Filmprogramm im Rahmen der Ausstellung "Die Ästhetik des Widerstands" in der
IG Bildende Kunst

Sonntag 16. März 12:00 -20:00 Uhr
Arbeiterkino am Sonntag

TOP-KINO
Rahlgasse 1, 1060 Wien

Um die Jahrhundertwende beflügeln deutlich sichtbaren sozialen Missstände
und die Frage, wie man damit umzugehen hat, in Wien und Berlin gleichermaßen
die Entstehung von Arbeiterbünden und Arbeiterbildungsvereinen. Film war das
neue Medium und zahlreiche neu gegründete Filmarbeitsgruppen suchten mit dem
„proletarische Film“ dem „bürgerlichen Film“ eine eigene Macht entgegen zu
stellen. Auftraggeber der Filme waren in der Regel die KPD, die SPD, die
SDAPÖ, Gewerkschaften und linke Organisationen. Beim Volksfilmverband (VFV)
in Berlin trafen österreichische und deutsche Filmemacher und Filmautoren
aufeinander und arbeiteten an einer neuen proletarischen Filmästhetik, die
sowohl linke Ideale verbreiten als auch Unterhaltung für die Arbeiter bieten
sollte. Der deutsche Filmregisseur Phil Jutzi nannte die Filmarbeit eine
„Mission“, der „kulturellen Entwicklung der Menschheit zu dienen“. Und der
österreichische Filmemacher und „Bildschneider“ Albrecht Viktor Blum
montierte Bilder aus Filmen und Wochenschauen zu neuen propagandistischen
Sinnzusammenhängen zusammen.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten endete die Geschichte des
proletarischen Films. Doch in den 60er und 70er Jahren wurde die Idee des
„Proletarischen Films“ von jungen deutschen Filmemachern, insbesondere an
der dffb, neu aufgegriffen. 1974 wird der Basis-Film Verleih und Produktion
in Berlin gegründet. „Aufgabe der nichtgewerblichen Filmarbeit ist es,
Zuschauer zu qualifizieren, qualifizierte Filme zu sehen“ ist das
selbstgewählte Motto. Produziert werden sollen realistische Filme über den
alltäglichen Klassenkampf, die 1. die Arbeits- und Lebensverhältnisse der
Lohnabhängigen beschreiben und 2. sich im sozialen Kampf auf Seiten der
Lohnabhängigen engagieren.

Wir wollen eine kleine Auswahl dieser Filme im Kontext der Ausstellung „Die
Ästhetik des Widerstands“ vorstellen und sie ins Verhältnis setzen zu
neueren Produktionen aus Film und Kunst. Unser Ziel ist es anhand der
Filmdokumente die Ideen und Ziele der Arbeiterbewegung und die Konzepte der
Arbeiterbildung in der Gegenwart neu zu verhandeln.

PROGRAMM

12:00 EINFÜHRUNG
12:30 PROLETARISCHES KINO 1920-30

AUSRUFUNG DER REPUBLIK WIEN, Dokumentarfilm A 1918, 2,46 min, stumm, DVD
(Verleih: Filmarchiv Austria)
Filmdokument von der Massenkundgebung am 12. November 1918, aufgenommen im
Auftrag des Staatsrates

NAMENLOSE HELDEN, Spielfilm A 1924, 14,39 min, Fragment, stumm, DVD
(Verleih: Filmarchiv Austria)
Der Film schildert, wie der Krieg das glückliche Leben des deutsche Arbeites
Scholz und seiner Familie zerstört

IM SCHATTEN DER MASCHINE, Kompilationsfilm: Regie: Albrecht Viktor Blum, A
1928, 18,5min, 16mm
Verleih: Österreichisches Filmmuseum
Im Schatten der Maschine von Albrecht Viktor Blum und Leo Lania basiert auf
Ideen von Dziga Vertov und zum Teil auf Material aus dessen Film Das elfte
Jahr, was eine heftige Kontroverse über die eigentliche Urheberschaft des
Werks provozierte. Mit den Mitteln der Montage und neu angeordneten
Zwischentiteln deuten der Autor Blum die Bilder der verwendeten Filme und
Wochenschauen propagandistisch um.

KUHLE WAMPE ODER: WEM GEHÖRT DIE WELT?, Spielfilm, Regie: Slátan Dudow,
D1932, 71min, DVD (Verleih: Arsenal Filmverleih)
Ein Filmwerk aus der Zeit der Weimarer Republik, das zum Genre des
Proletarischen Films zählt. Es ist eine Mischung aus Spiel-, Dokumentar- und
Propagandafilm, angereichert mit Elementen eines Musikfilms. Der Film
erzählt in das Leben der Arbeiterfamilie Bönicke unter den Bedingungen der
Weltwirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit.

14:15 DISKUSSION

15:00 PAUSE

15:30 EINFÜHRUNG ZWEITER TEIL

16:00 ARBEITERKINO 1960-1970

ZWISCHEN ZWEI KRIEGEN, Regie: Harun Farocki, D 1978, 85 min, DVD Verleih:
Generali – Foundation, Dr. Doris Leutgeb
Der Film verfolgt eine Rationalisierungsidee für den Eisenverhüttungsprozess
durch die Geschichte der Weimarer Republik. Er rekonstruiert die Gedanken,
die sich fortschreitende und stillstehende Industrie, organisierte und
vereinzelte Arbeiterschaft zu dieser Frage machen und untersucht die
ökonomischen Ursachen des Faschismus.

EINE PRÄMIE FÜR IRENE, Regie: Helke Sander, D 1971, 45min, DVD Verleih:
Arsenal Filmverleih
Der Film beschreibt sowohl die Situation zu Hause als auch am Arbeitsplatz
und die Konflikte die sich zwischen beiden ergeben. Er war gedacht als
Kritik an Arbeiterfilmen, wie sie damals an der dffb entstanden, die nur auf
die Situation am Arbeitsplatz bezogen waren und nie die auf die Situation
von Frauen. Es ist der erste Film, der die Diskussion der Frauenbewegung
über den Zusammenhang zwischen privatem und öffentlichem Bereich aufnimmt.

18:15 DISKUSSION

19:00 FILM UND KUNST ZUM THEMA ARBEIT DER GEGENWART

DIE UNSICHTBARE HAND, Spielfilm, Regie: Dirk Lütter, D, 2010, 22min, 35mm
Der erfolglose Mittdreißiger Marc lernt als Testkäufer auf seinen langen
Überlandfahrten die Feinheiten des Geschäfts, seine drei Kollegen und die
ostdeutsche Provinz kennen. Als sie eine Verkäuferin auf frischer Tat
ertappen, wird die Arbeit für die anderen erst richtig interessant, und Marc
muss eine grundsätzliche Entscheidung treffen.

IN ARBEIT / EN CONSTRUCTION / W TOKU / LAVORI IN CORSO, TEIL 2,
Dokumentarfilm, Regie: Minze Tummescheid, Arne Hector, 2012, 53 min, DVD
Um die Möglichkeiten des gemeinsamen Handelns zu erforschen, haben Minze
Tummescheit und Arne Hector ein Ketteninterview begonnen. Der erste
Interviewpartner führt das Filmteam zum zweiten und so fort. Alle verbindet
die Arbeit in kooperativen Strukturen. Die wichtigste Frage, die sie
verhandeln, ist die ihrer Legitimation: Ist es sinnvoll und überhaupt
möglich, sich außerhalb des industriellen Fortschritts, der politischen
Öffentlichkeit oder des Weltmarkts zu verorten?

20:15 DISKUSSION (mit Arne Hector)


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DIE ÄSTHETIK DES WIDERSTANDS
Ausstellung und Veranstaltungsprogramm zum Roman„Die Ästhetik des
Widerstands“ von Peter Weiss
initiiert von Julia Lazarus und Moira Zoitl

Galerie IG Bildende Kunst, Gumpendorfer Straße 10–12, 1060 Wien.
5.Februar bis 21.März, Öffnungszeiten Di + Mi 13 bis 18 Uhr; Do + Fr 10 bis
15 Uhr
<http://www.igbildendekunst.at/kunst/ausstellungen-2014/aesthetik-des-widers
tands.htm> 
http://www.igbildendekunst.at/kunst/ausstellungen-2014/aesthetik-des-widerst
ands.htm



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