Wirtschaftswoche 
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Naomi Klein: “Umweltschützer sind schlimmer als Klimaskeptiker”

Von Thiemo Bräutigam 

04.10.2013 

Der Regisseur und Buchautor Wilfried Huismann hat sich unter Umweltschützern
nicht gerade beliebt gemacht. Erst sein Dokumentarfilm „Der Pakt mit dem
Panda“ und dann noch das „Schwarzbuch WWF“ - in beiden Werken ist sein
Urteil vernichtend: Umweltorganisation verraten ihre Klientel.

Naomi Klein, Umweltaktivistin und Bestseller-Autorin (“No Logo”, “The Shock
Doctrine”), setzt sogar noch einen drauf. In ihrem neusten Buch (noch nicht
veröffentlicht) seziert die Kanadierin das Versagen großer
Umweltorganisationen. Diese haben sich von Industrie-Unternehmen belügen und
korrumpieren lassen, so Klein in einem Interview [1] mit dem Blog Earth
Island Journal. Auch in Vorträgen und Gastartikel äußerte sie sich in den
vergangenen Monaten zum Thema (siehe unten).

Die Naturschutzorganisation WWF klagt sie beispielsweise wegen zweifelhaften
Kooperationen mit der Wirtschaft an. Zu den Partnern gehörten unteranderem
die Ölkonzerne ExxonMobil und Chevron sowie der Tabakkonzern Philip Morris.
Mit der Öl-, Tabak-, und Finanzindustrie unter einer Decke - so lauteten die
Vorwürfe. Aktuell arbeitet die Umweltorganisation zum Beispiel mit Edeka,
Rewe und Danone zusammen. Deren Produkte tragen das Logo mit dem Panda und
werden damit als umweltfreundlich ausgewiesen.

Greenwashing

Statt Widerstand zu leisten und auf Missstände aufmerksam zu machen, würden
Umweltverbände Unternehmen einen grünen Denkmantel umhängen, so Klein.
Naturschützer, die Greenwashing betreiben - diese seien sogar schlimmer als
Klimaskeptiker.

Die Gründe für dieses Versagen sieht Klein bereits in den 1980er Jahren.
Nachdem die Umweltbewegung in den zwei Jahrzehnten zuvor einen Sieg nach dem
anderen errungen habe (Artenschutz, Umweltschutzrichtlinien), verlor sie in
den 80ern mit der Wahl von Ronald Reagan zum US-Präsidenten an Rückhalt.
Reagan, so erklärt es Autorin Klein, sah in der Umweltbewegung eine neue
Form des Kommunismus, den es zu bekämpfen galt.

Damals habe die Ökofront einen entscheidenden Fehler begangen. Statt für
ihre Ideale einzustehen, suchte man die Nähe zu Konzernen, um dort Einfluss
zu üben. Die Autorin beschreibt sie Situation so: „Es heißt heute nicht mehr
`verklagt die Bastarde´, sondern nur noch `arbeitet über gemeinsame
Partnerschaften mit den Bastarden´.“

Der Sündenfall

Als Beispiel nennt sie die Organisationen Sierra Club, National Resources
Defence Council und den Environmental Defense Fund. Sie hätten dem
umstrittenen und umweltzerstörenden Fracking als Brückentechnologie [2]
zugestimmt - in den Augen Kleins der größte Sündenfall in jüngster Zeit. Er
führte zu einem immensen Mitgliederschwund bei den genannten NGOs.

Kleins Abrechnung ist, das muss klar gesagt werden, bei weitem keine Kritik
an allen Umweltorganisationen.  Greenpeace, Friends of the Earth und 350.org
nimmt sie außen vor. Hier gibt es teils sogar Mitgliederzuwächse, vor allem
in Deutschland. Denn es gibt gewaltige Unterschiede zwischen den Verbänden -
vor allem über Länder hinweg. So hat sich beispielsweise der WWF Amerika für
genmanipuliertes Soja ausgesprochen, der deutsche WWF aber dagegen. Die
nationalen Büros sind nicht an die Vorgaben des WWF International gebunden.

Kleins Buch (Titel und Veröffentlichung noch nicht bekannt) verspricht einen
spannenden Einblick in diese Widersprüche. Wahrscheinlich wird es für viel
Gesprächsstoff sorgen. Und vielleicht sogar eine neue
Naturschutzorganisation hervorbringen. Earth First! etwa gründete sich
inspiriert durch Edward Abbeys Buch “The Monkey Wrench Gang” und trägt sogar
den ´monkey wrench`als Logo. 

Wie könnte also die Zukunft des Naturschutzes aussehen? In diesem Video
spricht Naomi Klein über die Notwendigkeit einer Massenbewegung:
http://www.youtube.com/watch?v=olHOFfFtvB0

--

[1] http://www.earthisland.org/journal/index.php/eij/article/naomi_klein/
[2] http://green.wiwo.de/energie-wie-umweltfreundlich-kann-fracking-sein/




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