Hallo Andreas, Listige,
> braucher! Was dieser bei einem Handy, welches im 5 mal 5
> cm groessen Display einen Spielfilm abspielt oder eine
> Website darstellt, nicht unbedingt so sieht.
es ist etwas irritierend, dass Du hierbei von "gegebenen"
Fakten ausgehst, die so leider nicht gegeben sind. Niemand
behauptet, dass sich irgendwer auf einem Handy einen Spiel-
film anschaut und ich weiss nicht, was Dich dazu verleitet,
zu glauben, dass es ueberhaupt einen Sinn machen wuerde,
Spielfime via Internet anzuschauen.
Ich meine, wir haben doch schon ein nahezu perfektes Medium,
um Spilefilme zu uebertragen und dazu auch einen nahezu
perfekten Mechanismus um diese wiederzugeben: nennt sich TV.
> Vergesse zudem nicht, dass der Palm Pilot fuer eine ge-
> wisse Klientel ein Statussymbol darstellt. Was vor einigen
> Jahren das Handy, ist nun der Palm Pilot.
Stimmt. Und was ist das Handy heute? Nerviges Rumgeschleppsel
fuer DM 20,-- (im Monat). Allerweltsartikel fuers Business.
Als ich mir vor 25 Jahren - damals fuer schweineteures Geld -
einen Anrufbeantworter gekauft habe, hat jeder gesagt, "Wat
willste denn damit". Ausserdem war das ein halber Schrank,
weil er aus einem Tonbandgeraet und einem separaten Schaltteil
bestand.
Gleiches bei meinem ersten Fax von vor fuenfzehn Jahren (laeuft
witzigerweise immer noch!)
> Mag sein. Aber es wird nicht angenommen werden. Technische
> Machbarkeit impliziert noch lange keine Akzeptanz bei der breiten
> Masse.
Die Akzeptanz kommt nicht dadurch, dass Leute etwas bewusst
kaufen sondern weil es einfach in Geraeten drin ist, die sie
sowieso erwerben (wollen). Geht natuerlich nicht von heute auf
morgen und manchmal muss auch nachgeholfen werden. 1957 waren
sowohl Autos wie auch Autoradios Luxus bzw. Luxuszubehoer. Heute
ist weder das Autor Luxusartikel sondern Gebrauchsgegenstand
und ein Auto OHNE Autoradio haette heute einen Mangel.
Akzeptanz gewisser Dinge kommt fast immer aus dem Businessbereich,
d. h. weil Leute dort mit irgendetwas arbeiten bzw. irgendwas
jeden Tag acht Stunden vor der Nase haben und auf einmal fest-
stellen, dass das auch zuhause ganz praktisch sein koennte.
> Ein Bildschirm ist ein Ksten.
Wieso denn das? Der auf dem Schreibtisch meiner Freundin Marlene ist
kein Kasten sondern ein flaches Teil, nennt sich Telefonanlage
und da steht BOSCH drauf.
> Eine Tastatur hat Knoepfe.
Ich sprach aber nicht von einer Tastatur sondern von einem
Eingabegeraet. Das ist etwas anderes und hat nicht unbedingt
Knoepfe.
> Eine Website besteht aus Buchstaben plus Grafik.
Ist von der Definition her auch nicht richtig. Eine Website
ist eine Ansammlung von strukturierten Informationen. Steht
so ziemlich am Anfang von RFC 1866 und ist auch das, was
sich Berners-Lee bei der Entwicklung von HTML/HTTP gedacht
hat. Eine Website kann auch die Darstellung aktueller
Aktiencharts sein und die muss man sich nicht unbedingt
ansehen sondern kann sie auch direkt in den Laptop umleiten.
Oder den Palm Pilot oder was-auch-immer. Gleiches gilt fuer
andere Informationsangebote.
Man darf nicht vergessen: Unterhaltungsangebote sind im
Vergleich zur Anzahl der B-2-B Angebote oder wissenschaftlichen
(universitaeren) Informationen im Net immer noch in der Minderzahl.
> Weil Videokameras einen *wahrgenommenen Zusatznutzen*
> bringen, Bildtelefone nicht. Mit einer Videokamera kann man
> seine Liebsten filmen und Erinnerungen konservieren, mit
> einem Bildtelefon den pickligen, unsympathischen Gespraechs-
> partner betrachten, wird zudem in seiner Privatsphaere gestoert.
> Und dies ist genau das Problem. Solange man zuhause oder im
> Betrieb mit einem praktischen PC Websiten betrachten kann,
> wird keiner auf die Idee kommen, dies mit einem Handy zu
> erledigen.
> > Und wo ist eigentlich das Problem, so ein Kameramodul noch
> > zusaetzlich in einem Handy unterzubringen, das Handy per
> > Infrarot mit einem "Abspielgeraet" zu koppeln usw.
>
> Das will ich Dir sagen: in der ERGONOMIE!
> Nochmals: Technik hat nur dann Erfolg, wenn Sie dem Menschen
> entgegenkommt, nicht wenn Sie den Menschen zwingt, seine
> Gewohnheiten zu aendern ...
wieso muss irgendwer was aendern? Solche Zusatzfunktionen
sind auf einmal in solchen Geraeten drin und dann werden
sie auch benutzt.
Die "Gewohnheit" des Menschen liegt darin, Informationen
durch Sprache zu uebermitteln und das ungefaehr seit der
Steinzeit. Und das Handy ist kein Handy, kein Teil was
man sich ans Oehrchen haelt sondern nur ein Mechanismus,
damit man nicht so laut bruellen muss, wenn man jemandem
in Amerika was zugrunzt.
> Viele der euphorischen Zukunfsszenarien werden spaeter
> nur noch belaechelt. Sie waren ein Traum der Techniker.
> Motto: "Why? Because we can ...".
> Man denke nur an das "intelligente Haus". Was war das
> fuer ein Hype vor einigen Jahren. Alle Welt sprach davon.
> Haueser, die "mitdenken", bei denen alles vollautomatisch
> laeuft, usw. Wer spricht heute noch davon?
Eine ganze Industrie! Es faengt damit an, dass die Rollaeden
im Haus einer Freundin automatisch rauf und runtergehen, wenn
es Zeit ist. Es geht damit weiter, dass man bei Ihrer neuen
Mikrowelle nicht mehr allzuviel einstellen muss sondern
stattdessen eine Fuehler in den Schweinebraten stopft und
die Kiste besagten Schweinebraten alleine gart. Wie wir
feststellen mussten, funktioniert das nicht immer aber
meistens :-).
> Wieviele Neubauten werden tatsaechlich mit der
> dahintersteckenden Technik gebaut?
Andreas, eine Menge. Mir scheint allerdings, dass Du von
viel zu komplexen Zusammenhaengen ausgehst, d. h. dass gleich
ein vollverkabeltes Haus da steht, bei dem alles ueber SAP
im Keller geregelt wird. Das wird dann passieren, wenn
"SAP im Keller" die Groesse eines ISDN-NTAB hat und nur noch
DM 254,-- kostet. Was auch nur eine Frage der Zeit ist.
Technisch ist das alles kein Problem mehr.
Mir scheint, dass Du von Voraussetzungen ausgehst, die so
nicht gegeben sind. Ein Beispiel: In irgendeinem Lehrgang,
den ich einmal machte, hielt der Trainer einen Gegenstand
hoch und fragte, "Was ist das?". Alle, einschliesslich mir,
sagten, es waere ein Bleistift.
War keiner. Es sah so aus, war aber ein Stahlstift, der "Klong"
machte, als er auf den Schreibtisch fiel.
In dem Zusammenhang, ein Jokus zum Schluss: Wenn man eine
Vase mit dem Finger antitscht, weiss man, aus welcher Zeit
sie stammt. Wenn dann "Ming" ertoent :-).
Gruesse
Klaus
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