14. Oktober 2015
Nr. 40/15




DAV: Transitzonen kommen massiver Inhaftierung gleich

Rechtsstaatliche Grundsätze werden missachtet



Berlin (DAV). Zurzeit wird darüber diskutiert, für die Flüchtlinge 
"Transitzonen" einzurichten. Nach Ansicht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) ist 
dieses Vorhaben entschieden abzulehnen. Vielmehr soll sich die Politik darauf 
konzentrieren, konstruktive rechtsstaatliche Lösungen für die Bewältigung der 
Situation zu finden. Die Flüchtlinge suchen Schutz und nicht Haft. Das 
Transitzonen-Verfahren stößt auf rechtsstaatliche Bedenken. Zudem widerspricht 
es dem humanitären Wesenscharakter unserer Verfassung.



"Die Bundesrepublik Deutschland darf das ungarische Modell nicht übernehmen, 
betont Rechtsanwalt Ulrich Schellenberg, DAV-Präsident. Die Einführung 
sogenannter "Transitzonen" für Flüchtlinge sei deshalb abzulehnen. Gerade in 
scheinbaren Krisen dürfe man sich nicht von rechtsstaatlichen Grundsätzen 
verabschieden. "Letztlich würden die Flüchtlinge grundlos in Haft genommen, um 
nichts anderes handelt es sich dabei", so Schellenberg.



Ob ein Asylantrag Aussicht auf Erfolg hat oder nicht kann nur in einem 
gesetzmäßigen Verwaltungsverfahren entschieden werden. Die Idee der 
"Transitzonen" weckt die Illusion lediglich eines "kurzen Prozesses". Die 
ungarische Praxis werde inzwischen von der Mehrheit der Verwaltungsgerichte in 
Deutschland als menschenrechtswidrig beurteilt, und die Überstellung im Rahmen 
der Dublin-III-Verordnung werde durch die Gerichte gestoppt. Es sei zu 
befürchten, dass andere Mitgliedstaaten nachziehen. Die europaweite Errichtung 
von Zäunen an den Binnengrenzen wäre ein Abschied von der Europäischen Union.



Die Überlegungen sind praktisch auch nicht zu Ende gedacht. Die Flüchtlinge 
werden sich nicht an einem Grenzübergang anstellen, wie dies bei einem 
Flughafen mit Transitzonen der Fall ist. Das Grundproblem ist, dass die 
Belastungsgrenze  der Verwaltung erreicht ist. Hier muss angesetzt werden. Es 
ist dringend erforderlich, die Verwaltung mit sachlichen Mitteln und Personen 
massiv zu verstärken, damit diese schneller auf der Grundlage unserer 
Verfassung handeln kann.



"Wer die Grenzen der Bundesrepublik schließen will, braucht militärische 
Grenzsicherungsanlagen und die Bereitschaft, diese Grenzen zu verteidigen", 
warnt Schellenberg. Das könne nicht das Bild eines freiheitlichen Europas sein.



Der Aufbau dieser Lager wird nicht nur viel Zeit, sondern auch viel Geld 
kosten. Geld, welches anderer Stelle fehlen wird, so der DAV.


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