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Feed: ZEIT ONLINE: Wirtschaft
Posted on: Monday, December 15, 2014 6:36 PM
Author: Felix Lee
Subject: Kaiserkanal: Der große Wassertransfer 

China hat den ersten Abschnitt seines gigantischen Süd-Nord-Kanalprojekts 
eröffnet. Das größte und teuerste Wasserumleitungsprojekt der Welt ist extrem 
umstritten

Der Gedanke mag vielleicht erst einmal bestechend klingen: Der gesamte Norden 
Chinas leidet die meiste Zeit im Jahr unter extremer Trockenheit. Weite Teile 
Südchinas hingegen werden jedes Jahr durch Regen mehrfach überschwemmt. Daher 
hatte schon Staatsgründer Mao Zedong Anfang der 1950er Jahre die Idee, einen 
gigantischen Kanal zu bauen, der das viele Wasser vom Süden in den Norden 
leitet. Mehr als ein halbes Jahrhundert später wird es nun konkret. 

Am vergangenen Freitag hat die chinesische Führung einen über 1.400 Kilometer 
langen Kanal eröffnet. Staatspräsident Xi Jinping sprach bei der Eröffnung von 
einem "großen Ereignis" für die Modernisierung des Landes. [1] Der Kanal ist 
Teil des sogenannten Süd-Nord-Wassertransferprojekts: [2] Wasser aus dem 
Jangtse-Fluss wird über drei Kanäle nach Nordchina gepumpt werden. Der jetzt 
eröffnete Kanal ist der zentrale Abschnitt. Es verbindet das Wasserreservoir 
Danjiangkou in der Provinz Hubei mit der Hauptstadt Peking. Zwei weitere 
Abschnitte sollen folgen, im Osten soll etwa der alte Kaiserkanal reaktiviert 
werden. Bis 2050 sollen alle drei Kanäle jährlich rund 45 Milliarden Kubikmeter 
Wasser in den Norden transportieren und mehr als eine halbe Milliarde Menschen 
versorgen. 

Die Gesamtkosten werden auf 400 Milliarden Euro geschätzt 

Neben der 25-Millionen-Stadt Peking soll der jetzt eröffnete Kanal auch die 
Metropole Tianjin und zwei Provinzen mit jeweils 80 Millionen Einwohnern 
versorgen. Es ist ein Projekt der Giga-Liga. Mehr als 200.000 Arbeiter 
brauchten mehr als zehn Jahre für den Bau. Allein zwei 4.000 Meter lange Tunnel 
mussten unter dem Flussbett des Gelben Flusses gegraben werden. Bislang haben 
die Arbeiten umgerechnet rund 50 Milliarden Euro verschlungen. Damit ist der 
Kanal wohl eines der teuersten Ingenieurprojekte in der Geschichte der 
Menschheit. 

Nicht nur wegen des großen Aufwands und der gigantischen Kosten ist das 
Süd-Nord-Wasserprojekt in China höchst umstritten. Umweltschützer laufen Sturm, 
weil durch den gigantischen Wassertransfer ganze Landschaften zerstört und 
dauerhaft verändert werden. Sie klagen, dass Wassersparen und effizienter 
Verbrauch bislang kaum Thema seien. Allein für das Danjiangkou-Reservoirs des 
mittleren Kanals mussten 345.000 Menschen umgesiedelt werden. Die chinesische 
Umweltaktivistin Dai Qing hat in der Vergangenheit mehrfach vor weiteren 
„dramatischen Folgen" für Menschen und Umwelt gewarnt. [3] 

Zudem hegt sie große Zweifel am Nutzen des großen Wassertransfers. Das Wasser 
könnte auf dem Weg in den Norden so viele Schadstoffe aufnehmen, dass es am 
Ziel in Peking und Tianjin gar nicht mehr brauchbar ist. 

Auch der Westabschnitt steht unter Kritik. Auf einer Länge von 450 Kilometer 
soll bereits am Oberlauf dem Jangtse Wasser abgezweigt werden und dann in die 
besonders trockenen Wüstenprovinzen Gansu, Qinghai und sogar die Innere 
Mongolei transportiert werden. Dieser Abschnitt ist zwar im Vergleich zu den 
beiden anderen Kanälen verhältnismäßig kurz. Zugleich sollen aber die Oberläufe 
von sechs weiteren Flüssen angezapft werden. Zu ihnen gehören auch Ströme, die 
in Südostasien den Mekong und in Indien den Brahmaputra mit Wasser versorgen. 
Die betroffenen Länder haben bereits Beschwerde eingelegt.

Links:

[1] http://german.china.org.cn/china/2014-12/14/content_34312566.htm
[2] http://en.wikipedia.org/wiki/Nanshui_Beidiao#Western_route
[3] http://www.deutschlandfunk.de/k.799.de.html?dram:article_id=120307

Artikel anzeigen...
http://blog.zeit.de/china/2014/12/15/nordchina-pluendert-suedchinas-gewaesse




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