Mecklenburg-Vorpommern News
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02.06.2013 

ALDI-Billigfleisch unter zynischem Namen „Bauernglück“

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft für Abbau ruinöser Überschüsse
durch Bewegung „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ 

Bienenbüttel/MVPO - Die am Samstag als „dauerhaft“ angekündigten
Preissenkungen des ALDI-Konzerns für 18 Fleischprodukte bewertet die
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) als weiteres
besorgniserregendes Anzeichen dafür, dass bei anhaltender
Überschuss-Produktion von Geflügel- und Schweinefleisch die Erzeugerpreise
für die landwirtschaftlichen Tierhalter weiter ruinös niedrig bleiben
dürften. 

Die AbL bezeichnete es als „inakzeptablen Zynismus“, dass ALDI diese
Billigst-Angebote immer noch unter der Marke „Bauernglück“ vermarkte. Seit
längerer Zeit, so der niedersächsische AbL-Vorsitzende Ottmar Ilchmann,
reichten die Erzeugerpreise bei fast allen Tierhaltern nicht mehr zur
Deckung der gestiegenen Kosten. Der Handel nutze dabei die von den
Schlachtkonzernen angeheizte Überschuss-Situation zu Lasten der allermeisten
Landwirte aus.

Im Schweine-Sektor liege die Ursache in einer anhaltenden Überproduktion von
20 Prozent, die von den Schweine-Schlachtkonzernen im Rahmen ihrer
unsinnigen Weltmarkt-Orientierung angeheizt werde. Das zu deutschen Kosten
erzeugte Fleisch müsse bei der Belieferung Russlands und Chinas mit Fleisch
aus Brasilien und den USA konkurrieren, welches wegen geringerer Standards
und Kosten etwa ein Drittel billiger angeboten werde. Die AbL unterstützt
zudem die scharfe Kritik des Schweinehalter-Verbunds ISW/ISN an
„Preisdiktat“, „Abzocke“ und „Marktmanipulation“ bei den
Schlachtunternehmen. Tönnies, VION, Westfleisch und Danish Crown hätten
bereits einen Marktanteil von 60 Prozent.

Im Hähnchen-Sektor beruhten die ruinösen Erzeugerpreise auf einem
langandauernden Verdrängungskampf der vier Schlacht- und
Futtermittel-Konzerne Wesjohann (“Wiesenhof“), Sprehe (Astenhof“),
Rothkötter und Plukon („Friki“), dessen Kosten auf die abhängigen
Vertragsmäster abgewälzt würden.

Die AbL forderte Bauernverband und Tierhalterverbände auf, endlich eine
Strategie für kostendeckende und faire Erzeugerpreise zugunsten der Mehrheit
der bäuerlichen Tierhalter zu entwickeln. Eine Stärkung der Marktposition
der Landwirte sei nur möglich, wenn das ruinöse Überangebot aus
agrarindustriellen Strukturen und die Abhängigkeit der Mäster abgebaut
würden. Dies sei mit gesellschaftlicher Akzeptanz möglich, wenn man die
Einschränkung gewerblicher Großmastanlagen durch die jüngste Novelle des
Bundesbaugesetzbuchs nun auch auf sämtliche Ställe mit mehr als 1.500
Schweinemast-, 560 Sauen- und 30.000 Masthühnerplätzen ausweite. Zudem
müssten die von der EU eingeforderten Tierschutzstandards, die von
Bauernhöfen und nicht von Agrarfabriken umsetzbar seien, endlich auch in
Deutschland und in der gesamten EU umgesetzt werden.

Es sei es sträflich, wenn manche Agrar-Verbände ihre Schönfärberei der
Agrarfabriken und der „Wertschöpfungs-Partnerschaften“ mit den
Schlachtereien immer noch fortsetzten. Die AbL rief alle
mittelständisch-bäuerlichen Tierhalter auf, sich verstärkt an der
gesellschaftlichen Bewegung „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ zu beteiligen
und dort ihre Interessen auch gegenüber der Agrarindustrie aktiv
einzubringen.

MVPO News red/han




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