Hallo Klaus und Liste,

> > Auch hier, so glaube ich, gehst Du von der verkehrten
> > Seite an die Problematik heran. Ein gutes Produkt kann
> > NIEMALS durch "falsches Marketing versenkt" werden.
> 
> mmh, was war z. B. mit VIDEO 2000? Darueber war die
> gesamte Fachwelt einhellig der Meinung, dass es das
> beste Videosystem im Amateurbereich war, dass am Markt
> zu bekommen war. Selbst S-VHS bringt die Werte noch
> nicht! VIDEO 2000 IST durch falsches Marketing versenkt
> worden.

Nicht unbedingt. Dennoch stimmt meine obige Aussage
eher, wenn man den letzten Satz aendert in: "Ein bestehendes
oder latent vorhandenes *Beduerfnis* kann NIEMALS durch
falsches Marketing versenkt werden."

Aber auch in diesem Beispiel (VIDEO 2000) sprichst Du
wieder das Grundproblem an: Die *Fachwelt* war der
Meinung (und das wohl zu recht), dass VIDEO 2000
das bessere System war. Nicht aber der *Konsument*.

War es nicht so, dass bauartbedingt das VIDEO 2000-
System deutlich teurer war als ein VHS-System. Und
dafuer war der Konsument nicht bereit, einen Mehrpreis
zu zahlen.

Der Fall VIDEO 2000 ist m.E. ein typisches Beispiel
fuer die beruehmte bessere Mausefalle, die keiner
kaufen wollte.

> Fuer Video gab und gibt es scheinbar ein Beduerfnis,
> sogar ein Beduerfnis nach hoher Bildqualitaet. Trotzdem
> setzte sich VHS durch, was von den drei damaligen
> Systemen das schlechteste war.

Ja, es gab ein Beduerfnis nach Videoaufzeichnung. Nicht
aber war der Konsument bereit, dafuer auch einen Mehr-
preis zu zahlen! Es ist im Grunde genommen dieselbe Debatte,
die wir mit dem Beispiel "Handy der Zukunft" in diesem
Thread bereits fuehrten.

Das Grundbeduerfnis "mobil telefonieren" besteht, nicht
aber mit diesem Handy auch noch sein Garagentor zu
oeffnen, im Internet zu surfen, Online-Banking zu betreiben
und und und.
 
> Es gab auch schon vor zwanzig Jahren ein Beduerfnis nach
> Automotoren mit hoher Energieumsetzung und geringer Umwelt-
> belastung. Das sich der Kreiskolbenmotor nicht in groesserem
> Mass durchgesetzt hat, WAR ein Marketingfehler.

Nicht unbedingt. Denn auch hier (so mein Wissen) war es
doch so, dass wiederum bauartbedingt der Kreiskolben-
motor in der Herstellung teurer war. Und dafuer war der
Konsument ebenso nicht bereit, bei der Fahrzeug-
anschaffung einen Mehrpreis zu zahlen.

> im Falle eines Massenartikels entscheidet NUR Marketing
> darueber, was letztendlich den hoeheren Marktanteil hat.
> Wieder ein einfaches Beispiel dazu: Waschpulver.
> Waschpulver ist NUR Marketing, denn es ist voellig
> wurscht, welches Waschpulver man nimmt, in den meisten
> ist sowieso zum groessten Teil der selbe Kram von Henkel
> (Texapon, soweit ich mich entsinne).

Das ist eine ganz andere Thematik. Hier geht es darum,
dass der Markt bereits gesaettigt war/ist. Hier muss
mit hohem Marktingaufwand und -Etat das Produkt
Waschpulver DIFFERENZIERT werden, um den Markt-
anteil zu halten oder auszubauen.

So erklaeren sich Wortkreationen wie: "Waescht weisser
als weiss" oder "Megaperls" oder "porentief rein". 

Oder willst Du das Beispiel Waschpulver als Beleg dafuer
bringen, dass man nur durch entsprechendes Marketing
eine neue Produktkategorie geschaffen hat? Ein Beduerf-
nis fuer das Produkt Waschpulver bestant bereits! 

> Oder nimm ganz ordinaeren Holzleim. PONAL hat nur deshalb
> einen hoeheren Marktanteil, weil Henkel VIEL MEHR Kohle
> in Werbung d. h. Marketing investiert als ein Mitbewerber
> (KEIME), dessen Produkt ganz erheblich besser sind!
> 
> Wie erklaert sich solches?

Wie gesagt, auch hier geht dieses Beispiel am Kern des
Threads vorbei. Es ist unbestreitbar, dass man ansonsten
gleichwertige Produkte mit hoeherem Marktingaufwand
besser vermarkten kann und hoehere Marktanteile erreicht.

Ausgang der Diskussion war u.a. mein Hinweis, dass
ein Produkt wie das derzeit vielbeschworene "Multifunktion-
handy" m.E. entgegen aller Prophezeiungen wohl nicht
zum Standard werden wird (bzw. genutzt wird), da der 
Konsument (Markt) keinen Bedarf dafuer sieht. Da hilft
auch der beste Markting-Mix nicht weiter.

Das Beispiel PONAL betrifft wie das Beispiel Waschpulver
lediglich die Differenzierung (vom Mitbewerber), mit dem
Ziel, hoehere Marktanteile zu erringen. Auch hier bestand
jedoch bereits ein Beduerfnis nach Klebemittel.

Gruesse,
Andreas Frenko
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