NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 72/17 | 26. JUNI 2017
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Umwelt/Fehmarnbelt-Querung
NABU: Nächste Erörterungsrunde in Lübeck - Schwachstellen am
Fehmarnbelt
Miller: Viele offene Fragen beim Planungsverfahren
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Lübeck – Am 27. Juni 2017 startet in Lübeck die nächste
Erörterungsrunde zur geplanten festen Fehmarnbeltquerung. Nötig
geworden ist der zweite Aufschlag, weil über 12.000 teils umfangreiche
Einwendungen mit gewichtigen Argumenten gegen das Groß-Projekt die
Planfeststellungsbehörde zwangen, erneut wesentliche offene Fragen mit
Umweltverbänden, Betroffenen und Vorhabenträger zu besprechen. Die große
Menge qualifizierter Einwendungen hat aus Sicht des NABU zwei Dinge
deutlich gemacht: Zum einen hat der Vorhabenträger, die staatseigene
dänische Bau- und Betreibergesellschaft Femern A/S,  nach wie vor
keine schlüssigen Antworten auf Fragen u.a. zur Tunnelsicherheit, zum
baubedingten Einfluss auf den streng geschützten Ostseeschweinswal und
zur erheblichen Sedimentation durch über 20 Millionen Kubikmeter
Meeresboden, die mitten in einem europäischen Schutzgebiet ausgebaggert
werden. Zum anderen ist der Widerstand in der Region trotz der zuvor
diskriminierenden Stellungnahmefrist mitten in den Sommerferien 2016
entgegen des Kalküls von Vorhabenträger und Landesplanungsbehörde nicht
kleiner geworden, sondern extrem gewachsen. 
 
„Nach wie vor sind viele Fragen offen. Die Beteiligung der
Öffentlichkeit durch die Behörde ist mehr eine
Beteiligungsverhinderung. Leider zeigt sich erneut, wie verschworen
Vorhabenträger und Landesplanungsbehörde entgegen des zur Unabhängigkeit
verpflichtenden rechtlichen Auftrags zusammenarbeiten. Es fehlt ein
unabhängiger Sachwalter, der nicht nur Wirtschaftsinteressen angemessen
schützt, sondern auch Natur und Umwelt“,  sagt
NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. 
 
Angesichts des hoch risikobehafteten dänischen Finanzierungsmodells mit
engem Zeitkorsett stünden deutsche Behördenangestellte bei der
Fehmarnbeltquerung unter großem Druck. Dänemarks Politik hat mehrfach
Einfluss auf das Verfahren sowohl in Kiel als auch beim
Bundesverkehrsminister in Berlin genommen. Dies ist politisch wie
fachlich inakzeptabel, hinterlässt es doch sichtbare Spuren im
Genehmigungsprozess. Am Ende steht ein Planfeststellungsbeschluss mit
großen Risiken, der zur Rettung des Naturerbes nur durch Klagen zu
stoppen ist: traurige Logik eines Systems, bei dem die Vorhabenträger
nur ihnen genehme Gutachter beauftragen und eine abhängige Verwaltung
allein die Interessen der Planer vertritt. 
 
„Deswegen müssen wir doppelt so gut arbeiten, doppelt so gut aufpassen
und doppelt so hart kämpfen, um für den Schutz von Mensch und Natur
erfolgreich tätig werden zu können“, sagt Malte Siegert,
Fehmarnbeltexperte des NABU. Der NABU sei deshalb für die zweite Runde
des Erörterungstermins und wahrscheinlich unausweichliche juristische
Auseinandersetzungen bestens vorbereitet.
 
Ein ernstzunehmender Umgang mit den berechtigten Erwartungen des NABU
ist in der Erwiderung des Vorhabenträgers auf die Stellungnahme des NABU
nicht erkennbar. So fehle weiterhin eine europarechtlich vorgeschriebene
Strategische Umweltprüfung (SUP), die durch den deutsch-dänischen
Staatsvertrag in rechtlich unzulässiger Weise ausgehebelt wurde. Es
fehle angesichts des zu erwartenden viel geringeren Verkehrsaufkommens
auch der Bedarf, zumal das auf einem Monopol basierende Geschäfts- und
Finanzmodell von Femern A/S jetzt schon  durch die angekündigte
Aufrechterhaltung der Fährverbindung durch Scandlines hinfällig sei. 
 
„Die Art des Umgangs mit so offensichtlichen Schwachstellen wird
Politik wie Planern auf die Füße fallen. Das Vorhaben ist inklusive der
Hinterlandanbindungen mit rund vierzehn Milliarden Euro absurd teuer,
infrastrukturell überflüssig,  aus ökologischer Sicht unverantwortlich
und verstößt auch noch gegen nationales und europäisches Recht“, so
Siegert. 
 
Weitere Informationen: www.NABU.de/fehmarnbelt (
http://www.nabu.de/fehmarnbelt ) 
 
Für Rückfragen:
Malte Siegert, Leiter Umweltpolitik NABU Hamburg, Mobil +49
(0)0173-9373241, E-Mail: [email protected]
 
 
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