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Samstag, 28. Juni 2014 Zwei Beelzebuben gegen den Autoteufel Über eine Milliarde Autos gibt es mittlerweile auf der Erde. Der motorisierte Verkehr überrollt Klima- und Umweltschutzziele. Doch die als Lösung gepriesene Elektromobilität bringt nur dann etwas, wenn der Strom fürs Fahren aus erneuerbaren Energien stammt. Bei der Ressourcenintensität schneidet sie sogar schlechter ab als Verbrennungsmotoren Aus Frankfurt am Main Joachim Wille Es ist ein historischer Einschnitt: Über eine Milliarde Autos gibt es inzwischen auf der Erde. Der Anteil der Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge wächst zwar kräftig, allerdings von niedrigem Niveau - ihre Gesamtzahl beträgt weltweit gut 400.000. Doch die größere E-Flotte mindert weder den Ressourcenverbrauch noch die Klimagefahr durch den motorisierten Verkehr, warnt das renommierte Washingtoner Worldwatch Institute in einem neuen Report [1]. Zumindest, solange der Strom fürs Fahren nicht aus erneuerbaren Energien stammt. Der neue Rekord wurde 2013 erreicht [2]. Erstmals rollten mehr als eine Milliarde Pkw1 (und Kleintransporter) über die Straßen und Pisten der Welt. Dazu beigetragen hat die erneut angestiegene Produktion von Neuwagen, die in dem Jahr 85 Millionen Einheiten (Pkw und Transporter) erreichte. 2012 waren es drei Millionen weniger gewesen. Besonders bemerkenswert: China produzierte Worldwatch zufolge mit 21 Millionen inzwischen fast doppelt so viele Autos wie mit elf Millionen die USA, die jahrzehntelang der weltweit größte Automarkt gewesen waren. Fünf Länder sind die "Großen" im Autogeschäft. Auf China und USA folgen Japan mit neun Millionen Stück, Deutschland mit knapp sechs und Südkorea nur 4,5 Millionen. Die "Big Five" fertigen zusammen rund 60 Prozent der Neuwagen. Chinas Autoflotte verzehnfacht Die Motorisierung nimmt dabei in entwickelten Ländern wie USA, Deutschland, Frankreich, Japan und Kanada nicht mehr oder nur noch wenig zu. Die Worldwatch-Experten sehen Anzeichen, dass die Autonutzung im traditionellen Autoland Nummer eins, den USA, sogar tendenziell abnimmt. Die höchste Autodichte wurde dort 2007 erreicht - mit 844 Wagen pro 1.000 Einwohner. Seither nimmt sie leicht ab. Die Zahl der Haushalte, die über kein Auto verfügen, wuchs derweil leicht - zwischen 2005 und 2012 von 8,9 auf 9,2 Prozent. In dicht besiedelten Großstädten, die ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz haben, ist der Anteil allerdings deutlich höher. In New York zum Beispiel besitzen 56 Prozent der Haushalte kein Auto. Das globale PS-Wachstum [3] wird eindeutig von den Schwellenländern getrieben. So hat sich Chinas Autoflotte durch die hohe Eigenproduktion und steigende Importe seit dem Jahr 2000 mehr als verzehnfacht; sie wuchs von vier Millionen auf 43 Millionen anno 2011. Das Land hat damit bereits die drittgrößte Flotte nach den USA und Japan. Auch Russland und Brasilien legten deutlich zu, hier hat sich die Autozahl jeweils fast verdoppelt - auf 36 beziehungsweise 27 Millionen. Worldwatch warnt vor den negativen Auswirkungen des Booms: "Die Autos müssen deutlich sparsamer werden, um die Folgen für Luftverschmutzung und den Ausstoß von Treibhausgasen zu begrenzen." Neuwagen verbrauchten derzeit im globalen Schnitt 7,2 Liter Sprit auf 100 Kilometer. Nötig sei mindestens eine Halbierung bis 2050. Allerdings: "Bisher geht der Trend nicht genügend nach unten, um das zu erreichen." Hybridautos mit doppeltem Materialverbrauch Die Zahl der Elektro- und Hybrid-Autos hat sich seit Anfang 2012 vervierfacht - sie stieg von knapp 100.000 auf inzwischen rund 405.000. Die E-Autos könnten zur Lösung nur dann beitragen, wenn sie mit Ökostrom fahren [4], so die Experten. Beim üblichen Strommix mit einem hohen fossilen Anteil ist der CO2-Ausstoß nämlich ähnlich hoch wie beim Benziner oder Diesel. Betrachtet man die Ressourcenintensität der "Strom-Autos", kann die Bilanz sogar schlechter als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor ausfallen. Nach Berechnungen [5] des Umweltforschers Friedrich Schmidt-Bleek [6] verdoppeln zum Beispiel Hybridautos mit Benzin- plus Elektromotor verglichen mit normalen Benzinern den Materialverbrauch pro Kilometer, wenn man den "ökologischen Rucksack" mitrechnet - also die Stoffe, die bei der Gewinnung, Verarbeitung und Entsorgung der Ressourcen anfallen. "Hier wird der Teufel durch zwei Beelzebuben ersetzt", sagte der frühere Vizepräsident des Wuppertal-Instituts gegenüber klimaretter.info. Der Umwelt sei viel besser gedient [7], wenn die Haltbarkeit und Reparaturfreundlichkeit der Fahrzeuge deutlich erhöht und der Umstieg auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel erleichtert würden. Zudem schafften Wartung und Reparatur langlebiger Produkte Arbeitsplätze. Im Text verwendete Links: 1. http://tinyurl.com/q6a4nuf 2. http://www.klimaretter.info/mobilitaet/hintergrund/11999 3. http://www.klimaretter.info/mobilitaet/hintergrund/14593 4. http://www.klimaretter.info/standpunkte/12862 5. http://tinyurl.com/peehl9e 6. http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Schmidt-Bleek 7. http://vorarlberg.orf.at/news/stories/2651537/ ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° Ende der weitergeleiteten Nachricht ° Alle Rechte bei den Autor*innen Unverlangte und doppelte Zusendungen bitten wir zu entschuldigen Abbestellen: mailto:[email protected]?subject=unsubscribe ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° Greenhouse Infopool Berlin http://twitter.com/greenhouse_info Facebook (Beta), RSS-Feed, Mailingliste: http://www.facebook.com/mika.latuschek http://tinyurl.com/greenhouse-feed https://listen.jpberlin.de/mailman/listinfo/greenhouse-info ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° Warum schreibst du nicht da, wo es gelesen wird? 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