Frankfurter Allgemeine Zeitung
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27.10.2015

Köln verbannt Fernbusse aus der Innenstadt

Wohin mit all den Fernbussen? Der Boom stellt viele Städte vor Probleme.
Köln sperrt nun seine City für die Busse - als erste Großstadt in
Deutschland

Als erste Großstadt in Deutschland vertreibt Köln Fernbusunternehmen aus der
Innenstadt. Ab diesem Mittwoch müssen Nutzer von Fernbussen am Flughafen
Köln/Bonn aussteigen und von dort mit öffentlichen Verkehrsmitteln und einer
Fahrzeit von rund 15 Minuten in die City fahren.

Während der Marktführer MeinFernbus Flixbus die Domstadt vorerst ganz aus
seinem Fahrplan streicht und in Leverkusen Station macht, verlegen andere
wie Postbus, Dein Bus oder Megabus ihre Haltepunkte, wie von der Stadt
angeboten, an den Airport. MeinFernbus begründete am Dienstag den Schritt
mit mangelnden Kapazitäten und einem erhöhten Sicherheitsrisiko am
Flughafen.

Stadt will Fernbusse an den Flughafen verlegen

Unterdessen gab der Airport Köln Bonn am gleichen Tag grünes Licht für den
Start des neuen Fernbus-Terminals. Auf einer Fläche von 5800 Quadratmetern,
davon knapp die Hälfte überdacht, bietet der Flughafen elf Haltebuchten.
Zwischen 800 und 1600 Anfahrten sowie zwischen 12.000 und 24.000 Buskunden
pro Woche erwartet der Flughafen.

Für die neuen Busbahnhof am Rande der Stadt hat der Bundesverband Deutscher
Omnibusunternehmer (BDO) nur wenig Verständnis, vor allem deshalb, weil der
Airport der einzige Haltepunkt für Fernbusse an einem Drehkreuz ist: „Die
Buskunden wollen in die Stadt, und kein Betreiber ist von der Maßnahme
begeistert“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes, Christina
Leonard, der Deutschen Presse-Agentur.

In Stuttgart und Ulm gibt es ähnliche Überlegungen

Die Stadt hatte vor einigen Wochen beschlossen, wegen der angespannten
Verkehrssituation um den Hauptbahnhof und eines erhöhten Unfallrisikos die
Busstation an den Flughafen zu verlegen. Dies sei eine gute Alternative.

Tatsächlich gilt der Rauswurf der Fernbusse aus der Innenstadt als ein
Novum. Zwar gebe es unter anderem auch in Stuttgart und Ulm ähnliche
Überlegungen, aber in Köln seien Konzessionen für das Anfahren der
Innenstadt ohne Bedingungen vergeben worden, betonte Leonhard.

Darauf beruft sich vor allem der Branchenprimus MeinFernbus Flixbus. Das
Unternehmen hatte die Gerichte angerufen, war zuletzt aber mit einem
Eilantrag beim Verwaltungsgericht Köln gescheitert. Doch gibt sich der
Betreiber noch längst nicht geschlagen und kündigte an, weiterhin juristisch
gegen die Aussperrung aus der Innenstadt vorzugehen.

Quelle: dpa

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Westdeutsche Allgemeine Zeitung
http://www.derwesten.de/wirtschaft/-id11212856.html 

23.10.2015 

Köln sagt Fernbussen den Kampf an - Rausschmiss aus City

Die Stadt Köln geht rabiat mit dem boomenden Fernbus-Verkehr um. Sie wirft
ihn aus der Innenstadt. Reaktion auf die Maßnahme ist nicht weniger heftig

Von Dietmar Seher

ESSEN. Schlag für den Fernbus-Verkehr: Die beliebten Billig-Busse werden die
Kölner Innenstadt nicht mehr anfahren können. Nach dem gerichtlich
bestätigten Verbot, am Hauptbahnhof zu halten, planen Fernbus-Betreiber den
Umzug nach Leverkusen oder Düsseldorf.

Klar ist: Der Fernbusbahnhof am Breslauer Platz unter den Türmen des Doms
war immer ein Problem. Da ist die Enge, in der sich MeinFernbus, Megabus und
Postbus beim Halten drängeln müssen. Da hat es auch schon ramponiertes Blech
gegeben.

Gültige Konzessionen für die Innenstadt bis 2023

Jetzt aber droht der Totalschaden. Die Stadt Köln hat vor dem
Verwaltungsgericht durchgesetzt, dass die Fernbusse vom Hauptbahnhof und
auch am Haltepunkt Gummersbacher Straße verschwinden, obwohl sie gültige
Konzessionen für die Innenstadt teilweise sogar bis 2023 haben. Schon ab
November sollen sie nur den Kölner Flughafen anfahren dürfen. Von dort aus
heißt es für die Buskundschaft: Umsteigen auf die S-Bahn S 13 oder den
Regionalexpress. Das treibt natürlich gerade für die Reisenden mit schmalem
Geldbeutel die Tarife hoch.

Die Busanbieter reagieren erwartungsgemäß empört. „Das ist eine mutwillige
Störung des Linienverkehrs“, schimpft der bundesweite Marktführer
MeinFernbus. Er zieht als erster die Notbremse. Die Gesellschaft will Köln
ab dem 28. Oktober boykottieren. Ihre Verbindungen sollen künftig in
Düsseldorf oder Leverkusen halten. Nach einer guten Portion Galgenhumor
klingen die Stationsnamen, die die Geschäftsführung für die neuen
Anfahrpunkte erwägt: Klein-Köln oder Alt-Köln.

Im Ruhrgebiet ist der Ärger eher verhalten

Die Verwaltung der Domstadt verteidigt die Schließung des Omnibusbahnhofs am
Breslauer Platz. Nicht nur städtebaulich habe man Neues vor, zum Beispiel
mehr Platz für Taxen und Kurzparker zu schaffen. Die Zahl der Unfälle an der
Bushalte habe auch zugenommen. „Sicherheitsbedenken“ sprächen gegen einen
weiteren Betrieb. Der Haltepunkt Flughafen, so folgte das von vier
Busbetrieben angerufene Verwaltungsgericht der Rathaus-Argumentation, sei
„angemessen“. Die Busfirmen behalten sich weitere rechtliche Schritte vor.

Auch in anderen Städten schwelt Ärger um die Bushaltestellen. Im Ruhrgebiet
ist er aber eher verhalten. In Essen zum Beispiel müssen Fernbus-Reisende,
die sich mit dem Taxi zur Haltestelle bringen lassen, mit ihren Koffern über
die breite Krupp-Straße 50 Meter laufen, bevor sie die Busse erreichen. Das
hat zu Beschwerden geführt. Die Stadt sieht hier keine andere Möglichkeit.

In Duisburg kam es zu einer monatelangen Rangelei. Jetzt ist aber klar, dass
der Busbahnhof am Hauptbahnhof in etwa dort (an der Mercatorstraße) bleibt,
wo er bisher war. In Dortmund wurden die Fernbus-Stopps auf die Nordseite
des Hauptbahnhofs verlegt. Der Grund: Man brauchte den alten Platz für das
neue Fußball-Museum.

Fernbusse befördern an die 20 Millionen Kunden im Jahr

Die Zulassung der Fernbusse hat seit der Privatisierung von 2011 alle
Erwartungen in den Schatten gestellt. Bundesweit gibt es 264 Linien. Sie
befördern schon an die 20 Millionen Kunden im Jahr. Busbenutzer sind vor
allem junge Fahrgäste oder viele mit Migrationshintergrund. Denn die Touren
sind preiswert, teilweise schon für 9 Euro auf der Fernstrecke zu haben.

Politisch brisant sind aber die Strecken von Stadt zu Stadt, auf denen die
Busse den staatlich finanzierten Regionalbahnen Konkurrenz machen - wie
Hamburg-Bremen, Frankfurt-Mainz oder bisher Dortmund-Köln. Denn dort rollen
sie schon vielfach für fünf Euro. Kein RE-Ticket (Dortmund-Köln 23,30 Euro)
kann da mithalten.

Bundesweit gilt das als Problem. Die Bahn rund um München, die die
Konkurrenz vor allem auf Voralpenstrecken fürchtet, hat schon heimlich
Zählungen veranstaltet. Die Bahnen können aber wenig machen: Nach dem Gesetz
ist es Fernbussen nur verboten, Strecken unter 50 Kilometer zu bedienen.

Zwischen 15 und 30 Prozent der Fernbus-Kunden gelten als frühere
Regionalbahn-Reisende, haben Untersuchungen festgestellt.



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