http://www.pressetext.com/news/20120601019

Peak Oil: "Europa steckt in Zwangsjacke"

ASPO-Tagung in Wien sieht großes Marktpotential für Energiewende

Wien (pte/01.06.2012/13:30) Auf dem internationalen Peak-Oil-Kongress der
Association for the Study of Peak Oil & Gas (ASPO) [1] in Wien haben
Experten die Möglichkeiten und Folgen der Energiewende diskutiert. Auch wenn
die Richtung immer eindeutig scheint, spiegeln mitunter Ausführungen nahezu
gegenteilige Meinungen wider. "Wir diskutieren ein in der Tat flüssiges
Problem", erklärt ASPO-Gründer und Buchautor Kjell Aleklett gegenüber
pressetext. Eines, das die Erde sogar spalten könnte.

Schwarz-Weiß-Malerei unseriös

Theoretisch und im Kleinen sei vieles möglich, zeigt sich der
Tagungspräsident keineswegs als Erdöl-Gegner. "Die Frage stellt sich immer,
geht es auch im großen Stil und für alle", sagt Aleklett. So sei etwa der
Kerosintreibstoff für Flugzeuge nicht zu ersetzen. Generell sei eine
"Schwarz-Weiß-Malerei" im Energiebereich abzulehnen. "Wer von Energiewende
spricht, hat meist falsches Zahlenmaterial und denkt nur an Elektrizität -
nicht an Transportenergie", meint Aleklett.

Dem Experten der Universität Uppsala [2] nach ist dies auch ein großes
Demokratie-Problem. Die erdölreichen Staaten wie Saudi Arabien, Russland
oder der Iran seien allesamt wenig demokratisch, Europa hingegen gänzlich
von deren Erdölvorkommen abhängig. "Europa steckt in einer Zwangsjacke, den
Rest kann man sich denken", findet der Schwede. Öl sei immer schon ein
Kriegsgrund gewesen, weshalb der Experte Europa zu einer massiven Umrüstung
auf Elektrizität rät - selbst im Transportsektor.

Energiewechsel birgt Marktpotenzial

So ein "totaler Energiewechsel" ist auch für Peter Droege von der
Universität Liechtenstein [3] unabdingbar, bislang aber politisch und wegen
starker Lobbys gescheitert. Noch immer werde Energie vielerorts
verschwendet. "Völliger Unfug" sind für Droege alle Szenarien einer
Unwirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien. So ließe sich allein durch
Windkraft der fünf- bis siebenfache Energiebedarf der Erde decken. "Das
Sinnvollste ist, wenn Städte wie im Beispiel Güssing eine Energieautarkie
anstreben", bleibt der Experte optimistisch.

"Jede Volkswirtschaft ist gut beraten, ins Energiesparen zu investieren",
weiß Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung [4].
Dazu gäbe es ein ganzes Portfolio an Möglichkeiten, von erneuerbaren
Energien über entsprechende Mobilität bis hin zu nachhaltiger
Abfallwirtschaft sowie Wärmedämmungen. "Die gute Nachricht lautet", so
Kemfert: "Es gibt ein großes und weltweites Markpotenzial." Für Europa sei
zunächst ein einheitlicher Strommarkt angesagt.

Energie aus Biomasse wie Pellets hält Christian Rakos, Präsident des
European Pellets Council [5], bereits für höchst konkurrenzfähig. Die
Nachfrage steige jährlich um 20 Prozent, bis 2015 auf rund 20 Mio. Tonnen.
"Bei einem Energieverbrauch von zwölf Prozent in der Produktion aus
nachwachsendem Holz fällt pro Jahr und Haushalt nur ein Kilogramm Asche an",
so Rakos. Der Umstieg von Heizöl auf Pellets würde in besagten Haushalten
die Heizkosten halbieren. Auf einer Anbaufläche von zehn Mio. Hektar, was
der Größe Ungarns entspricht, könnte der gesamte Energiebedarf Europas
gedeckt werden, ist Rakos abschließend überzeugt.

[1] http://peakoil.net
[2] http://www.fysast.uu.se/ges
[3] http://uni.li/tabid/264/id/23149.67/default.aspx
[4] http://tinyurl.com/dyv4waj
[5] http://pelletcouncil.eu

[ Foto ] ASPO-Gründer Kjell Aleklett präsentiert bei der ASPO-Tagung in Wien
sein neues Buch "Peeking at Peak Oil".
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