http://www.umweltbriefe.de/docs/aktuell/Titel.html [*]
UmweltBriefe - 05.07.2012 Lasst Lupinen sprießen von Tim Bartels Wieviel bleibt von der angestrebten Pflicht zum „Greening“ in der Eurpäischen Landwirtschaft am Ende der Verhandlungen noch übrig? Das wird sich erst Ende dieses Jahres zeigen, wenn die Vorschläge des EU-Kommissars Dacian Cioloş zur künftigen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP 2014 bis 2020) dann zwei Jahre lang in die Mangel genommen wurden. Nun ist die Debatte in eine entscheidende Phase getreten. Der Agrarausschuss des EU-Parlaments hat die Änderungen des Berichterstatters am 19. Juni entgegengenommen. Einen Tag zuvor trafen sich die EU-Agrarminister. Die dänische Ratspräsidentschaft legte einen Fortschrittsbericht zur Agrarreform vor. Das EU-Parlament darf, anders als für die vergangenen Agrarreformen, erstmals mitentscheiden. Da lässt es sich der agrarpolitische Sprecher der EU-Grünen, Martin Häusling, nicht nehmen, den aktuellen Stand der Vorschläge als „sehr unambitioniert“ zu kritisieren. Grund: Das Greening, „wie es der Kommissar vorgeschlagen hat, soll nicht verpflichtend sein, sondern freiwillig“. Das bedeutete: Will ein Bauer weder Dauergrünland noch Dreifruchtfolge auf mindestens 30 Prozent der Fläche noch sieben Prozent seines Ackers ökologisch bewirtschaften, muss er auf 30 Prozent der Direktzahlungen aus Brüssel verzichten. Ein Energielandwirt, der seine Monokultur energetisch verwertet und dafür Vergütungen einstreicht, wird das verschmerzen können. Die Grünen im EU-Parlament fordern daher die drei Umweltmaßnahmen als bindende Auflage, ohne die keinerlei Geld aus der ersten GAP-Säule ausgezahlt werde. „Skandalös“ findet Häusling auch den Vorschlag des Berichterstatters, Bauern eine Prämie von 35 000 Eur zahlen zu wollen, wenn sie ihre landwirtschaftliche Tätigkeit aufgäben. „Wir wollen doch nachhaltige Landwirtschaft fördern“, sagt Häusling, „und nicht den Ausstieg aus der Landwirtschaft.“ Damit würde das von der Kommission geforderte spezifische Programm für Kleinbauern unterminiert. Demnach gelten die Umweltauflagen erst ab einer Flächengröße von 20 Hektar. Damit seien ohnehin bereits 50 Prozent der Betriebe in der EU vom Greening ausgenommen, so Häusling. Der Deutsche Bauernverband (DBV) und Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner lehnen die geplante Festschreibung von sieben Prozent ökologischer Vorrangfläche auf Ackerland entschieden ab. Laut DBV wären hierzulande 600 000 ha davon betroffen. Eine solche gigantische „Flächenstilllegung“, sagt Aigner, könnten sich deutsche Bauern nicht leisten. Dagegen argumentieren die Greening-Befürworter, dass mit der ökologischen Vorrangfläche nicht zwingend die Brachlegung des Ackers gemeint sei, sondern allein die Pflicht, dort weder zu spritzen noch zu düngen – ein Anbau sei durchaus erwünscht. Zum Beispiel eine bodenverbessernde Fruchtfolge mit Eiweißpflanzen, auch Leguminosen genannt. Der Anbau von Eiweiß-Hülsenfrüchten wie Bohne, Erbse, Luzerne, Klee oder Lupine ist in der EU in den vergangenen zehn Jahren stark zurückgegangen. „Nur noch ein Bruchteil des Eiweißfutters für die Tierproduktion wächst heute in der EU“, heißt es in einer Studie, die der EU-Abgeordnete Häusling in Auftrag gegeben hat: „Die EU ist zu 80 Prozent von Sojaimporten abhängig.“ Nur noch auf drei Prozent der EU-Ackerfläche würden Leguminosen angebaut, in Deutschland gar nur noch auf knapp einen Prozent. Die Futtermittel stammen aus den USA und Südamerika. Dort „werden auf 20 Millionen Hektar Eiweißpflanzen für die europäische Tierproduktion angebaut“. Als „Landgrabbing mit Messer und Gabel“, bezeichnet das die Studie. Dabei haben Leguminosen als Haupt- oder Zwischenfrucht wohltuende Wirkung auf Boden, Artenvielfalt und Klima. Sie fixieren aus der Luft Stickstoff und verringern somit den Einsatz mineralischer Dünger. Zudem erhöhen sie die Qualität der Folgefrucht, da bei der Ernte ein Großteil des Strohs und alle Wurzeln auf dem Feld zurückbleiben. Doch dieses Wissen um eine nachhaltige Fruchtfolgeplanung ist in der EU weitgehend verlorengegangen. Die kommende GAP-Reform soll das nun wieder einführen und mit Zusatzzahlungen fördern, fordert Häusling, „um die Abhängigkeit Europas von nicht nachhaltig produzierten Futtermitteln zu reduzieren“. Die Studie 'Artenvielfalt statt Sojawahn' als PDF unter http://martin-haeusling.eu/attachments/137_Proteinbroschuere_Haeusling_05sep11_klein.pdf Eine weitere Studie im Auftrag Häuslings über das weltweite Landgrabbing (25 S.) als PDF unter http://www.martin-haeusling.de/attachments/201_BroschuereLandgrabbing_Download.pdf Europäisches Parlament, Die Grünen/EFA Martin Häusling, Rue Wiertz 60, B-1047 Brüssel Fon 0032/2/28-45820, Fax -49820, [email protected] ----------------------------------------------------------------------- [*] Dauerhafter Link ab 19.07.2012: http://www.umweltbriefe.de/docs/ub_13_12/Titel.html _______________________________________________________________________ ++ Weitergeleitet durch DNR Redaktionsbüro Fachverteiler für Mitgliedsverbände ++ Veröffentlichungsrechte bei den AutorInnen ++ Bitte insbesondere nicht auf Webseiten stellen ++ Bitte nur in eigener Organisation weiterleiten ++ Fachverteiler abbestellen: mailto:[email protected]?subject=keine-mails ++ Weitere Umwelt-Infodienste: www.dnr.de/umweltinfo ++ Umweltpolitische Monatszeitschrift: www.dnr.de/umwelt-aktuell ++ Bitte prüfen Sie, ob diese E-Mail wirklich ausgedruckt werden muss. Danke! ++ _______________________________________________ Pressemeldungen mailing list [email protected] https://lists.wikimedia.org/mailman/listinfo/pressemeldungen
