Forschungsstelle für Energiewirtschaft
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Energiewende vergisst Wärme und Verkehr

München, 25. September 2013

Das deutsche Projekt „Energiewende“ war bereits vor der Bundestagswahl eines
der beherrschenden Themen in der letzten Legislaturperiode. Im Wahlkampf
wurden bestimmte Einzelthemen zugespitzt, um griffige Wahlkampfaussagen zu
generieren. Die Herausforderungen beim Umbau der Energiewirtschaft bleiben
jedoch bestehen und müssen nun in der kommenden Legislaturperiode bewältigt
werden.

In Abbildung 1 sind die Erfolge der Energiewende hin zu höheren
regenerativen Anteilen der letzten drei Jahre dargestellt. Eine Stromwende
ist bereits sichtbar - von einer „Wärmewende“ oder auch „Mobilitätswende“
kann jedoch angesichts stagnierender regenerativer Anteile von 10,4 bzw. 5,5
% nicht gesprochen werden.

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Abbildung 1
http://tinyurl.com/og2smaz
Endenergiebereitstellung in TWh nach Sektoren und regenerative Anteile 2010
bis 2012 [1]
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Insbesondere im Wärmesektor mit einem Anteil von über 53 % am
Endenergieumsatz bleiben die regenerativen Anteile unverändert. Die Ursache
hierfür liegt hauptsächlich in der niedrigen Modernisierungs- und noch
niedrigeren Neubauquote im Gebäudebestand von jeweils unter 1 % pro Jahr.
Nimmt man das Ziel der Wärmewende mit einer Reduktion um 80 % der fossil
getragen Wärmebereitstellung im Gebäudesektor bis zum Jahre 2050 ernst,
müssen verstärkt Maßnahmen für den Gebäudebestand ergriffen werden. Neben
der Verbesserung der Gebäudehülle kommt der dezentralen regenerativen
Wärmebereitstellung im Gebäudesektor eine Schlüsselrolle zu.

In einer Arbeit an der Forschungsstelle für Energiewirtschaft [2] wurde zum
Beispiel das Potenzial der solarthermischen Wärmebereitstellung im
Gebäudesektor mit einer Wohneinheit aufgezeigt. Die Ergebnisse zeigen
technische Reduktionspotenziale von bis zu 25 % des Wärmeverbrauchs für
diesen Bereich - aktuell liegt der solarthermisch gedeckte Anteil unter 2 %.
Im Gegensatz zur viel diskutierten photovoltaischen Wärmebereitstellung
können 2 bis 4-fach höhere Flächenerträge erreicht werden; weiterhin werden
die Stromnetze in Zeiten geringer Einstrahlung und erhöhtem Wärmebedarf der
Gebäude nicht auch noch zusätzlich belastet.

Schafft es die neue Bundesregierung, im Verkehrs- und insbesondere im
dominierenden Wärmesektor Erfolge zu erzielen, darf man der „deutschen
Energiewende“ eine Vorbildfunktion auf breiter Ebene in Europa zusprechen.
Beschränkt sich die Umsetzung jedoch weiter ausschließlich auf den
Stromsektor mit seinem Anteil von weniger als 23 % im Energiemix, muss man
sich am Ende vorwerfen lassen, die Energiewende einseitig vorangetrieben zu
haben.

Quellen:

[1] Zeitreihen zur Entwicklung der erneuerbaren Energien in Deutschland,
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU),
Berlin 2013; Download:
http://tinyurl.com/ko426ww

[2] Corradini, Roger: Regional differenzierte Solarthermie-Potenziale für
Gebäude mit einer Wohneinheit - Dissertation an der Fakultät für
Maschinenbau der Ruhr-Universität Bochum. Herausgegeber: Forschungsstelle
für Energiewirtschaft e.V. (FfE), München 2013; ISBN 978-3-941802-26-1;
ISBN-A 10.978.3941802/261; Download: 
http://www.ffe.de/publikationen/dissertationen/464

Mitarbeiter: 
Dr.-Ing. Dipl.-Phys. Roger Corradini http://tinyurl.com/pre2tsr
Dipl.-Ing. Manuel Sutter http://tinyurl.com/ndzapfg




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