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31. DEZ 2013 

Monsanto und die Marihuana-Legalisierung in Uruguay

Eine illegale Droge legalisiert man nicht mal so eben. Die Anwendung des
neuen Marihuana-Gesetzes in Uruguay bringt viel Spielraum mit sich. In
Nordamerika gibt es so manch einen, der diesen gerne für sich nutzen würde

Von Alice Kohn, amerika21.de

Still und heimlich, fern des großen Presserummels, hat Uruguays Präsident
José Mujica am 24. Dezember das Gesetz zur Legalisierung von Marihuana
unterzeichnet. Etwas Ruhe sollte einkehren zu einem Thema, dass nicht nur in
Uruguay vehement diskutiert wurde, sondern auch weltweit für Furore sorgte.
Der Durchbruch gelang, als am 10. Dezember 2013 im Senat für das
Marihuana-Gesetz gestimmt wurde. Vor dem Senatsgebäude wurden Fahnen mit dem
Emblem der Cannabispflanze geschwenkt und auch die Weltöffentlichkeit, die
dem kleinen Land sonst wenig Beachtung schenkt, überschlug sich fast vor
Lob. Die Wochenzeitung Economist wählte Uruguay zum Land des Jahres 2013
[1], ihr Gegenstück The Guardian rief gar nach einem Friedensnobelpreis [2]
für Uruguays Präsidenten Mujica. 

Dieser dämpft die Erwartungen. Ein "Experiment ohne Erfolgsgarantie" nennt
Mujica die Marihuana-Legalisierung. Er betont immer wieder, dass es nicht
darum gehe, "Uruguay zu einem Paradies für Kiffer zu machen", sondern dass
illegalen Drogenbanden das Marihuana-Geschäft entrissen werden soll. Besitz
und Konsum von Marihuana sind in Uruguay schon länger erlaubt, mit dem neuen
Gesetz soll nun Anbau und Verkauf legalisiert und durch den Staat
kontrolliert werden. Niedrige Preise sollen illegale Marihuana-Händler vom
Markt verdrängen. Uruguay schafft damit als erstes lateinamerikanisches Land
eine Alternative zu dem seit US-Präsident Nixon praktizierten "Krieg gegen
Drogen", der nicht nur erfolglos ist, sondern dem Kontinent seit Jahrzehnten
Gewalt und Mord beschert. 

Wie funktioniert es nun? 

Doch eine illegale Droge legalisiert man nicht mal so eben. Die Anwendung
des Gesetzes wirft Fragen auf. 

Wer darf Marihuana konsumieren? 

Jeder Staatsbürger, der über 18 Jahre alt ist, ist berechtigt, Marihuana zu
kaufen. Er muss sich dazu vorher bei einer staatlichen Datenbank
registrieren. So soll der Cannabis-Konsum jedes einzelnen Bürgers gemessen
und kontrolliert werden. Kritiker des Marihuana-Gesetzes mokieren, dass
Menschen durch die Registrierung abgeschreckt werden und doch wieder auf den
Schwarzmarkt zurückgreifen. Weiterhin stell sich die Frage, ob der Konsum
von Marihuana auch während der Arbeit erlaub ist? Dürfen etwa Piloten,
Busfahrer und Polizisten Gras rauchen? Dies und viele andere Einzelheiten
sind noch zu klären. Zudem soll ein Wissenschaftsrat gegründet werden,
welcher den Legalisierungsprozess und seine Folgen beobachtet und eventuell
Veränderungen vorschlägt. 

Wer darf Marihuana verkaufen? 

Laut dem Generalsekretär des Nationalen Drogenrates, Julio Calzada, wird das
neu gegründete "Institut für Regulierung und Kontrolle von Cannabis"
Lizenzen für Produktion und Vertrieb vergeben. Verkauft werden soll das
Marihuana in Apotheken und in Cannabis-Clubs. 

Wer darf Cannabis anbauen? Und hier kommt die Crux. Hier sollte man genauer
hinschauen. 

Marihuana - ein lukrativer neuer Markt 

Von der Regierung in Auftrag gegebene Studien [3] haben berechnet, dass es
in Uruguay um die 150.000 Cannabis-Konsumenten gibt, circa fünf Prozent der
Bevölkerung. Marihuana hätte laut selbiger Studie einen Marktwert von 75
Millionen US-Dollar. Durch den erwarteten Drogentourismus steigert sich
dieser Wert. Die Legalisierung des Marihuanas ist demnach nicht nur
rechtliches Neuland, sondern auch ein neues, umfassendes Marktsegment, für
dessen Ausschöpfung sich schon einige Hände warm reiben. Denn obwohl Mujica
ursprünglich gefordert hatte, auch den Anbau staatlich zu kontrollieren,
soll dieser Bereich nun voraussichtlich an private Firme übergeben werden.
Diese lassen nicht lang auf sich warten. 

Jamen Shively, ehemals Manager bei Microsoft, plant eine Handelsmarke für
Marihuana im Stile von Starbucks Kaffee für die US-Bundesstaaten Colorado
und Washington. In den beiden Bundesstaaten wurde 2012 der Marihuana-Konsum
legalisiert. Das Marihuana wollte Shively aus Mexiko importieren. Da die
Gesetzeslage in den USA noch nicht vollständig geklärt und in Mexiko ein
legaler Cannabisanbau noch nicht absehbar ist, überlegt Shively nun mit
seiner Marke "Diego Pellicer" in Uruguay [4]zu starten. 

Der Unternehmer Brian Laoruangroch aus Seattle plant die Massenproduktion
von Marihuana-Zigaretten. Seine Zigarettenmarke "Roach's" soll die Marlboro
für Grasraucher werden. Sobald Uruguay eine klare Gesetzgebung habe, frei
von Korruption und Schwarzmarkt, könne er es sich vorstellen, dort Geschäfte
zu machen, so Laoruangroch. Andere Geschäftstüchtige liebäugeln damit,
Uruguays Marihuana in die USA oder nach Kanada zu importieren. 

Woher stammt das Hanf-Saatgut? 

Doch ob der Hanfanbau in Uruguay nun staatlich reguliert oder an private
Firmen übergeben wird, es bleibt die Frage: Woher generiert man in kürzester
Zeit das Saatgut? In diesem Zusammenhang kursiert im Internet immer wieder
ein Name, der bis vor kurzem in Uruguay noch recht unbekannt war: George
Soros. 

Der aus Ungarn stammende 83-jährige Finanzinvestor steht laut der
Forbes-Liste auf Rang 19 der Reichsten der Welt. Besondere Berühmtheit
erreichte Soros, als er durch Spekulationen gegen das Pfund die britische
Zentralbank in die Knie zwang. Außerdem ist Soros selbsterklärter
Philanthrop. 

Als sich Uruguays Präsident Mujica diesen September einen Tag vor seinem
Auftritt bei der UN-Vollversammlung in New York mit Soros traf, wurden in
vielen Webportalen die Alarmglocken geläutet. Ein Mann wie Soros plaudert
nicht ohne weitergehende Absichten. Ein 45-minütiger Ideenaustausch soll es
gewesen sein. 

Die Legalisierung von Marihuana sei ein wichtiger Schritt, um weltweit
Schaden abzuwenden, so Soros. Deswegen unterstützt er diese mit seiner
Stiftung Open Society. 34 Millionen US-Dollar investierte Open Society in
Lateinamerika, davon 10 Prozent für die Legalisierung von Marihuana. In
Uruguay finanzierte die Open Society über die Organisation "Regulación
Responsable" eine nationale TV-Kampagne [5] für die Marihuana-Legalisierung.


Der Regierung Uruguays bot Soros an, eine Bildungskampagne gegen
Drogenmissbrauch zu finanzieren. Soweit so gut. Auch Finanzmagnate können
Herz zeigen. Doch hat die Sache noch einen kleinen Haken... 

Monsanto 

Der Saatgut-Multi aus Missouri machte in den letzten Jahren durch seine
Monopolstellung bei der Produktion von gentechnisch verändertem Saatgut,
Knebelverträgen mit Landwirten sowie mit gekauften Studien von sich reden.
Einer der größten Anteilseigner von Monsanto ist George Soros. 

Schon seit längerem wird befürchtet, dass der Agrarkonzern ein Patent auf
genverändertes Cannabis-Saatgut plant. "Monsanto hat seinen Fokus nicht in
diesem Bereich", erklärte [6] Monsanto-Sprecher Darren Walli und fügte
hinzu, dass selbst wenn sich dies ändern sollte, es weitere Jahre bräuchte,
um massentaugliches Saatgut zu entwickeln. Doch so ganz stimmt Wallis
Aussage nicht. Denn gentechnische Forschung zu Hanfpflanzen gibt es schon
seit ein paar Jahren, und Monsanto scheint indirekt daran beteiligt [7] zu
sein: 

In Holland hat der Wissenschaftler David Watson mit seiner Firma HortaPharm
seit 1990 die größte Sammlung [8] an Cannabis-Variationen geschaffen. 1998
verkündete der britische Konzern GW Pharma, dass er mit HortaPharm ein
Abkommen geschlossen habe und nun Zugang zu der Cannabis-Sammlung erhält.
2003 schlossen GW Pharmaceuticals und Bayer Incorporated ein Abkommen, um
gemeinsam an einem auf Cannabis basierendem Extrakt zu arbeiten. 2007
beschlossen [9] wiederum Monsanto und Bayer einen gegenseitigen
Technologie-Austausch. Darunter fällt auch die RNAi-Technologie, die in
Hinblick auf die genetische Veränderung von Cannabispflanzen interessant
ist. 2009 verkündete [10] GW Pharma, dass es gelungen sei, eine
Cannabispflanze "künstlich zu manipulieren" und eine neuartige
Cannabispflanze zu patentieren. 

Warum sollte ein Unternehmen in die Kreation neuartiger Cannabispflanzen
investieren, wenn es nie die Möglichkeit hat, diese auch legal anzupflanzen?


In Kolumbien [11] sollen Bauern schon seit mehreren Jahren genmanipuliertes
Hanf kultiviert haben. Das Saatgut mit den Namen "Cripa" soll aus den USA
importiert worden sein. In Kanada wurde Cannabis seit 2003 zu medizinischen
Zwecken legalisiert, die Pflanzen für den Verkauf sollen aus staatlichen
Laboren stammen. Das Onlinemagazin CannabisCulture [12] zitiert eine anonyme
Quelle aus dem kanadischen Gesundheitsministerium, die aussagt, dass in den
Laboratorien Samen von der Universität Mississippi benutzt werden, deren
Gene wiederum von Monsanto stammen. 

Mujica sei wachsam! 

Dies alles können Gerüchte sein. Panikmache im Internet. Doch kann man nicht
abstreiten, dass ein Konzern wie Monsanto durchaus Interesse haben könnte,
Uruguay mit Cannabis-Saatgut zu versorgen. Und die Tatsache, dass einer der
Hauptanteilseigner selbiger Firma in den USA und nun auch in Uruguay
Kampagnen und Organisationen zur Marihuana-Legalisierung finanziert, lässt
Verdacht aufkommen. 

Denn mit Uruguay findet sich nun endlich ein legaler Abnehmer für
Hanf-Saatgut. Seien es nun staatliche Agraranlagen, Bauernkooperativen oder
private Firmen, die Cannabis anbauen werden, irgendwoher müssen sie ihr
Saatgut beziehen. Präsident Mujica wünscht sich einen einzigartigen
genetischen Code für die Pflanzen, um sie von der Schwarzmarktware zu
unterscheiden. Ein Hanf-Saatgut à la Monsanto würde sich da anbieten.
Übrigens baut Monsanto in Uruguay schon seit Jahren Mais und Soja an. Auch
die südamerikanische Agrarfirma Adecoagro, bei der George Soros ebenfalls
Anteilseigner ist, baut in Uruguay Sojabohnen und Sonnenblumen für Biosprit
an. 

Die Geschichte zeigt, mit der Legalisierung des Marihuanas ist es noch nicht
getan. Vieles hängt nun von der Anwendung des Marihuana-Gesetzes ab. Damit
Mujicas "Experiment" gelingt, darf Marihuana nicht zur Spielwiese
transnationaler Unternehmen werden. 

Links:

[1] http://prensarural.org/spip/spip.php?article12926
[2] http://gu.com/p/3y7vv
[3] http://tinyurl.com/nkr2bkd
[4] http://www.republica.com.uy/corporacion-norteamericana-de-marihuana-anun
[5] http://www.youtube.com/watch?v=CH6p7FurLjE
[6] http://www.cnbc.com/id/36179260
[7] http://urgente24.com/areax/2011/06/lo-que-la-thc-no-te-cuenta-monsanto-y
[8] http://www.independent.co.uk/news/1200871.html
[9] http://tinyurl.com/qekptzg
[10] http://www.faqs.org/patents/app/20090035396
[11] http://www.republica.com.uy/preocupa-marihuana-transgenica-desarrollada
[12] http://www.cannabisculture.com/articles/1322.html

Interne Verweise

12. Dez 2013 | Nachricht: 
Marihuana-Legalisierung in Uruguay macht Schule 
http://amerika21.de/2013/12/95575/marihuana-uruguay

Mehr über: 
Uruguay http://amerika21.de/geo/uruguay
Drogenpolitk http://amerika21.de/tag/drogenpolitk
Legalisierung http://amerika21.de/tag/legalisierung




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