weniger sensible Ackerflächen verlegt. All dies sind erhebliche zusätzliche 
Leistungen für den Naturschutz, ihr Volumen erreicht rund zehn Prozent der 
Investitionssumme. Gegenstand der Mediation waren ausschließlich die 
beklagbaren Naturschutzbelange, nicht Lärm- und Klimaschutz oder 
Luftverkehrsaspekte. Es lag rechtlich nicht in der Macht der Verbände, den 
Betrieb des Flughafens und einen Ausbau generell zu verhindern. Die 
grundsätzlichen Vorbehalte der Naturschutzverbände gegen den Billigflugverkehr 
bleiben bestehen.

Mehr Informationen:
http://www.bund-sh.de/?id=7055&tx_ttnews[tt_news]=12351&tx_ttnews[backPid]=7019 

2. Beispiel: Windpark Nordergründe

2007 legte der BUND wegen der Gefährdung wildlebender Vogelarten Rechtsmittel 
gegen die Windparkplanung ein. 2011 kam es zu einem Vergleich: Ergebnis war 
u.a. ein umfangreiches Monitoringprogramm zur Erfassung möglicher Kollisionen 
von Zugvögeln mit den Windrotoren. Dies soll bei künftigen Planungen die 
Beurteilung der Auswirkungen von Offshore-Windparks verbessern. Die "Stiftung 
Naturlandschaft" – und nicht der BUND – bekommt 20 Prozent des Ersatzgeldes 
dieses Vergleichs. Mit diesem Geld werden die Erhaltung und Stärkung der 
Populationen von See- und Küstenvögeln sowie die Entwicklung von 
Rastmöglichkeiten von Zugvögeln im Küstenstreifen gefördert.

Mehr Informationen:
http://www.bund-niedersachsen.de/?id=5922&tx_ttnews[tt_news]=15510&tx_ttnews[backPid]=5887

Es ist bedauerlich, dass in dem Beitrag diese Fakten nicht berücksichtigt 
wurden – und die ZuschauerInnen auch nicht erfuhren, was der BUND mit dem 
Vergleich erreicht hat und dass er Geld für die rechtlichen 
Auseinandersetzungen ausgegeben – statt erhalten – hat. Vom NDR waren wir in 
der Vergangenheit sorgfältigere Beiträge gewohnt.

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http://www.nabu.de/themen/naturschutz/naturschutzindeutschland/14706.html

NABU - 15.03.2012

Keine „Tauschgeschäfte“ Geld gegen Klageverzicht

„Panorama“-Vorwürfe halten einer Überprüfung nicht stand

Die Welt ist einfach schlecht. Wirklich trauen kann man keinem, auch den 
Umweltverbänden nicht. Ob WWF, BUND oder NABU, alle sind sie nur hinter dem 
Geld her. So jedenfalls lautet der Tenor des Beitrages „Geld statt Widerstand – 
wie sich Umweltverbände kaufen lassen“ im ARD-Magazin „Panorama“.

„Immer wieder zahlen Firmen für geplante Großprojekte Geld in eine 
Umweltstiftung und die Verbände verzichten im Gegenzug auf eine Klage“, heißt 
es in der Anmoderation. Im Filmbeitrag werden dann konkrete Projekte genannt: 
der Offshore-Windpark Nordergründe, die Emsvertiefung zugunsten der Papenburger 
Meyer-Werft und der Ausbau des Lübecker Flughafens.

Die Vorwürfe sind nicht neu. Schon im vergangenen Sommer hatte Autorin Mareike 
Burgschat im NDR-Regionalfernsehen die Umweltverbände dafür kritisiert, dass 
diese sich im Zuge von Großprojekten auf Ausgleichsmaßnahmen einließen statt 
vor Gericht zu klagen. Doch weder die Wiederholung, noch der Sprung vom dritten 
ins erste Programm ändern etwas daran, dass Burgschats Behauptungen und 
Schlussfolgerungen falsch sind.

An zwei der angeführten Verfahren war der NABU beteiligt, beim leider 
vergeblichen Kampf gegen die Emsvertiefung in Niedersachsen und bei den 
Auseinandersetzungen um den Flughafen Lübeck in Schleswig-Holstein. „In den 
letzten beiden Jahrzehnten wurden nur zwei von 21 unserer Klagen mit einem 
gerichtlichen Vergleiche abgeschlossen – und ausschließlich zum Nutzen der 
Natur, nicht zum finanziellen Vorteil des Verbandes“, betont Ulrich Thüre vom 
NABU Niedersachsen. „Das Beispiel der Emsvertiefung trifft erst recht nicht zu, 
da hier keine Firma Geldbeträge gezahlt und auch kein Klageverfahren gegen ein 
Unternehmen geführt wurde.“

Auch beim Flughafenausbau in Lübeck gab es keine Geldzahlung, um eine Klage 
fallen zu lassen. Naturschutzverbände, Flughafengesellschaft und Stadt Lübeck 
einigten sich im Streit um den Flughafen nach einjährigen Verhandlungen im 
Februar 2008 mit der Unterzeichnung einer Mediationsvereinbarung. Alle 
Beteiligten habe diese unter fachanwaltlicher Beteiligung entstandene 
Vereinbarung gezeichnet: mit einem für die Natur überaus akzeptablem Ergebnis. 
„Grundlage der Vereinbarung ist, dass für den Naturschutz mehr erreicht wird, 
als dies durch eine Klage möglich wäre“, betont Ingo Ludwichowski vom NABU 
Schleswig-Holstein.

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Vertiefende Beiträge zum Thema

Dem Fluss wieder auf die Beine helfen: Hintergründe und Entstehungsgeschichte 
des Emsfonds

Emsfonds – wie funktioniert denn das? Unser Hintergrundbeitrag stellt 
Entstehungsgeschichte und Struktur des Emsfonds dar. Wir möchten damit 
Missverständnisse ausräumen und Vorwürfen entgegentreten, der NABU ließe sich 
in irgendeiner Form sein Klagerecht „abkaufen“. 

Mehr: http://niedersachsen.nabu.de/aktionen/unterems/14549.html 


Wo sich auch „Panorama“ irrt: Mareike Burgschat und Jörg Hilbert versuchen sich 
erneut an Vorwürfen gegen Naturschutzverbände

Ob eine Klage erfolgreich geführt werden kann, gehört wie die Abwägung für oder 
gegen eine Mediation für Naturschutzverbände zu den schwierigsten 
Fragestellungen. Doch verrät der NABU dabei Naturschutzziele, wie das 
ARD-Magazin „Panorama“ zu belegen versucht? 

Mehr: http://schleswig-holstein.nabu.de/projekte/verbandsbeteiligung/14530.html 

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