Kannst Du dir vorstellen, Julia, dass ich es (als PIRAT) als persönliche
Beleidigung empfinde, dass mir vorgeworfen wird, ich wäre son Typ, der
der Ansicht ist, Frauen könnte man entspannen, indem man sie "hart
durchfickt"?
Kannst Du dir vorstellen, Julia, dass ich es (immernoch als PIRAT) als
persönliche Beleidigung empfinde, dass mir zumindest vorgeworfen wird,
ich würde solche Reden zumindest tolerieren und mich auch regelmäßig mit
Menschen abgeben, die dieses "Gedankengut" pflegen?
Das ist Teil des Problems. Jeder Pirat bezieht kritische Äußerungen über
die definitiv vorkommenden Diskriminierungen und Relativierungen auf
sich selbst. Oder, um aus dem offenen Brief zu zitieren:
Und weil diese Piraten die Äußerungen als Angriff auf sich selbst
verstehen, greifen sie im Gegenzug die Kritiker an, die sich einfach nur
Luft machen, dass sie sich bei den Piraten aufgrund dieser häufigen
diskriminierenden Äußerungen und der fehlenden Solidarität unwohl
fühlen. Vielen Piraten ist es offensichtlich wichtiger, die Piraten zu
verteidigen, als die diskriminierende Äußerung zu verurteilen, weil man
damit ja Aufmerksamkeit auf diskriminierende Äußerungen in der
Piratenpartei lenkt und das dem Ansehen der Piraten schadet, mit denen
man sich so identifiziert. Wir müssen da hin kommen, dass Opfern von
Diskriminierung beigestanden wird, ohne jedes verdammte mal "aber das
sind ja nur bedauerliche Einzelfälle" nachzuschieben. Wie du selbst
sagtest, alles vor dem aber zählt nicht.
Kurzfassung: Du kannst es offenbar nicht verstehen. Schade.
Langfassung: Ich verteidige nicht die PIRATEN, ich verteidige MICH. Und
zwar vor dem Vorwurf, ich sei (stets und ständig) ein Rassist und
Sexist. Ein Vorwurf, den ich in der öffentlichen Wahrnehmung als JuPi
mittrage. Ich spreche auch nicht von "bedauerlichen Einzelfällen",
sondern ich spreche davon, dass ich es bislang nicht unwidersprochen
erlebt habe. Und das Beispiel aus Bayern zählt nicht, denn die Scheiße
hat genug gestürmt, als dass ich es tatsächlich mitbekommen habe. Ebenso
bei #kevingate, da hat die Olchokratie im Dicken Engel ebenfalls so
deutlich widersprochen, dass ich es als "Hetze" bezeichne. Offenbar bin
ich der Einzelfall, der es noch nicht erlebt hat, dass solche
Bemerkungen übergangen und nicht thematisiert werden. Aber gerade, weil
ich der Ansicht bin, dass meine Umgebung und auch ich selbst auch gegen
diese Tendenzen vorgehen, wo sie auftreten, trifft mich ein solcher
Brandbrief, in dem meine Bemühungen in den derbsten Worten relativiert
werden, hart.
Und kannst Du Dir ebenfalls vorstellen, dass ich als JuPi es als einen
Schlag ins Gesicht empfinde, dass mir das nicht nur vorgeworfen wird,
sondern dass ich es mir durch einen offenen Brief "der JuPis" sogar
SELBST vorwerfe? Und das nicht, weil ich in einer Abstimmung der
Mehrheit unterlag, sondern weil eine nicht näher spezifizierte
Minderheit ohne Kommunikation mit dem Rest des Vereins einen Brandbrief
schreibt.
Und jetzt willst Du mir allen ernstes erklären, dass sei auch noch gut so?
Du sagst mir also es ist gut, dass ich (als Teil der JuPis) mir (als
Teil der PIRATEN) in üblen Worten Sexismus und Rassismus vorgeworfen
habe, weil es jetzt thematisiert werden kann, für den theoretischen Fall
dass ich in einer nicht näher spezifizierten Zukunft einmal sexistisch
oder rassistisch werden könnte?
Glaubst du wirklich, dass du in dieser Hinsicht perfekt bist und nie
eine Minderheit diskriminierst? Ich kann das nicht von mir behaupten,
weshalb ich mir das selbstverständlich vorwerfe. Wenn du wirklich völlig
frei von Diskriminierung bist, dann bezieh die Kritik einfach nicht auf
dich, sondern auf die übrigen Jungen Piraten, die nicht perfekt sind.
Allein mein Hang zu Zynismus und Sarkasmus bedingt, dass ich einer Menge
Leute auf die Füße trete; nein, ich bin nicht perfekt. Aber dieser
Brandbrief ist keine Kritik, er ist ein offener Schlag ins Gesicht; eine
Beleidigung (s.o.). Und ich lasse mich einfach ungern beleidigen, das
gehört nicht zu dem Repertoire des Umgangs, dem ich begegnen möchte.
Ich verteidige hier wohlgemerkt _nicht_, dass der Offene Brief hier im
Voraus so schlecht kommuniziert wurde. Das hat mich auch sehr geärgert.
Aber du zeigst genau die Abwehrreaktion, für die der Brief
sensibilisieren will. Das macht dich nicht zum Rassisten oder Sexisten,
aber du kannst in Zukunft mehr dazu beitragen, ein für alle angenehmes
Klima zu schaffen, wenn du diesen Mechanismus durchschaust.
Exakt das tust Du; auch indem Du mich mit meiner angeblichen
"Abwehrreaktion" (ein weiteres Mal) in die Ecke der Angegriffenen
stellst und von meiner substantiierten Kritik an Form und Geschichte
zurückweist. Was sich übrigens durch überwiegenden Rest der hier
Diskutierenden zieht.
Ich versuche seit gefühlt zwei Tagen, zu ergründen, wie ein PR-Supergau
und völlig intransparente und exkludierende Arbeitsmethoden
zusammenhängen. Was zurückkommt ist die Rede von einem bedauerlichen
Einzelfall (fällt uns da 'was auf?) und Angriffe, die mich subtil in die
Ecke der Angegriffenen drängen, um meine Kritik als "Abwehrreaktion"
abtun zu können. Schön, dass wir 'drüber gesprochen haben.
--
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