Es würde der Sache auch etwas drive nehmen, wenn es nicht so viele Menschen 
gäben, die das als Generalangriff gegen sich auffassen würden. In dem offenen 
Brief geht es ja explizi mit "Immer wie­der fal­len Mit­glie­der der 
Par­tei...". Ich bin Mitglied "der Partei", und ich kenne meine Positionen in 
diesem Bereich. Ich fühle mich daher auch nicht angegriffen. Warum sollte ich 
denn auch? Ich weiß, dass ich nicht angegriffen bin und das Konzept der 
Sippenhaft schon seit ner ganzen Weile aus der Mode ist, und ich sehe durchaus, 
dass hier ein massives Problem vorliegt - schließlich muss ich mich wegen 
solchen Themen ständig gegenüber den Grünen in meinem Bekanntenkreis 
rechtfertigen. Und ich mag kaum etwas weniger, als von Grünen in die Defensive 
getrieben zu werden.

Was mich am meisten nervt, ist aber: Das Problem hier ist ja nicht der Inhalt, 
sondern die Äußerung des Inhalts. Es geht ja (unterstelle ich) den meisten 
Piraten nicht darum, dass sie die Positionen und Meinungen im offenen Brief 
nicht teilen würden (die einen vielleicht mehr, die anderen weniger, aber zum 
Lippenbekenntnis wird es bei fast jedem reichen). Und das ist auch schön und 
konsens. Aber man fühlt sich dann durch das Äußern dieser Meinungen gewaltig 
angepisst, so wie Simon/MisterX. Und das in manchen Fällen vielleicht zu recht, 
in vielen aber leider völlig zu unrecht. Und so lange ein beträchtlicher Teil 
der Piraten wütend aufjault, wenn man mal den Finger in eine Wunde legt und 
einen Missstand, den man wahrnimmt, anspricht, so lange haben wir bei den 
Piraten ein massives Problem. Denn zum einen wird dieser angesprochene Punkt 
auch immer in die Medien kommen. Und zum anderen führt es zu einer massiven 
Verweigerungshaltung - man will sich gar nicht mehr mit dem Problem befassen, 
weil man sich persönlich angegriffen fühlt, und Probleme geht man nicht an. 
Eine hohe emotionale Verbundenheit mit den Piraten ist gut. Aber sich durch 
jede Kritik persönlich angegriffen zu fühlen, bringt keinem was. Und löst keine 
Probleme und macht diese Partei nicht besser.

Deswegen: So lange es Piraten gibt, die das, was sie (angeblich) propagieren, 
nicht leben, braucht es weiterhin offene Briefe. Vor Wahlen. In deutlichen 
Worten. So lange, bis das in der Partei selber angegangen wird. Kritkfähigkeit 
muss man eben manchen Leuten auf die harte Tour beibringen. Nur wenn wir uns 
gegenseitig unsere Probleme vor Augen führen und lernen, sowas nicht als 
Angriff, sondern als konstruktive Kritik zu verstehen, können wir besser 
werden. Und da ist noch Luft nach oben. Überall.
-- 
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