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From: Andreas Riekeberg <[email protected]>
Sent: Thursday, October 03, 2013 4:36 PM
To: PM_Biopiraterie
Subject: [PE Saatgutkampagne] PM: Deutsche EU-ParlamentarierInnen
kritisieren Vorschlag für Saatgutgesetz

Kampagne für Saatgut-Souveränität

An die deutschen Medien


Erste Beratungen im EU-Agrarausschuss:
Deutsche EU-ParlamentarierInnen kritisieren Vorschlag für Saatgutgesetz 

Die Kampagne für Saatgut-Souveränität sieht sich in ihrer Kritik am
Saatgutgesetzesvorschlag der EU-Kommission durch die Statements der
deutschen Abgeordneten im Landwirtschaftsausschusses des EU-Parlamentes
bestätigt. 

In dessen Sitzung am Montag, dem 30.9. [1], ergriffen die deutschen
Abgeordneten Martin Häusling (Grüne), Ulrike Rodust (SPD) und Britta Reimers
(FDP) das Wort. Sie kritisierten insbesondere die dadurch zu befürchtende
weitere Konzentration am Saatgutmarkt und die Unbestimmtheit des
Gesetzesvorschlags, und sie fragten nach der Freiheit für die Kleinerzeuger
und nach der Transparenz über Züchtungsmethoden.

Vereinheitlichung fördert Konzentration, nicht die Vielfalt

Martin Häusling betonte die Wichtigkeit der biologischen Vielfalt gerade
auch in der Landwirtschaft, dem werde die Vorlage nicht gerecht. Mit ihrer
Vereinheitlichung von Kriterien für die Saatgut-Zulassung fördere sie den
Trend zu Konzentration im Saatgutsektor. Der Exportmarkt, der von der
Kommission in den Mittelpunkt gestellt werde, werde nicht von kleinen und
mittleren Unternehmen beschickt, sondern von international agierenden
Konzernen. Häusling appellierte an den Berichterstatter Sergio Silvestris
(EVP), dass der interne EU-Markt in den Blick genommen werden müsste und
damit auch viel stärker diejenigen, die biologisches Saatgut und Saatgut von
Erhaltungssorten erzeugten und regionale Märkte beliefern.

Gefragt: Freiheit für die Kleinerzeuger und Transparenz der
Züchtungsmethoden

Ulrike Rodust formulierte in ihrem Beitrag eine Reihe von Anfragen. So sei
unklar, ob der Anwendungsbereich der Gesetzgebung allein für den
kommerziellen Anbau und oberhalb bestimmter Mengen beschränkt bleibt. Nicht
geklärt sei auch die Maximalgröße der Gärtnereien oder der
landwirtschaftlichen Betriebe, für die gelte, dass der Austausch von Saat-
und Pflanzgut unter Landwirten und Gärtnern frei bleibe. Weiterhin fragt sie
nach der Freiwilligkeit der Marktzulassung für traditionell gezüchtete
Sorten ohne Ansprüche geistigen Eigentums wie Sortenschutz und Patente, nach
der Gestaltung der Testverfahren für die Sorten für den Ökolandbau sowie
nach der zukünftigen Organisation der Transparenz bezüglich der verwendeten
Techniken bei der Hybridzucht oder an neuen gentechnikähnlichen
Züchtungsmethoden. Berichterstatter Silvestris stellte in seiner Antwort auf
die Beiträge der Abgeordneten die angefragte schriftliche Beantwortung in
Aussicht.

Delegierte Rechtsakte: wird damit die EU-Kommission zur Übernahme der
Rechtssetzungskompetenz von Parlament und Rat ermächtigt?

Britta Reimers stellte infrage, ob durch die Bündelung aller
Saatgut-Richtlinien in einer einzigen Verordnung wirklich eine Vereinfachung
erfolgt. In der Agrarreform sei die gegenteilige Erfahrung gemacht worden.
Außerdem kritisierte sie scharf die Vielzahl der delegierten Rechtsakte. Die
Gesetzgebung sei ein originäres Recht der Parlamentarier und des
Ministerrates. Es sei zu prüfen, welche der Ermächtigungen für die
Verwaltungsarbeit der Kommission wirklich notwendig seien und welche Regeln
Rechtsarbeit bleiben sollten und damit in der Hand des Parlamentes und des
Rates.

Kritik der Zivilgesellschaft bestätigt

Die Kampagne für Saatgut-Souveränität hatte vor der Sitzung noch einmal auf
kritische Punkte des Verordnungsvorschlages hingewiesen [2]: Erstmals soll
nicht nur die Saatgut-Vermarktung durch das europäische Saatgutrecht erfasst
werden, sondern auch die Erzeugung von Saatgut. Zudem würde die einheitliche
Verordnung in den Mitgliedsstaaten eine wesentlich strengere Wirkung
entfalten als die bisherigen Richtlinien des Saatgutrechtes. Und ein
Grundproblem der Saatgutrechtsreform sei die weiterhin geltende Bevorzugung
des Konzepts der ultra-homogenen und ultra-stabilen „DUS“-Sorten der
Industrie. Dagegen spricht sich unter anderem der offene Brief an die Organe
der EU [3] aus, den mittlerweile in deutscher Sprache über 35.000
BürgerInnen unterzeichnet haben.

Mehr als 20 Organisationen aus 12 EU-Staaten hatten im Juni ein
englischsprachiges „Joint statement“ [4] an die Mitglieder des EU-Parlaments
gerichtet. 

Ein breites Bündnis von deutschsprachigen Saatgut-Organisationen und
Umweltverbänden hatte dann im Juli 2013 eine gemeinsame Erklärung zur Reform
des EU-Saatgutrechts mit dem Titel „Konzernmacht über Saatgut - Nein danke!“
veröffentlicht [5] und darin eine radikale Richtungsänderung der
EU-Gesetzesreform gefordert, denn das Menschenrecht auf vielfältiges Saatgut
und Nahrung stehe auf dem Spiel. 

Die in der Erklärung angesprochenen Punkte sind durch die Statements der
deutschen und anderer Abgeordneter im Landwirtschaftsausschuss des
EU-Parlaments breit bestätigt worden. Nun wird die Frage sein, inwieweit die
Kritik in den Bericht des Berichterstatters Silvestris von der italienischen
Partei Populo della Libertà (PdL) aufgenommen wird und in konkrete
Änderungen des Gesetzesvorschlags einfließt.

Für Rückfragen:
in Deutschland: 
Kampagne für Saatgut-Souveränität 
www.saatgutkampagne.org 
c/o Andreas Riekeberg, Tel. ++49 (0)170-1125764
Email: [email protected]

[1] Abruf des Videostreams möglich von http://tinyurl.com/onnbd6k
Der interessierende TOP 6 wurde behandelt von 16.06 Uhr bis 17.02 Uhr
[2] http://tinyurl.com/ncfz7qj
[3] http://tinyurl.com/pprgwgb
[4] http://tinyurl.com/p679zz5
[5] http://www.eu-saatgutrechtsreform.de 




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