NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 88/15 | 13. JULI 2015
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Umwelt/Natur/EU
Buchen-Urwälder in Brandenburg - Entwicklung dank
EU-Naturschutzrichtlinien
Bedeutender Naturschatz Grumsin - „Fitness-Check“ darf nicht zum
Naturschutz-Abbau führen
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Angermünde/Berlin – Die Naturschutzgesetzgebung der EU soll auf den
Prüfstand: Bis zum 24. Juli haben alle Bürgerinnen und Bürger in den
Mitgliedstaaten die Gelegenheit, sich zur Bedeutung und zu einer
möglichen „Modernisierung" der zwei wichtigsten EU-Gesetze für den
Natur- und Artenschutz zu äußern: der Fauna-Flora-Habitat- (FFH-) und
der Vogelschutzrichtlinie. Es gilt die Erfolgsgeschichten der
Richtlinien fortzuschreiben und geplante Lockerungen zu verhindern. Mit
der Aktion „Naturschätze retten“ stellt der NABU jede Woche unter
www.nabu.de/naturschaetze ein Gebiet, eine Art oder einen Lebensraum
vor, die vom Schutz der EU profitieren oder ohne diesen verloren gehen
könnten. Diese Woche der Naturschatz #12: Naturnaher Buchenwald
Grumsin in Brandenburg.
 
Alte Buchenwälder gehören zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen
der Erde. Mehr als 4.000 Pflanzen- und 6.700 Tierarten finden hier ein
Zuhause – vorausgesetzt die Wälder sind in einem naturnahen Zustand mit
urwaldähnlichen Strukturen. Doch solche nutzungsfreien Buchenwälder gibt
es Deutschland nur noch auf weniger als 0,2 Prozent der Waldfläche, und
das obwohl die Bundesrepublik von Natur aus zu mehr als der Hälfte von
Buchenurwäldern bedeckt wäre. 
 
„Viele Buchenwaldtypen gibt es nur bei uns in Deutschland. Daher tragen
wir besondere Verantwortung für diesen Lebensraum“, sagt Aija Torkler,
Leiterin des NABU-Naturerlebniszentrum Blumberger Mühle. Hier, am
Eingang zum Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin im nördlichen
Brandenburg, darf sich wieder wertvoller Buchenwald entwickeln. Gut
6.100 Hektar des Waldgebiets Grumsiner Forst/Redernswalde stehen unter
Schutz durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union.
Und gut ein Zehntel ist seit den 1980er Jahren komplett aus der Nutzung
herausgenommen. „Dadurch, dass hier niemand in die Entwicklung des
Waldes eingreift, können wieder urwaldähnliche Strukturen entstehen. Das
ist ein großes Geschenk für die Natur und unsere Artenvielfalt“, freut
sich Torkler.
 
Besucher können im NABU-Naturerlebniszentrum den Lebensraum Buchenwald
und seine unglaubliche Artenvielfalt entdecken. In einer
Dauerausstellung lässt sich die Entstehungsgeschichte der Buchenwälder
nacherleben, wie die Eiszeit die faszinierende Landschaft aus Seen,
Mooren und Erlensümpfen prägte. Auch die Bewohner der Buchenwälder
werden vorgestellt: Schwarzstorch, Moorfrösche, Großes Mausohr oder der
Ästige Stachelbart, ein krauser Pilz, der sich auf die Stämme morscher
Laubbäume spezialisiert hat. Erfahrene NABU- und Naturwacht-Mitarbeiter
sowie zertifizierte Natur- und Landschaftsführer bieten zudem Führungen
in die Buchenwälder an.
 
„Die FFH-Richtlinie der EU ist für die Entwicklung des Grumsiner Forsts
elementar. Sie sorgt dafür, dass Biotope geschützt und in ihrer Vielfalt
erhalten bleiben. Zahlreiche Bäume dürfen ungestört alt werden und
irgendwann absterben. So entstehen wertvolle Bruthöhlen an abgebrochenen
Ästen und verschiedenes Totholz. Die abgestorbenen Bäume bilden die
Lebensgrundlage für zahllose Insekten, Fledermäuse und Pilze“, so
Torkler weiter. 
 
Wie wichtig die Bedeutung des Grumsiner Forsts und der naturnahen
Buchenwälder Deutschlands ist, zeigt auch ihre Ernennung zum
UNESCO-Weltnaturerbe. 2011 wurde der Grumsin gemeinsam mit vier weiteren
deutschen Buchenwaldgebieten von der UNESCO in die Liste der
Weltnaturerbestätten aufgenommen. Die Wälder sind damit der Serengeti in
Ostafrika und dem Yellowstone-Nationalpark in den USA gleichgestellt. 
 
Wer das FFH-Gebiet Grumsiner Forst/Redernswalde erleben möchte, hat in
der „Naturschatz“-Woche vom 13. bis 19. Juli Gelegenheit dazu. Im
NABU-Naturerlebniszentrum Blumberger Mühle zeigt Naturfotograf Sebastian
Hennigs seine Ausstellung „Lebensraum Buchenwälder“, gefährdete Arten
sowie die Nutzung des FFH-Gebiets werden vorgestellt und
NABU-Waldexperte Stefan Adler gibt Auskunft zur Umsetzung des
europäischen Naturschutzrechts im deutschen Wald. Darüber hinaus kann
das Weltnaturerbe bei einer Kindersafari und einer geführten Wanderung
erkundet werden. Termine:
https://blumberger-muehle.nabu.de/angeboteundtermine/veranstaltung.html

 
Der NABU stellt seit Ende April jede Woche eine geschützte oder
gerettete Art, einen Lebensraum oder ein Natura-2000-Gebiet über die
NABU-Webseite, Presse, soziale Medien und auf Veranstaltungen vor, die
alle vom EU-Schutz abhängen. Dazu zählen neben dem Buchenwald Grumsin
unter anderem auch der Wolf und der Biber, ebenso wie das Große Torfmoor
in Nordrhein-Westfalen, das Tegeler Fließtal der Hauptstadt Berlin oder
das Nationale Naturerbe „Weinberg Wetzlar“.
 
Pressefotos zum Weltnaturerbe Grumsin unter:
www.NABU.de/presse/fotos/#naturschaetze
 
 
Für Rückfragen:
Aija Torkler, Leiterin NABU-Naturerlebniszentrum Blumberger Mühle, Tel.
+49 (0)3331-2604-31, E-Mail: [email protected] 
 
 
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