NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 64/15 | 2.JUNI 2015
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Umwelt/Natur/EU
Halbzeitbilanz zu EU-Naturschutz-Zielen: Ein wenig Licht, viel
Schatten
Tschimpke: Intensive Landwirtschaft verantwortlich für massiven
Artenverlust
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Berlin – Kurz vor der europäischen Naturschutzkonferenz Green Week, die
am 3. Juni in Brüssel beginnt, hat BirdLife Europe, der internationale
Dachverband des NABU, eine Halbzeitbilanz der EU-Biodiversitätspolitik
vorgestellt. Bis 2020 will die Europäische Union den Verlust der
biologischen Vielfalt stoppen und geschädigte Ökosysteme
wiederherstellen. Das Fazit des Berichts: In einigen Bereichen gibt es
erste Fortschritte, das Ziel einer generellen Trendumkehr wird jedoch
verfehlt. Viele Tier- und Pflanzenarten sind in der EU weiterhin
bedroht.
Herausragende Ergebnisse für die Natur in Europa sind überall dort zu
verzeichnen, wo die beiden wichtigsten Naturschutzrichtlinien – die
Vogelschutz- und die Fauna-Floria-Habitat-(FFH-)Richtlinie – erfolgreich
umgesetzt werden. Doch vielerorts sind sie bislang unzureichend
finanziert und mangelhaft umgesetzt, wie der Bericht festhält.

„Die Entwicklung von Europas Natur hängt maßgeblich an der Vogelschutz-
und FFH-Richtlinie. Daher darf dieses Herzstück der 
EU-Biodiversitätsstrategie keinesfalls aufgeweicht werden, wie es
durch den ‚Fitness-Check‘ der EU-Kommission derzeit droht. Stattdessen
ist die Bilanz ein dringender Appell an die EU, an ihren Richtlinien
festzuhalten und sie mit noch mehr Nachdruck umzusetzen“, so
NABU-Präsident Olaf Tschimpke.
 
Der Bericht sieht insbesondere im Bereich der naturverträglichen 
Landnutzung dringenden Handlungsbedarf. Über die Hälfte aller Vögel der
Agrarlandschaft sind seit 1980 verschwunden, wertvolles Grünland geht in
einigen EU-Staaten in alarmierender Geschwindigkeit verloren, darunter
in Deutschland, Bulgarien und Slowenien. Alarmierende Beispiele für die
daraus resultierenden Bestandsrückgänge bei Vögeln finden sich
zahlreich: So ist das Rebhuhn in den vergangenen 25 Jahren um 94 Prozent
zurückgegangen und stark gefährdet, der Kiebitz liegt bei einem Minus
von 75 Prozent und die Feldlerchenbestände sind deutschlandweit um rund
ein Drittel eingebrochen. Auf EU-Ebene zeichnen sich ähnliche Trends ab.

 
„Allen genannten Arten ist gemein, dass sie in der Agrarlandschaft
leben und Opfer einer immer intensiveren Landnutzung werden“, so
Tschimpke. Um weitere Artenverluste und negative Auswirkungen auf Mensch
und Umwelt zu vermeiden, sei eine Umkehr in der Gemeinsamen Agrarpolitik
der EU dringend erforderlich. 
 
Substanzielle Fortschritte sieht der Report bei Ziel 1 (Umsetzung der
EU-Naturschutzrichtlinien), Ziel 4 (Fischerei) und Ziel 5 (invasive
Arten). Wenig geschehen ist bisher hingegen hinsichtlich Ziel 2
(Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme), nur begrenzten Fortschritt
gibt es bei Ziel 6 (Beitrag der EU zum weltweiten Erhalt der
biologischen Vielfalt). Ziel 3 (naturverträgliche Landnutzung) hingegen
wurde bisher völlig verfehlt. 
 
In den Bereichen Fischerei und invasive Arten verfügt die EU inzwischen
über eine robuste Gesetzgebung, die kommenden Jahre werden jedoch
richtungsweisend für die künftige Entwicklung sein. Dafür müssen
insbesondere die Fangquoten und -begrenzungen in Übereinstimmung mit den
Visionen der europäischen Fischereipolitik gebracht werden, zudem muss
eine ausreichend hohe Zahl von Arten in die EU-weite schwarze Liste der
invasiven Arten aufgenommen werden.
 
Der vollständige Report „Halfway there? – Mid-term Assessment of
progress on the EU 2020 Biodiversity Strategy” (auf Englisch) unter:
www.NABU.de/news/2015/06/18958.html
 
Mehr zum Fitness-Check und zur EU-Online-Konsultation:
www.NABU.de/naturschaetze
 
Für Rückfragen:
Konstantin Kreiser, NABU-Experte für internationale
Biodiversitätspolitik, Mobil +49 (0)172.4179730, E-Mail:
[email protected]
 
Lars-Lachmann, NABU-Experte für Vogelschutz, Tel. + 49
(0)30.2984984.1620, E-Mail: [email protected]
 
 
 
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