Betreff: Umweltexperte Klaus Töpfer: Massentierhaltung in Deutschland
zurückfahren
Der Umweltexperte Klaus Töpfer fordert für eine Verminderung der
Massentierhaltung hierzulande. Deutschland sei "einer der weltweit
größten Fleischexporteure, was eine Massentierhaltung mit importiertem
Futter erfordert und uns in den betroffenen Regionen Güllefluten und
Schadstoffbelastung einbringt“, sagte der frühere Bundesumweltminister
von der CDU in einem Interview mit der Umwelt-Publikation "Movum“.
Das Magazin "Movum" wird herausgegeben von den Naturfreunden, dem BUND,
der Deutschen Umweltstiftung, von EuroNatur und dem FÖS, es erscheint im
GutWetter Verlag und entsteht in Kooperation mit der Redaktion von
klimaretter.info.
Den hohen Konsum von Fleisch- und Milchprodukten in den
Industrieländern zurückzufahren, sei "überfällig", sagte Töpfer in dem
Interview weiter. Er sei allerdings optimistisch, dass das die
Ernährungsgewohnheiten sich ändern. In vielen Ländern, auch in
Deutschland, habe der Bewusstseinswandel bereits begonnen. "Slow Food"
und vegetarisches Essen seien in.
Töpfer erinnerte daran, dass Deutschland nicht nur seine eigenen Böden
nutzt, sondern noch einmal die doppelte Landfläche im Ausland, nämlich
für die Agrar- und Forstprodukte, die von dort importiert werden.
"Unsere Kühe weiden quasi am Rio de la Plata.“ Das sei ein virtueller
Bodenimport, der bis zu 70 Millionen Hektar ausmache.
Weiter kritisierte Töpfer, der das Nachhaltigkeitsinstitut IASS in
Potsdam leitet und bis 2006 Chef des UN-Umweltprogramms (Unep) war, dass
die Versuche auf UN-Ebene noch nicht erfolgreich waren, das so genannte
Landgrabbing zu kontrollieren. Dabei geht es darum, dass reiche Nationen
oder Agrarkonzerne im Ausland Land kaufen, um die Ernährung der eigenen
Bevölkerung sicherzustellen oder Agro-Kraftstoffe zu produzieren. Oft
geht das zu Lasten der Kleinbauern, die vorher auf dem Land lebten.
Der Experte forderte, die bisher freiwilligen "Leitlinien“ der UN, die
diesen Landkauf in verträgliche Bahnen lenken sollen, verbindlich zu
machen. Es müsse zum Beispiel verhindert werden, "dass Böden, die bisher
der Nahrungsmittelversorgung der jeweiligen Bevölkerung dienen, für
Agrosprit genutzt werden, der in den Export geht.“ Ähnliche Probleme
verursache der Anbau von Soja in Entwicklungsländern, von dem ein
Großteil in die Massentierhaltung bei uns in den Industriestaaten
fließe. Wichtig sei es allerdings auch, die "strukturellen Ursachen“ des
Landgrabbing anzugehen. "Weniger Fleischkonsum bei uns bedeutet auch
weniger Soja-Nachfrage, und eine intelligente Energiewende im Verkehr
entschärft den 'Tank oder Teller' -Konflikt“, sagte Töpfer.
Die aktuelle "Movum"-Ausgabe zum Thema "Boden“ ist erhältlich unter
www.movum.info. Gedruckt liegt das Heft der neuen Ausgabe des
Wirtschaftsmagazin „enorm“ bei.
DIE ZITATE DER WISSENSCHAFTLER SIND BEI NENNUNG DER QUELLE Movum ZUR
VERWENDUNG FREIGEGEBEN
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