> Gesendet: Samstag, 11. Januar 2025 um 21:12 > Von: "Markus via Talk-de" <[email protected]> > An: "Florian Lohoff" <[email protected]>, "Markus via Talk-de" > <[email protected]> > CC: Markus <[email protected]> > Betreff: Re: [Talk-de] Genauigkeit der Koordinaten in der OSM-DB > (Nachkommastellen) > > Übrigens: Meter-Angaben mit 15 Nachkommastellen entsprechen der > Genauigkeit, die mit einem Elektronenmikroskop maximal erzielbar sind > und das ist ja nicht so geeignet fürs Mapping - auch nicht für > Mikromapping ;-) > Es geht im Kontext OSM nicht um diese 15 Nachkommastellen, diese werden hier nur deshalb theoretisiert, weil mit der Einführung einer achten Nachkommastelle, der Datentyp double statt float gewählt wird. Die Rechner wurden nicht mit OSM im Hinterkopf, und der Maßgabe gebaut, dass es Fließkommazahltypen mit Längen zwischen denen von float und double bräuchte. https://en.wikipedia.org/wiki/Double-precision_floating-point_format ordnet den Begriff "float" keiner spezifischen Präzision (mehr) zu, dort wird unterschieden zwischen half - 16bit single - 32bit double - 64bit quadruple - 128bit octuple - 256bit Synonym dazu wird "float" mit den Bitbreiten ge-suffixed, also float16, float32, etc. - was eindeutiger ist, als zu riskieren, dass "float" von einem neueren Compiler beispielsweise in einen breiteren Typ als 32-bit umdefiniert wird (das gab es bereits mit int - ursprünglich 16bit breit, später ohne Namensänderung auf 32bit aufgebohrt) Zumindest nativ gibt es auf den populären Rechnern keinen Fließkomma- zahltyp der, hypothetisch für OSM nützlich, zwischen 32bit und 64bit angesiedelt wäre. Die zwei Gründe, die ad hoc einfallen, die API der OSM Datenbank so anzupassen, dass sie eine weitere Nachkommastelle unterstützt, wären imho: - Vermeidung von Fehlerfortpflanzung, ungewollte Verschiebungen durch Maschinenrundung - der Wunsch auch am Äquator höher als 10cm aufzulösen Ob der Aufwand den Nutzen rechtfertigt, müssen diejenigen be- urteilen, die eine Änderung dahingehend bewirken wollen. Allerdings wirkt es auch nicht sonderlich kunstfertig, wenn große Teile der Toolchain komplett mit "double", also float64 arbeiten, aber gerade das Datengrab/Backend nicht: Die Frage nach der Sinnhaftigkeit lässt sich aus diesem technischen Blickwinkel auch umgekehrt aufzäumen: Welchen Sinn macht es, diese historisch gewachsenen 7 Nachkomma- stellen im Backend zu halten, wenn das restliche Ökosystem mit 15 arbeitet? Das erscheint aus technischer Sicht wenig ästhetisch. Andererseits kann aus anderen Gründen eine höhere Präzision auch unerwünscht sein, weil dies evtl. als Einladung zu Anwendungen und Applikationen verstanden wird, die ethisch nicht mit den Grundsätz- en von OSM vertretbar sind. Da es für die eine oder die gegenteilige Design-Entscheidung nicht zwangsläufig einen singulären, lapidaren Grund gibt, kann auch die einfach formulierte Frage nach der Sinnhaftigkeit zu Antworten führen, die zunächst nicht offensichtlich oder gar widersprüchlich sind. OpenStreetMap hat als wichtiger Konkurrent zum kommerziellen Google Maps damals wie heute Optionen, eine Alternative bereitgestellt. Damals haben viele gefragt: "Wieso OpenStreetMap?" .. es gibt doch Google Maps. Als es um die Vereinnahmung _öffentlicher_ Daten durch Tech-Konzerne ging, hat auch kein Beteiligter im Projekt nach der "Sinnhaftigkeit" gefragt. Wichtig war es, Leute zu befähigen, selbst Initiative zu ergreifen und sich Themen wie informationelle Selbst- bestimmung nicht aus der Hand nehmen zu lassen. Womit ein weiterer Aspekt genannt wäre, unter dem die ursprüngliche Frage beleuchtet werden kann: Soll das Backend Nutzern die Fähig- keit nehmen, Daten mit einer Präzision im 1cm oder im Millimeter- bereich abzuspeichern? Wenn die Technik dadurch nicht in Mitleidenschaft gezogen wird, ließe sich hier argumentieren, dass die Technik nicht _limitierend_ sondern _befähigend_ wirken solle. D. h. keine technische Vorgabe soll abschließend entscheidend, sondern derjenige, der die Tools verwendet. Unter der Maßgabe, dass es sich um ein Ökosystem mit zahlreichen Teilnehmern handelt, wird es so sein, dass eine große Gruppe keine höhere Genauigkeit bei der Speicherung der Koordinaten im Backend braucht, oder sich nicht vorstellen kann, wozu diese nützlich sein könnte. Andererseits bedeutet die Nicht-Verfügbarkeit derselben auch, dass niemand zeigen könnte, wozu das evtl. doch öffentlich nützlich ist. Der bisherige Software-Stack ist eher mächtig, die Bearbeitungs- und Filterwerkzeuge sind zahlreich. Ein Datentrafo, der vorhandene Präzision vernichtet, also float32 mittels float16 beschneidet, ist einfach geschrieben. Die Umkehrung, Präzision hinzuzufügen, wo sie ggf. doch benötigt wird, ist schwieriger. Projekte, welche z.B. 3D-Modelle in andere Datenbanken ausgelagert haben, zeigen auf, dass es mit Verlinkung/Referenzierung grundsätzlich funktioniert, allerdings ist das oft keine generische, sondern eine anwendungs- bezogen spezifische Lösung. Gruß _______________________________________________ Talk-de mailing list [email protected] https://lists.openstreetmap.org/listinfo/talk-de
Re: [Talk-de] Genauigkeit der Koordinaten in der OSM-DB (Nachkommastellen)
Christian Müller via Talk-de Sat, 11 Jan 2025 15:57:42 -0800
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