Moin Andre,

On 10/29/2010 01:37 PM, Andre Schnabel wrote:
Von: Mathias Bauer<[email protected]>

Nur zu wenigen Punkten noch eine Antwort, weil ich denke, dass man ein
positives Verhältbis zueinander nur erhalten kann, wenn man an den
Konfliktstellen Klarheit schafft:

Ich denke, wir reden nach wie vor vollkommen aneinander vorbei,
da die eigentliche Konfliktstelle von (zumindest kommt es so rüber)
Oracle-Angestellten ignoriert wird ...

Nein, ignoriert wird da IMHO nichts. Siehe unten.

Niemand hat irgendwen aufgefordert, das Projekt zu verlassen. Es ist
anders herum: wer an unserem Projekt nicht mehr arbeitet und stattdessen
ein anderes promotet, wäre nicht nur IMHO hier als führendes Mitglied
fehl am Platz.

Hier liegt der eigentliche Konflikt: für uns, die hinter der
Documentfoundation stehen gibt es nur ein Projekt - es ist "unser Projekt"
genauso, wie das von Oracle.

Mir ist völlig klar, dass du das so siehst, ich ignoriere das nicht. Es ist aber so, dass ich das nicht so sehe, genauso wie meine Kollegen. Es kann schon deswegen nicht das gleiche Projekt sein, da es jetzt schon eine unterschiedliche und in Zukunft sicherlich auch noch weiter divergierende Code-Basis hat. Aus welchen Gründen auch immer. Ich möchte hier einfach nur über die Fakten reden, nicht, ob die einem nun gefallen oder nicht. Sonst werden wir uns irgendwann einfach nur noch gegenseitig zerfleischen, und das möchte, so wie ich es verstanden habe, niemand.

Ich will das nicht vertiefen, denn in der Hinsicht sind die Positionen zu weit auseinander, um eine fruchtbare Diskussion führen zu können, besonders wenn das online passiert. Aber es war mir wichtig, dass das hier keine Ignoranz ist, sondern eine Meinungsverschiedenheit.

Oder positiv formuliert: wer weiter an OOo mitarbeiten will, ist
herzlich willkommen. Von den führenden Persönlichkeiten des Projekts
würde ich allerdings erwarten, dass sie ihre Führungsrolle durch eine
entsprechende Präsenz und auch durch öffentliche Promotion des Projekts
bestätigen. Das haben sie aber komplett selbst in ihrer eigenen Hand!

Nein - haben wir eben nicht. Wir können nicht nach draußen gehen und
sagen: "wir gestalten das Projekt, so wie wir es gemeinschaftlich
wollen". Wir mussten in den letzten Jahren sehr häufig Entscheidungen,
die Sun oder Oracle getroffen haben nach außen vertreten - und haben das
auch jahrelang gemacht. Das heißt aber nicht, dass wir glücklich mit
diesne Entscheidungen waren - und das haben wir auch "nach innen"
kommuniziert.

Richtig. Das ändert aber nichts daran, dass ihr ein Projekt gegründet habt, das öffentlich als Konkurrenz zu OOo wahrgenommen wird. Das wurde durch die eine oder andere Aussage auch noch massiv unterstützt. Damit haben wir eben die Situation, die uns allen so nicht gefällt.

"Wirkung" ist natürlich sehr subjektiv. Ich finde schon, dass Michael
klargestellt hat, dass Oracle voll hinter OpenOffice.org steht und ein
Interese daran hat, dass dieses auch weiterhin wächst und gedeiht. Mag
sein, dass sein Versuch, das rüberzubringen, nicht komplett erfolgreich
war ;-), aber die späteren Pressemeldungen von Oracle sind IMHO
deutlich, gerade wenn man die delikate Situation berücksichtigt, sogar
sehr deutlich.

Sie sagen genau eines: wir machen weiter wie bisher. Unterschwellig
steht da drin "dass ein großer Teil der bisher aktiven Community
etwas ändern möchte, ist uns egal".

Ich finde es immer ungünstig, Vermutungen über unterschwellige Botschaften als Tatsachen zu verkünden und diese dann auch noch verbal zu verstärken. Darüber kann man auch schlecht diskutieren, darum versuche ich es gar nicht erst.

Michael hat klar gesagt, dass Oracle die Arbeit an OOo weiterführen wird, und das dürfte für die allermeisten Leute die wichtigste Botschaft gewesen sein. Wenn Jacqueline meint, dass Michael den Wert der Community stärker hätte herausstellen sollen, dann kann man das sicherlich so sehen. Es hat aber - wie schon gesagt - IMHO nichts mit der Foundation zu tun. Nur darauf wollte ich hinweisen. Dass ihr für euch Gründe gefunden habt, einen neuen Weg zu gehen, ist mir ja klar, das habe ich ja auch schon geschrieben.

Mich hat nur (hoffentlich begreiflicherweise) gestört, im Netz lesen zu müssen, dass TDF auch gegründet würde, weil man glaubt, dass Oracle OOo demnächst den Garaus machen würde. Das war auch eine Folge so unbedachter Äußerungen, die aus Michael's Rede in Budapest eine ungewisse Zukunft von OOo ableiten wollten. Schön, dass du das hier auch richtig stellst:

Na ja - ich habe die Foundation mitgegründet und ich habe den Vortrag
(und die Reaktionen im Publikum darauf) gesehen. Der Vortrag hatte an
der Geschichte schon einen Anteil, denn es war die Bestätigung, dass
wir den richtigen Weg gehen.

Dagegen kann und will ich hier nichts sagen - weder über die Notwendigkeit eures Schritts noch über die Gründe dafür. Ich finde es aber gut, dass wir hier für die nicht so Kundigen klarstellen konnten, dass Michael's Rede mitnichten irgendein auslösender Faktor war.


Ich verstehe wirklich nicht, wie man jahrelang mit Menschen
zusammenarbeiten kann und nachher von "Missverständnissen" redet,
wenn einige der aktivsten Mitarbeiter darauf hinweisen, dass es
zu Veränderungen kommen muss und sogar soweit gehen, diese selbst zu
initiieren.
Sicher hatten wir in der Vergangenheit immer wieder Leute, die sich
aus dem Projekt verabschiedet haben - in der Regel wurde das als
der Willen (oder Unwillen) Einzelner abgetan. Jetzt haben wir aber
fast den halben Community Council, ein paar Project Leads (bzw. Co-Leads)
sind auch schon gegangen. Ich finde es wirklich erschreckend,
mit welcher Beharrlichkeit man dabei bleibt, dass eigentlich alles
Gut ist und es sich nur um ein paar Missverständisse oder kleinere
Probleme handelt.

Ich glaube nicht, dass ich das geschrieben habe. Meine Aussage bzgl. eines "Missverständnisses" bezog sich lediglich darauf, dass es offensichtlich nicht klar geworden ist, dass für Oracle auch OpenOffice.org als Open Source Projekt und damit auch seine Community wichtig sind.

Alles andere möchte ich sicherlich nicht als Missverständnis darstellen, auch nicht unterschwellig, um das klar zu sagen. Das sind klare Differenzen. Wir müssen jetzt eben sehen, wie wir mit dem Ergebnis umgehen.

Ciao,
Mathias

--
Mathias Bauer (mba) - Project Lead OpenOffice.org Writer
OpenOffice.org Engineering at Oracle: http://blogs.sun.com/GullFOSS
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