Neue Zürcher Zeitung
http://www.nzz.ch/1.18162834 

Bündelung in der Opposition

Dilma Rousseff droht Konkurrenz

06.10.2023

Brasiliens frühere Umweltministerin Marina Silva ist der Sozialistischen
Partei beigetreten. Die Karten für die Wahlen im kommenden Jahr sind neu
gemischt.

Tjerk Brühwiller, São Paulo

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff dürfte besorgt mitverfolgt haben, wie
sich zwei der momentan populärsten Politiker des Landes zusammengeschlossen
haben, um an den Wahlen im kommenden Jahr gegen sie anzutreten. Am Samstag
gab die frühere Senatorin und Umweltministerin Marina Silva bekannt, sich
dem Partido Socialista Brasileiro (PSB) und damit dessen Präsidenten Eduardo
Campos anzuschliessen.

Zuflucht bei Sozialisten

Der Entscheid Silvas war mit Spannung erwartet worden. Nachdem das Oberste
Wahlgericht am Donnerstag die Registrierung von Marina Silvas neuer Bewegung
Rede Sustentabilidade abgelehnt hatte [1], stand fest, dass für Silva eine
Teilnahme an den Wahlen nur mit einer bestehenden Partei möglich wäre. Nicht
weniger als sieben Parteien sollen um die Gunst Silvas geworben haben. Silva
und die Spitze der Rede verhandelten praktisch pausenlos, und der für
Freitag erwartete Entscheid wurde noch einmal vertagt. Das Dilemma bestand
darin, dass sich Rede stets gegen das bestehende Parteiensystem
ausgesprochen und Silva den Übertritt in eine andere Partei ausgeschlossen
hatte, nur um ihre Kandidatur zu wahren.

Dass Silva sich nun dem PSB anschliesst, kommt überraschend. Nicht nur weil
die Partei etabliert ist und bis vor kurzem der Regierungskoalition
angehörte, die Silva kritisiert. Der PSB hat mit dem Gouverneur von
Pernambuco, Eduardo Campos, auch bereits einen Präsidentschaftskandidaten.
Wer von den beiden als Präsidentschaftskandidat antritt und wer als Vize,
ist noch offen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Silva ihre persönlichen
Ambitionen zurückstellt und Campos den Vorrang lässt. Durch die «Koalition»
ihres Rede mit dem PSB schafft sie jedoch eine Möglichkeit, wie ihre
Anhänger dennoch an der Wahl teilnehmen können. Zahlreiche Politiker, die
sich der Rede von Silva angeschlossen haben, werden nun wie Silva
vorübergehend zum PSB übertreten, um an den Wahlen 2014 teilnehmen zu
können. Die Einbindung hat nicht nur wahltaktische Gründe, da sich die
Programme ähnlich sind. So stehen zum Beispiel beide Seiten der
Wirtschaftspolitik der Regierung äusserst kritisch gegenüber. Campos und
Silva betonten, es handle sich um einen programmatischen und nicht um einen
pragmatischen Zusammenschluss.

Dritte Kraft

Mit der vorübergehenden Einbindung der Rede Sustentabilidade in den PSB und
dem Schulterschluss von Eduardo Campos und Marina Silva ist eine politische
Kraft entstanden, die Präsidentin Rousseff gefährlich werden könnte. Campos
wie Silva sind populär in Brasilien. Silva hatte 2010, als sie für die
Grünen kandidierte, mit mehr als 20 Millionen Stimmen einen zweiten Wahlgang
herbeigeführt. Campos hat seine Wählerschaft vor allem im Nordosten
Brasiliens und ist dort direkter Konkurrent von Rousseffs Partido dos
Trabalhadores (PT). Bei den Kommunalwahlen 2012 war der PT dem PSB in
bedeutenden Städten unterlegen. Die gemeinsame Kandidatur von Silva und
Campos dürfte viele Wähler ansprechen, die mit der Regierung unzufrieden
sind, sich aber nicht mit der konservativen Opposition des Partido da Social
Democracia Brasileira (PSDB) identifizieren können, die mit dem Senator
Aécio Neves antritt. In den letzten fünf Präsidentschaftswahlen war es
jeweils immer zum Duell zwischen PT und PSDB gekommen. Dies könnte sich 2014
ändern.

[1] http://www.nzz.ch/1.18162078




° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° 
Ende der weitergeleiteten Nachricht ° Alle Rechte bei den AutorInnen 
Unverlangte und doppelte Zusendungen bitten wir zu entschuldigen 
Abbestellen: mailto:[email protected]?subject=unsubscribe 


° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° 
Greenhouse Infopool baut um! 
Wir sind jetzt vor allem hier: 

Twitter: 
http://twitter.com/greenhouse_info 

RSS-Feed: 
http://tinyurl.com/greenhouse-feed

Facebook (Beta): 
http://www.facebook.com/mika.latuschek 

Twitter-News per E-Mail erhalten:
https://listen.jpberlin.de/mailman/listinfo/greenhouse-info



_______________________________________________
Pressemeldungen mailing list
[email protected]
https://lists.wikimedia.org/mailman/listinfo/pressemeldungen

Antwort per Email an