Perlentaucher http://www.perlentaucher.de/buch/alberto-acosta/buen-vivir.html
Alberto Acosta: Buen vivir. Vom Recht auf ein gutes Leben Rezensionsnotiz zu DIE ZEIT, 12.03.2015 Kritiker des kapitalistischen Wachstumsparadigmas müssen nicht fortschritts- und technikfeindlich oder hochtrabend utopisch argumentieren, weiß Elisabeth von Thadden, die mehrere Bücher bespricht [1], die einen erfrischend unaufgeregten Weg der politischen Opposition beschreiten, wie die Rezensentin verspricht. Alberto Acostas "Buen vivir" ist das explizit politischste der Bücher, berichtet von Thadden. Der ehemalige ecuadorianische Energieminister war wesentlich an der Gestaltung der Verfassung von 2008 beteiligt, in der weltweit zum ersten Mal Rechte für die Natur verankert wurden, so die Rezensentin. In seinem Buch plädiert Acosta einerseits für eine Verbreitung des Gedanken, dass die Politik der Natur Gerechtigkeit widerfahren lassen muss, und für eine größere Berücksichtigung der Stimmen kleiner indigener Völker, die bislang aus dem internationalen Dialog weitestgehend ausgegrenzt werden, deren Ideen aber gerade für neue Perspektiven auf das gute Leben nicht zu vernachlässigen seien, fasst von Thadden zusammen. [1] http://www.zeit.de/2015/11/wachstum-fortschritt-wirtschaft-alternativen/ -------------------------------------------------------------------------- Norddeutscher Rundfunk http://www.ndr.de/kultur/buch/tipps/buenvivir102.html Entwurf für eine neue Gesellschaft Materialismus ade: In "Buen vivir" entwirft der ecuadorianische Wirtschaftsexperte Alberto Acosta eine Vision Vorgestellt von Andrea Ring Alberto Acosta war Minister für Energie und Bergbau in Ecuador, bei der Wahl vor zwei Jahren ist er als Präsidentschaftskandidat angetreten. Zuvor war der Wirtschaftwissenschaftler, der in Deutschland studiert hat, Präsident der verfassungsgebenden Versammlung Ecuadors im Jahr 2008. In der ecuadorianischen Verfassung ist zum ersten Mal in der Welt die Natur als Rechtssubjekt aufgenommen. Jetzt ist Acostas Buch "Buen vivir. Vom Recht auf ein gutes Leben" auf Deutsch erschienen. Darin entwirft er eine Gesellschaft jenseits des unbegrenzten materialistischen Konsums. Beschränkung auf das Notwendige Die Idee des "Buen vivir", des "guten Lebens", zielt nach Alberto Acosta auf nichts weniger als eine andere Welt, in der Solidarität, Harmonie und Suffizienz bestimmend sind, die Beschränkung auf das, was zum Leben ausreicht und wirklich notwendig ist: "Wir sollten uns eine Gesellschaft in diese Richtung organisieren und nicht weiter in Richtung Akkumulation, Gier, Profit, Konkurrenz, Individualismus." Inspiriert ist das Buen Vivir, wie Acosta schreibt, von den Erfahrungen, Werten und Praktiken der indigenen Völker im Anden- und Amazonasgebiet. Was zählt, ist "ein Leben in Gemeinschaft. Nicht den Individualismus fördern. Sondern die Gemeinschaft suchen und stärken. Das Gemeinschaftliche ist das Wichtigste in solchen Gesellschaften." Gegen die Vermarktung der Natur Genauso wichtig ist aber der Respekt vor der Natur: "Individuen und Gemeinschaften müssen in Harmonie mit der Natur leben. Wir sind Natur. Wir sind nicht nur Teil der Natur, wir sind Natur. Und die Natur kann nicht vermarktet werden." Als Politiker war Alberto Acosta daran beteiligt, dass die Rechte der Natur jetzt in der ecuadorianischen Verfassung stehen. In seinem Buch schildert er die von ihm mitbegründete Yasuni-Initiative. Große Erdölvorkommen im Yasuni-Nationalpark sollten nicht gefördert werden, wenn die reichen Länder dafür finanziellen Ausgleich leisten würden. Zuerst war auch die deutsche Regierung dafür: "Das war toll! Wir sahen die Möglichkeit, diese Utopie in die Praxis umzusetzen. Leider gab's danach Probleme: Hier in Deutschland kam der neue Minister Dirk Niebel, der der Initiative regelrecht einen Dolchstoß verpasst hat." Bedrohter Lebensraum von Menschen und Tieren Die ecuadorianische Regierung hat nun beschlossen, das Erdöl zu fördern. Bedroht ist nicht nur die einmalige Artenvielfalt im Amazonasgebiet, auch die dort isoliert lebenden indigenen Völker verlieren ihren Lebensraum. Vom Klimawandel gar nicht zu reden. Man versteht an dieser Stelle, dass Alberto Acosta die Überwindung der kapitalistischen Wirtschaft postuliert: "Die Reichen müssen ihre Privilegien verlieren: Wir können nicht weiter in einer Welt leben, in der es nur so wenige Reiche gibt und so viele Arme existieren, weil die Reichen so reich sind - das müssen wir ändern, und das ist nicht nur eine Frage von Helfen -, müssen wir eine Verteilung des Einkommens und eine Umverteilung des Reichtums fordern." Was wiederum eine Frage der Gerechtigkeit und damit des "Buen vivir" ist. Der Ökonom spricht von einer Postwachstumsgesellschaft: "Wir müssen uns vom Konsumismus befreien. So gehts nicht weiter, weil wir - wenn wir so weitermachen - sogar unsere Lebensexistenz in Gefahr bringen werden. Wir machen die Natur kaputt mit so viel Konsumismus und Extraktivismus." Raubbau an den Ressourcen der Erde Denn auch den Raubbau an den natürlichen Ressourcen der Erde versteht er als eine Folge des kapitalistischen Wachstumsprinzips: "Und das kann nicht weiter so gehen. Das muss man ändern." Die kategorische Feststellung trifft der Autor wieder und wieder: "Gebraucht wird" und "zusammengefasst muss ein für allemal verstanden werden". In Passivkonstruktion und unpersönlicher Formulierung fehlt das Subjekt. Wer verändert die Gesellschaft? Die Mächtigen und Reichen sind es nicht: "Wir müssen von unten anfangen, die Welt zu verändern. Zuerst müssen wir anerkennen, dass wir - auch in meinem Buch - keine Rezepte haben. Keine Modelle, keine fertige Theorien. Was wir bringen sind Ideen, Anregungen zur Diskussion." Auch seine Diagnosen wiederholt Acosta eindringlich in jedem Kapitel. Doch das stört nicht: Weil der ecuadorianische Intellektuelle nicht wehleidig jammert und klagt, sondern die Dinge eben beim Namen nennt. Acosta vermittelt tatsächlich die Vision, Klimawandel und soziale Ungerechtigkeit könnten bekämpft werden. Auch wenn sich die Regierung Ecuadors bisher noch über das in der in der Verfassung verbriefte Recht der Natur hinwegsetzt. Ein Anfang ist gemacht. Alberto Acosta: Buen vivir Vom Recht auf ein gutes Leben Oekom Verlag, München 2015 208 Seiten, 16,95 EUR ISBN: 978-3-86581-705-1 http://www.oekom.de/buecher/neuerscheinungen/buch/buen-vivir.html ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° Ende der weitergeleiteten Nachricht ° Alle Rechte bei den Autor*innen Unverlangte und doppelte Zusendungen bitten wir zu entschuldigen Abbestellen: mailto:[email protected]?subject=unsubscribe ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° Greenhouse Infopool Berlin http://twitter.com/greenhouse_info ... oder via Facebook (Beta), RSS-Feed, Mailingliste: http://www.facebook.com/mika.latuschek http://tinyurl.com/greenhouse-feed https://listen.jpberlin.de/mailman/listinfo/greenhouse-info _______________________________________________ Pressemeldungen mailing list [email protected] https://lists.wikimedia.org/mailman/listinfo/pressemeldungen
