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Mochovce: Von wegen Baustopp

In der Kernkraftszene brodelt es. Genauer gesagt, es sind die NGOs, die für
Aufsehen sorgen. Resistance for Peace wirft Greenpeace vor, mit falschen
Jubelmeldungen den Baustopp von Mochovce einzuläuten. Nicht die
Baugenehmigung wurde aufgehoben. Greenpeace ist raus aus dem
Genehmigungsverfahren

28.08.2013 | von Thomas WINKLER für EU-Infothek

Bürobesetzung bei Greenpeace Wien (CEE). Der Grund dafür ist die
Jubelmeldung vom 21. August, mit welcher Greenpeace stolz den angeblich
größten Erfolg der letzten 10 Jahre feierte. Doch die Freude war von kurzer
Dauer. Resistance for Peace wollte es genau wissen. Die Recherchen werfen
ein doch etwas schräges Licht auf Greenpeace, sogar von einer verlogenen
Anti-Atompolitik ist die Rede. Von wegen sofortiger Baustopp von Mochovce 3
und 4, da haben die übereifrigen Greenpeace-Leute das Urteil des
slowakischen OGH nicht ganz verstanden. Besagtes Urteil nämlich bezieht sich
ausschließlich auf einen Teilbereich des Genehmigungsverfahrens, bei dem es
lediglich um die Parteienstellung von unter anderem Greenpeace ging, es
handelt sich um Bescheid Nr. 79/2009 [1] der slowakischen
Nuklearaufsichtsbehörde UJD. Die allgemeine Baugenehmigung jedoch wurde beim
OGH erst gar nicht behandelt. Zudem kommt, dass bei Greenpeace International
bekannt war, das Mochovce-Betreiber Enel auf jeden Fall weiter bauen wird.
So die Darstellung der Besetzer.

UJD hebelt Gerichtsurteil aus

Vom falschen Datum des Urteils einmal abgesehen geht es sichtlich um eine
gewollte Vortäuschung falscher Tatsachen, die Greenpeace trotz Abratens von
Juristen publizierte. Doch spätestens hier sind erste Diskrepanzen
erkennbar, wie sich in Folge herausstellt. Resistance for Peace bezeichnet
es gar als Täuschung der Medienvertreter und SpenderInnen, der Vorwurf
betrifft auch Global 2000. Per 21. August nämlich wurde die partielle
Aufschubwirkung des OGH-Urteils durch UJD übrigens ganz offiziell außer
Kraft gesetzt. Somit war es amtlich, dass es keinen Baustopp gibt.
Greenpeace und Global 2000 wussten, so wird behauptet, dass selbst
Höchstgerichtsurteile kein Tabu für die slowakische Atombehörde sind und
kurzerhand aufgehoben werden können.

Spendenmail auf Scheinerfolg

Was Resistance for Peace besonders ärgert ist die Unverfrorenheit, mit
welcher die Greenpeace-Leute unmittelbar nach dem europaweit zelebrierten
Scheinerfolg um Spenden aufrufen. Die Obfrau der Antiatom Szene Linz, Elvira
Pöschko, ist erbost, es handelt sich hier um einen unentschuldbaren
Vertrauensbruch gegenüber den Unterstützern von Greenpeace. Zudem wird das
tatsächliche Verhindern des Ausbaus in Frage gestellt. Von einem Sieg gegen
die Atomlobby kann jedenfalls keine Rede sein. Greenpeace Wien wird
unseriöse Arbeit vorgeworfen, ebenso eine „Packelei“ mit der
österreichischen Bundesregierung. Geht es hier um Wahlkampfhilfe?

Resistance for Peace kritisiert Antiatom-Politik

Die NGOs bringen ein Geheimhalteabkommen über Mochovce 3 und 4 zur Sprache,
demzufolge keine Details über die Schrottmeiler veröffentlicht werden
dürfen. So soll vorsorglicherweise auf eine druckfeste Schutzhülle
verzichtet werden. Dabei kommt eine mittlerweile leicht verstaubte
Baugenehmigung aus 1986 zur Geltung, denn anders wäre ein Ausbau von Amts
wegen niemals möglich. Doch wie verstrahlt müssten NGOs wirklich sein, um
solche brisanten Tatsachen in den Mantel des Schweigens zu hüllen? Die
Vorwürfe von Resistance for Peace lassen jedenfalls nur erahnen, dass hier
einiges im Argen liegen könnte, zumal diese ein
EU-Vertragsverletzungsverfahren der österreichischen Bundesregierung gegen
die Slowakei vermissen. Für die Taten von Umweltminister Berlakovich hagelt
es heftige Kritik, die Antiatom-Show von Rot und Schwarz steht am Pranger,
die Falschmeldungen sollen über die Untätigkeit der Regierung
hinwegtäuschen. Auffällig jedenfalls ist auch der Zeitpunkt der
Veröffentlichung der strittigen Jubelmeldung kurz vor den Wahlen. Resistance
for Peace jedenfalls sieht darin einen Gefälligkeitsdienst für die
österreichische Regierung, womit Greenpeace und Global 2000 zusehends in die
Position von Steigbügelhaltern abgedrängt werden. Das klingt ganz nach
Vertrauensverlust, während Regierung und Grüne profitieren und die positiven
Meldungen auch dem ohnehin leicht angeschlagenen Umweltminister sehr zugute
kommen. So zumindest aus Sicht der Bürobesetzer. Die Antiatom Szene
jedenfalls erklärt sich mit diesen solidarisch.     

NGOs im Clinch: Sind alle verstrahlt?

Wenn Pressemeldungen zu einem Thema einen teils recht unterschiedlichen
Wahrheitsgehalt aufweisen, der von der bitteren Realität auf der einen Seite
bis hin zur fetten Zeitungsente am untersten Ende der Skala variiert, so
liegt selten nur ein einfaches Missverständnis vor. Sprachliche Barrieren
wie im vorliegende Fall liefern zugegeben eine weitere Fehlerquelle, welche
das Verifizieren der Botschaft nicht unbedingt erleichtert. Wenn besagte
Botschaften schließlich auf Homepage und via Socialmedia einer breiten
Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, steckt System dahinter, das steht
fest. Selbst die teils unterschiedliche Laufzeit einer Nachricht bis hin zu
jenem Zeitpunkt, an welchem diese den Empfänger erreicht, vermag daran
nichts zu ändern. NGOs sind auf die Medienpräsenz ebenso angewiesen wie auf
Spenden, das steht fest. Der Wahrheitsgehalt zählt.

Was meint Greenpeace?

"Nachdem wir von unserem großen Erfolg vor dem slowakischen Höchstgericht
erfahren haben, haben wir die Medien und unsere Unterstützer informiert. Für
uns war zu diesem Zeitpunkt klar: Der Bau muss gestoppt werden. In den
darauf folgenden Stunden überschlugen sich die Ereignisse und die
Atombehörde entschied, dass wegen 'dringendem öffentlichen Interesse' der
Bau während der Neuauflage des Verfahrens nicht vorübergehend gestoppt
werde. Wir informierten die Öffentlichkeit auch über diesen Bescheid. Die
Fertigstellung des AKWs muss verhindert werden" - so das aktuelle Statement
von Greenpeace in Wien. Die Informationskette hat eben ihre Tücken.

[1] http://tinyurl.com/pwd8a6a 




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