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> APA0108 5 KI 0584 WI Fr, 26.Feb 2010
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> Kultur/Kulturpolitik/Hintergrund/Wien/Kommunales/Interview
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> departure-Chef Thun-Hohenstein will nicht in die Politik wechseln
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> Utl.: "Sehe mich als Querverbinder und Vernetzer" - Auch Wechsel an
> Spitze der Auslandskultur derzeit "kein Thema" - "Fanatischer
> Verfechter eines zeitgenössischen Umgangs mit Tradition" =
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> Wien (APA) - Seit etwas mehr als zwei Jahren leitet Christoph
> Thun-Hohenstein die Agentur departure. Die 2003 gegründete
> Tochtergesellschaft des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds genießt heute für
> ihre regen Aktivitäten bei Entwicklung, Vernetzung und Förderung der
> Kreativwirtschaft einen ausgezeichneten Ruf. Auch der Werdegang des heute
> 50-Jährigen sorgt dafür, dass er derzeit hinter den Kulissen als heißer
> Kandidat für kulturpolitische Jobs gehandelt wird: Das Österreichische
> Kulturforum New York, das er 1999 bis 2007 leitete, war schon für Wolfgang
> Waldner und Peter Marboe Karriere-Sprungbrett. Doch im Gespräch mit der APA
> winkt Thun-Hohenstein ab: "Das ist für mich kein Thema!"
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> Für die neu ausgeschriebene Leitung der Auslandskulturabteilung wird sich
> der Diplomat, der ein Rückkehrrecht ins Außenministerium hat, nicht
> bewerben. "Ich habe den interessantesten Job, den das Außenministerium
> kulturell zu vergeben hat, acht Jahre lang gemacht und alles dabei gegeben",
> verweist Thun-Hohenstein auf seine Tätigkeit im Big Apple. Und der Posten
> des Kulturstadtrats, der nach den Wiener Wahlen zur Disposition stehen
> dürfte? "Ich sehe mich eher nicht in der Politik, sondern als Querverbinder
> und Vernetzer. Meine Überzeugung war immer, dass man in der Politik gut
> verankert sein muss, um in einem politischen Job etwas bewegen zu können.
> Wenn man keiner Partei angehört, halte ich das für schwierig."
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> Freilich hat der in Kärnten geborene Doppel-Doktor (Rechtswissenschaft sowie
> Politikwissenschaft und Kunstgeschichte) auch eigene kulturpolitische
> Vorstellungen. "Ich bin ein fanatischer Verfechter eines völlig
> zeitgenössischen Umgangs mit Tradition." Er schwärmt von Michael Hanekes
> Pariser "Don Giovanni"-Inszenierung und freut sich darauf, kommende Woche an
> der Metropolitan Opera Verdis "Attila" im Bühnenbild von Herzog & de Meuron
> und in Kostümen von Miuccia Prada sehen zu können. "Man muss immer darauf
> achten, dass sich in der Hochkultur nicht Routine einschleicht. Eine
> Laborsituation, bei der man grandios gescheitert, ist sicher interessanter
> als die fünfzigste verstaubte Geschichte."
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> Österreich investiere aber auch relativ viel in die junge Szene, sagt
> Thun-Hohenstein und verweist auf den Erfolg von Open Spaces als
> Künstlerförderung oder auf departure-Leitprojekte wie die "curated
> by"-Reihe, die zur nächsten Viennafair an der Schnittstelle von Kunst und
> Film Impulse geben soll. departure ist genau dort aktiv, wo es um die
> Zukunft geht: zwischen Wirtschaft und Kunst, bei der Entwicklung von
> Innovationen, beim Einsatz von Kreativität, die profitabel gemacht werden
> soll. "Wir sind nicht für den Not-for-Profit-Bereich da. Wir sind keine
> Gießkanne für alle, sondern Qualitätsförderer, die etwas Aufstiegshilfe
> geben. Damit ist aber auch klar, dass wir keine Alternative zum bestehenden
> Subventionssystem sein können."
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> Seit dem Start der Förderprogramme wurden über departure 251 Unternehmen mit
> rund 16,2 Mio. Euro gefördert, das damit angeregte private
> Investitionsvolumen soll rund viermal so groß sein. Die öffentliche Trennung
> in Wirtschafts- und Kulturförderung werde man auch künftig nicht völlig
> abschaffen können, ist Thun-Hohenstein überzeugt, schließlich gelte es, das
> strenge Wettbewerbs- und Beihilfenrecht der EU zu beachten. In der
> Kulturszene sieht er Verbesserungspotenzial vor allem im Umgang miteinander:
> "Hier regiert das Gefühl, der eine nimmt dem anderen etwas weg. Bestimmte
> Institutionen kriegen viel Geld - und reden kaum miteinander. Ich finde es
> schade, dass wir eine Unkultur der Nichtvernetzung haben."
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> Doch das sind kleine Wermutstropfen. Wenn der groß gewachsene Ex-Diplomat
> über die Fördercalls, Netzwerkaktivitäten und Leitprojekte von departure
> spricht, sprüht er ganz undiplomatisch vor Begeisterung. Und man zweifelt
> nicht daran, dass er es ernst meint, wenn er sagt: "Ich glaube, es ist ein
> Erfolgsmodell."
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> (Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)
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> (S E R V I C E - http://www.departure.at)
> (Schluss) whl/har
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> APA0108 2010-02-26/08:27
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> 260827 Feb 10
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