NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 120/15 | 14. OKTOBER 2015
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Umwelt/Steuern
NABU: Aufruf „Grundsteuer: Zeitgemäß!“ durch IW-Analyse bestätigt 
Finanzminister müssen Bodensteuer endlich ernsthaft in Erwägung ziehen
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Berlin – Eine vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) am
heutigen Mittwoch vorgelegte Analyse stellt die von den Finanzministern
des Bundes und der Länder bisher in Betracht gezogenen Modelle zur
Reform der Grundsteuer grundlegend in Frage. Jahrelang prüfen und
verwerfen die Finanzminister eine Modellvariante nach der anderen ohne
zu einem Konsens zu gelangen. Bis heute weigert sich die
Finanzministerkonferenz als Ganzes konsequent und gegen die Empfehlung
einzelner Befürworter in den eigenen Reihen, den von vielen Seiten
geforderten und sich aus vielerlei Gründen auch aus NABU-Sicht geradezu
aufdrängenden Lösungsansatz einer Bodensteuer ernsthaft in Erwägung zu
ziehen.
 
„Angesichts der vom IW Köln vorgelegten Ergebnisse erwarten wir von den
Finanzministern nun endlich eine detaillierte, ergebnisoffene und
konstruktive Auseinandersetzung mit den beiden längst bereit stehenden
Bodensteuermodellen. Aufgrund ihrer Einfachheit und Klarheit und weil
sie den Menschen unmittelbar einleuchtet, könnte eine als Bodensteuer
ausgestaltete Grundsteuer sogar den allseits erhofften Konsens zwischen
allen 16 Bundesländern und dem Bund bringen“, so NABU-Präsident Olaf
Tschimpke und Jürgen Lübbers, Bürgermeister der Samtgemeinde Barnstorf
im Landkreis Diepholz, im Namen aller Erstunterzeichner und Unterstützer
des Aufrufs „Grundsteuer: Zeitgemäß!“.
 
Die aktuellen Pläne der Finanzminister sind rückwärtsgewandt und
schädlich sowohl für die gemeindliche Entwicklung als auch für Natur
und Umwelt. Demnach würden Investitionen auf Baugrundstücke und in
Gebäude künftig noch mehr als bisher steuerlich bestraft. Die
vielerorts zu beklagende, ineffiziente (Nicht-)Nutzung bebauter und
bebaubarer Grundstücke und somit auch die Zersiedlung würden
fortgesetzt, wenn nicht gar angeheizt – entgegen jede Vernunft und
ungeachtet fortdauernder sozialer und gesellschaftlicher, ökonomischer
und ökologischer Herausforderungen.
 
„Es kann nicht sein, dass die neue Grundsteuer denjenigen schlechter
stellt, der so baut wie es das Baurecht vorgibt bzw. erlaubt oder
beispielsweise die KfW-Förderung zur energetischen Modernisierung quasi
durch die Hintertür neutralisiert. Wer ein leer stehendes Gebäude
saniert und wieder in Nutzung bringt, wer sein Haus modernisiert, den
Dachstock ausbaut oder einen Anbau realisiert, sollte dafür nicht mit
einer höheren Grundsteuer bestraft werden, sondern einen kleinen Orden
erhalten“, so Tschimpke. Landauf, landab, selbst in besten Lagen,
bleiben Baulücken, Gewerbebrachen oder leere Gebäude jahre- oder gar
jahrzehntelang ungenutzt. Die Grundsteuer auf solche Grundstücke ist
vergleichsweise niedrig, in der Regel praktisch vernachlässigbar, oder
sie wird den Eigentümern sogar gänzlich erlassen. Damit gibt es keinen
nennenswerten Anreiz für deren Nutzung oder Vermarktung. Spekulative
Gewinne und überhöhte Mieten im Grundstücks- und Wohnungsmarkt sind die
Folge. Für die Finanzminister ist all dies offenbar kein Problem.
 
Dazu meint Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers: „Viele Städte und
Gemeinden suchen händeringend nach sofort verfügbaren Gebäuden und
unmittelbar zum Verkauf stehenden, innerörtlichen Bauflächen.
Gleichzeitig erzählen uns deren private Eigentümer Geschichten einer
fernen Zukunft: vom angeblich kurz bevorstehenden, aber jahrelang nicht
zustande kommenden geschäftlichen Durchbruch, oder vom Enkelkind, das
sich eines Tages mit seiner Familie, die erst noch geboren werden muss,
angeblich genau nebenan niederlassen wird. Eine Grundsteuer nur auf den
Boden würde das spekulative Zurückhalten von Immobilien teurer machen
und brächte deutlich Bewegung in den Grundstücksmarkt und damit mehr
Flächen und Gebäude in Nutzung.“ 
 
NABU-Präsident Olaf Tschimpke: „Statt immerfort neue Baugebiete
auszuweisen, müssen wir die vorhandenen Gebäude und innerörtlichen
Bauflächen möglichst effizient nutzen. Jede Baulücke, die geschlossen
wird, jedes leer stehende Gebäude, das wieder in Nutzung gelangt, ist
nützlich – weil ein Neubau auf der grünen Wiese weniger. Dafür
brauchen wir die Grundsteuer als Bodensteuer.“
 
Der bereits im Dezember 2013 veröffentlichte Aufruf „Grundsteuer:
Zeitgemäß!“ findet eine breite zivilgesellschaftliche und verbände- und
parteiübergreifende Zustimmung. Er wurde bisher unterzeichnet von
insgesamt 42 Bürgermeistern und Oberbürgermeistern unterschiedlichster
politischer Couleur, 25 Verbänden und Organisationen, darunter der NABU,
das IW Köln, der Deutsche Mieterbund, der Bundesverband für Wohnen und
Stadtentwicklung (vhw) und verschiedene weitere Umwelt-, Wirtschafts-
und Sozialverbände, sowie zahlreichen Privatpersonen. Die
Aufrufunterzeichner appellieren an die Finanzminister des Bundes und der
Länder, bei ihren Überlegungen zur Reform der Grundsteuer eine
unverbundene, ausschließlich an Grund und Boden anknüpfende
Bemessungsgrundlage vertieft zu untersuchen. 
 
Direkt zum Aufruf: http://www.grundsteuerreform.net/
Mehr Infos:
https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/aktionen-und-projekte/grundsteuerreform/
Analyse des IW Köln: www.iwkoeln.de/grundsteuer
 
Für Rückfragen:
Dr. Ulrich Kriese, Siedlungspolitischer Sprecher des NABU, Mobil +49
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