NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 132/15 | 6. NOVEMBER 2015
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Umwelt/Verkehr
NABU fordert vor Erörterung zur Fehmarnbeltquerung Neubewertung von
Europas größtem Bauprojekt
Miller: Fehmarnbeltquerung bleibt infrastrukturell überflüssig 
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Berlin/Kiel – Mit Blick auf den Beginn der Erörterungstermine  im
Planfeststellungsverfahren zur geplanten festen Fehmarnbeltquerung am 9.
November fordert der NABU eine Neubewertung des Vorhabens. Besonders
wegen der erheblichen Auswirkungen auf das europäisch geschützte
„Flora-Fauna-Habitat-Gebiet 1332 Fehmarnbelt“ lehnt der NABU eine
feste Verbindung zwischen der dänischen Insel Lolland und der deutschen
Insel Fehmarn entschieden ab. 
 
Der NABU sei nicht grundsätzlich gegen den Ausbau von
Verkehrsinfrastruktur, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.
Mammut-Projekte wie dieses müssten aber neben den ökologischen auch aus
ökonomischen Gründen  tabu sein. „Die Verkehrsprognosen für das
gigantische Tunnelprojekt sind lächerlich gering. Deswegen ist die
Fehmarnbeltquerung auch aus Verkehrssicht überflüssig, weil sie eben
nicht nur  ökologisch höchst riskant ist, sondern gleichzeitig
planerisch überdimensioniert. Die einzigen, die davon profitieren
werden, sind die Baukonzerne“, so Miller. 
 
Der NABU kritisiert zudem, dass für das Mammut-Projekt EU-Fördergelder
in Milliardenhöhe fließen sollen. Dies sei den Bürgern angesichts der
Debatte um Arten- und Lebensraumverluste sowie dem Klimawandel kaum mehr
zu vermitteln. Vor allem, wo die bestehenden Straßen und Schienenwege
seit Jahren immer maroder werden. 
 
„EU-Fördergelder für Projekte des Transeuropäischen Transportnetzwerks
(TEN-T) sind an klare Kosten-Nutzen-Verhältnisse gebunden, daher kann
die Rechnung allein angesichts der jüngsten gewaltigen
Kostensteigerungen von 5,5 auf 7,4 Milliarden Euro (ohne
Hinterlandanbindungen) und der marginalen Verkehrsprognosen gar nicht
mehr aufgehen. Eine übergreifende Gesamtüberprüfung der
Fehmarnbeltquerung auf deutscher und dänischer Seite mit Querung und
Hinterlandanbindungen ist überfällig“, so Miller weiter. Dass der
Staatsvertrag eine angemessene Alternativenprüfung wie die der
bestehenden „Jütlandroute“ über die Storebeltbrücke quasi aushebele, sei
ungeheuerlich. Auch dass Dänemark alles daran setze, den Tunnel vor
allem mit den höheren Mauteinnahmen aus dem Straßengüterverkehr zu
refinanzieren, widerspreche völlig dem Ansatz der EU, Verkehr von der
Straße auf die Schiene zu verlagern. 
 
„Seit der ursprünglichen Planung haben sich die Rahmenbedingungen des
Projektes erheblich verändert. So kann die zugrunde gelegte
'Staubsaugerwirkung' der Fehmarnbeltquerung, die auch aus ökologischer
Sicht überaus kritisch zu sehen ist, gar nicht mehr eintreten, weil sich
die Verkehrswege im Ostseeraum gerade im Laufe der letzten Jahre stark
ausdifferenziert haben. Zudem wird die Fährlinie der Reederei
Scandlines, die kürzlich auf umweltfreundlichen Hybridantrieb umgerüstet
wurde, entgegen der ursprünglichen Annahme des Vorhabenträgers, mit dem
geplanten Tunnel konkurrieren. Die Fehmarnbeltquerung ist daher heute
noch viel überflüssiger als vor zehn Jahren“, sagte Malte Siegert, NABU
Fehmarnbelt-Experte.
 
Seit über einer Dekade engagiert sich der NABU gegen eine feste
Fehmarnbeltquerung und ist fest entschlossen, das Vorhaben mit allen dem
Verband zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern. Der NABU bewertet
die vom Vorhabenträger vorgelegten Unterlagen, die im Erörterungstermin
diskutiert werden sollen,  in Teilen als völlig unzulänglich. Auch der
BUND unterstützt diese ablehnende Haltung. BUND-Verkehrsexperte Werner
Reh: „Die jetzigen Planungen widersprechen völlig den Zielen des
ursprünglich als Eisenbahnprojekt geplanten Vorhabens. Die
Hinterlandinvestitionen dürfen daher nicht gefördert  werden, denn sie
widersprechen auch den Zielen des Bundesverkehrswegeplans 2015.“
 
Mehr Infos:
https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/verkehr/verkehrsinfrastruktur/index.html
 
Infos für Journalisten:
Der Erörterungstermin beginnt am 9. November 2015 um 9.00 Uhr in der
Halle 400, An der Halle 400 1 , 24143 Kiel. Ab 8.00 Uhr steht
Fehmarnbelt-Experte Malte Siegert vor der Halle 400 für weitergehende
Fragen und Interviews zur Verfügung.
 
Für Rückfragen:
Malte Siegert, NABU Fehmarnbelt-Experte, Tel. +49 (0)40.69708915 oder
Mobil +49 (0)173.9373241, E-Mail:  [email protected]
 
Nikola Vagt, NABU Fehmarnbelt-Expertin, Mobil +49 (0)176.2373 2207,
E-Mail: 
[email protected] 



 
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