Moin Marino, *, 

(aufgrund des Perspektivenwechsels ein neuer Betreff...)

On Sunday 31 October 2010 07:58, Salvalaggio Marino wrote:

> > Dann wäre es evtl. sinnvoll, wenn Oracle daran mitarbeitet, eine
> > Rechtslage herbeizuführen, die auch für Oracle günstig ist. Genau
> > das tut Oracle aber erklärtermaßen nicht.
>
> Was erwartest Du?
>
> Soll sich Oracle durch eigenes Mitwirken die Butter vom Brot klauen
> lassen?

Wieso glaubst du, dass das der Fall wäre? Ich glaube eher, dass Oracle den 
Wert der Community in diesem Projekt nicht anerkennt - und vor allem für die 
Zukunft auch nicht anerkennen will. 

Können wir mal - alle Animositäten beiseite lassend - folgende Fragen 
beantworten:

1) zur Sache selbst: 
Zu welcher Software hättest du mehr Vertrauen, zu einer, die im Wesentlichen 
von einer einzigen Firma kontrolliert wird oder zu einer, die von einer (mehr 
oder weniger) unabhängigen Stiftung kontrolliert wird, in der - sagen wir mal 
- 20 große Firmen weltweit vertreten sind?

2) zu den möglichen persönlichen Motiven der "Abtrünnigen":
Was würdest du tun, wenn du deine Energie und dein Herzblut Jahre lang 
"freiwillig" in ein Projekt wie OOo steckst, mithilfst, die Community 
aufzubauen und zu stärken, um das Projekt erfolgreich zu machen, dabei in 
immer engeren Kontakt mit der Projektleitung kommst, das gegenseitige Vertrauen 
wächst, es wird gemeinsam immer wieder mühsam um Positionen gerungen, und 
nicht zuletzt wird alles von der Vision getragen, eines Tages eine "gemeinsame" 
Stiftung/Projektleitung zu installieren?  
Und nun wechselt einfach nur der Projektleiter, von heute auf morgen wird dir 
mit kompletter Ignoranz, ja sogar mit Häme und Verachtung begegnet, so nach 
dem Motto, "Ätsch, ich hab euch alle mit gekauft" oder schlimmer, "Mein Gott, 
seid ihr dumm gewesen, dass ihr das alles umsonst gemacht habt - aber jetzt 
gehört es mir".

Also ich persönlich hätte auf beide Fragen nur eine Antwort: a) Retten, was 
zu retten ist, und b) genau das tun, was seit Jahren gemeinsam geplant war, 
nämlich diese unabhängige Stiftung zu gründen. Damit wird das ursprüngliche 
Projekt im ursprünglichen Sinne weiter geführt, auch wenn die neue 
Projektleitung durch den Kauf des Namens glaubt, das ganze Projekt mitsamt der 
Community "gekauft" zu haben.

Irgendwie verstehe ich die TDF-Gründer sehr gut.

Oracle verstehe ich persönlich leider überhaupt nicht. 

Ist dort die komplette Projektkontrolle in eigener Hand so wichtig, dass man 
den Bruch mit der Community einfach so in Kauf nimmt? Glaubt der Elefant, nur 
mal mit dem Kopf wackeln zu müssen, um die Ameisenschar einfach 
abzuschütteln? 

Vielleicht misst man tatsächlich der Community keinerlei Bedeutung zu, dann 
ist es aber nur gut, wenn diese sich sozusagen selbst emanzipiert und den 
Stellenwert festlegt, den sie in diesem Projekt hat. 


> So viel Idealismus wird es in der Geschäftsführung nicht mal 
> ansatzweise geben. Dafür sind viel zu grosse Beträge geflossen! Die
> Juristen von Oracle werden sich hüten auch nur einen Finger in diese
> Richtung zu bewegen, sonst dürften die gleich den Hut nehmen müssen.

Aber bei der Community sind auch große Beträge geflossen! Und zwar an Zeit, 
Einsatz, Vertrauensvorschuß! So viel Dummheit, sich das alles einfach 
wegnehmen zu lassen, wird es auch in der Community nicht ansatzweise geben! 


> Das Günstigste für Oracle ist doch sicher, dass Abspalt- oder
> Autonomie -bestrebungen, in irgendwelche Richtung auch immer,
> versanden! So ist gewährleistet, dass die Idealisten weiter gratis
> mitarbeiten.

Es wird sich, da geb ich dir recht, noch zeigen müssen, ob die TDF-Gründer 
und LibreOffice-Herausgeber genug Rückhalt bekommen, um die Ideen zu 
verwirklichen, die sie sich auf die Fahnen geschrieben haben. 

Es wird sich aber auch zeigen, ob die Reststrukturen des Projekts OOo ohne den 
- ich sag jetzt mal - "querdenkerisch-progressiven" Anteil der Community 
ähnlich erfolgreich sein werden wie bisher. Natürlich gibt es genug 
Angsthasen und Gutgläubige, die sich weiter melken lassen werden. Aber die 
Mutigen und Fortschrittlichen haben den Weg zu einem größeren Ziel 
beschritten. 

> mit desillusionierendem Gruss
> Marino

Mit großem Vertrauen in die selbständige Community,
Nino

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